Wildes Leben in Malerei und Fotografie

Zebra IV - Constantin Schroeder

Zebra IV – Constantin Schroeder

Ausstellung „Beasts“ mit Michael Poliza und Constantin Schroeder

Kunstliebhaber können sich ab April auf ein besonderes Zusammentreffen freuen: Fotograf Michael Poliza und Maler Constantin Schroeder zeigen in der Ausstellung „Beasts“ erstmals gemeinsam ihre neuesten Arbeiten. Wer dabei beschauliche Tier- und Afrikaszenerien erwartet, wird allerdings überrascht sein – denn sowohl Poliza als insbesondere auch Schroeder präsentieren buchstäblich „wilde“ Motive, die den Betrachter zu einem zweiten Blick zwingen.


Tier Constantin Schroeder 1

Tier Constantin Schroeder 1

„Ich bin kein Tiermaler“, verwirft Constantin Schroeder etwaige Vorstellungen. Trotzdem waren seine „eindrucksvollen malerischen Zebrastudien“ der Auslöser für die Idee einer Zusammenarbeit mit Michael Poliza, der international zu den renommiertesten Tier- und Naturfotografen zählt.

Zugleich geben Schroeders Zebra-Bilder, vier Stück an der Zahl, alle großformatig und in realistischer Malweise mit Öl auf Leinwand festgehalten, die Richtung vor: Nur auf den ersten Blick erscheinen sie in ihrer fast grafischen Komposition – drei der Motive zeigen ein herausgehobenes Tier auf weißem Grund – geradezu schön, fast dekorativ. Schnell fällt aber auf, dass es sich um eine morbide Schönheit handelt, denn die Zebras befinden sich im Überlebenskampf oder haben diesen bereits verloren. Stilles Staunen, vielleicht Entsetzen. Das vierte Bild der Reihe löst auf, wirkt fast erlösend. „Zebra IV“ ist durchkomponiert, ausgemalt. Man sieht die komplette Szene – ein Leopard liegt in der Savanne beschützend, fast liebevoll auf seiner Beute, dem Zebra, im Hintergrund ein dramatischer Abendhimmel. Die Augen des Leoparden sind, typisch für Schroeder, „Leerstellen“, weiße Punkte, die einen umso stärker fokussieren.


On second Glance - Michael Poliza

On second Glance – Michael Poliza

 Michael Poliza hat für „Beasts“ eine Auswahl von Fotos zusammengestellt, die alle in den vergangenen drei Jahren entstanden sind und bislang noch nicht gezeigt wurden. Erneut war der Fotograf in Afrika unterwegs, und er schafft es einmal mehr, mit seinen Aufnahmen Sehnsüchte zu wecken, Abenteuerlust zu entfachen. Auch Polizas Bilder fordern dazu auf, genauer hinzusehen und die Motive auf sich wirken zu lassen. Ist man zuerst von der Ästhetik der Landschaft beeindruck, von der scheinbar heilen Welt, in der sich Giraffen, Gnus, Büffel, Elefanten und Zebras bewegen, schwingt doch zugleich etwas Geheimnisvolles, Bedrohliches mit. Michael Poliza gelingt es wie kaum einem Anderen, allein durch die eingefangene Lichtstimmung die allgegenwärtige Gefahr zu zeigen, ohne sie direkt abzubilden.

Natürlich präsentiert uns der Fotograf auch das „Biest“, in Gestalt des Löwen, aber der wird eher majestätisch, Ehrfurcht gebietend in Szene gesetzt.Nur auf einem Foto wird der Betrachter Zeuge des brutalen Wildlebens – im diffusen Sonnenlicht und erst auf den zweiten Blick sieht man, wie der „König der Tiere“ zuschlägt.
Nur gut also, dass der schwarze Kontinent doch weit weg ist und einem große Raubkatzen, vermeintliche „Beasts“, nur im Zoo oder im Fernsehen begegnen?

Irrtum, denn an diesem Gedankenpunkt führen uns Michael Poliza und Constantin Schroeder vor Augen, dass alles eine Frage der Perspektive ist: Poliza beleuchtet in ausgewählten Fotografien liebevolle, nahezu „menschliche“ Züge der samtpfotigen „Räuber“, fängt Momente einer natürlichen, ursprünglichen Zärtlichkeit ein, wie sie nur in der realen, von enschenhand unberührten Wildnis zu finden sind. Im Gegensatz dazu hält Constantin Schroeder dem Betrachter den Spiegel vor, zeigt bildgewaltig, dass das „wilde Leben“ ebenso um uns und in uns ist. Der Berliner Maler stellt den Menschen dem Tier gegenüber, deckt animalische Züge auf, gesellt „Beauties“ zu den „Beasts“ und entfacht ein Kopfkino, das „jenseits von Afrika“ mitten in Deutschland stattfindet.

Deceptice Peace - Michael Poliza

Deceptice Peace – Michael Poliza

„Beasts“ ist in zwei Teilen – zu zwei verschiedenen Terminen und an zwei verschiedenen Orten – in Hamburg zu sehen.

Den Auftakt macht vom 17. bis 19. April 2015 die Preview mit ausgewählten Arbeiten im Showroom von Michael Poliza in der Jarrestraße 42 a (Hinterhof). Den Schwerpunkt der Preview bildet die Gegenüberstellung von Schroeders fiktiven Zebra-Studien mit Polizas Aufnahmen aus der realen Lebenswirklichkeit der Tiere. Die Vernissage im Beisein der beiden Künstler findet am Donnerstag, 16. April von 18.30 bis 21.30 Uhr statt.

Einen Monat später, am 21. Mai 2015, wird die „Beasts“-Ausstellung eröffnet. In einem eigens von REINHARDT & PARTNER für die Kunstschau umfunktionierten Projektraum in der Innenstadt gibt es dann eine größere Anzahl an Werken der beiden Künstler zu sehen, insbesondere auch die malerisch-umgesetzten Transformationen des „Wild Life“-Themas in die reale, menschliche Welt. Vernissage ist am Donnerstag, 21. Mai von 18 bis 22 Uhr, die Ausstellung ist bis zum 30. Juni zu sehen.

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