Die Band JOCO hat gerade ihr zweites Album „Into the Deep“ vorgelegt, in dem die Schwestern Josepha und Cosima tiefere Bedeutungen ausloten und die Dinge aus anderen Perspektiven beleuchten. Wir trafen die in Hamburg lebenden Musikerinnen zum Gespräch an der Alster.

Hamburgwoman.de: Ihr lebt seit vier Jahren in Hamburg. Was mögt ihr besonders an unserer Hansestadt?

JOCO: Mit Hamburg verbinden wir den Beginn unserer Karriere. Wir sind in Ostfriesland aufgewachsen, haben in Holland Musik studiert und sind danach hierhergekommen. Über den Popkurs an der Musikhochschule haben wir Kontakte in die Szene geknüpft und dann ging es ganz schnell los mit unserer ersten Platte.

Besonders lieben wir an Hamburg die Nähe zum Wasser und zum Meer und den Hafen, der uns zu dem Song „City Shore“ inspiriert hat. Die Atmosphäre von Industrie, Kränen, großen Schiffen und Wasser mitten in der Stadt wollten wir musikalisch vermitteln. Für die Schiffshörner haben wir uns drei tiefe Blechbläser als Gastmusiker dazu geholt. Sonst haben wir ja alles zu zweit gespielt.

Seit ihr das Debütalbum „Horizon“ vorgelegt habt, wart ihr viel unterwegs. Was unterscheidet Hamburg von anderen Städten?

Wenn wir wieder nach Hamburg zurückkommen, dann fühlt sich das nach Zuhause an. Wenn man im Rahmen einer Tournee viel von Deutschland und Europa entdeckt, nimmt man die Heimat noch einmal ganz anders wahr. Im Oktober eröffnen wir unsere Deutschlandtour in Hamburg im Mojo, darauf freuen wir uns schon.

Was hat es mit den Doggen auf sich? Sind das eure Tiere?

 

JOCO_KatjaRuge_3Die beiden und die Besitzerin haben wir beim Joggen am Strand kennengelernt. Große und mächtige Lebewesen faszinieren uns. Deshalb gibt es auf dem Album „Into the Deep“ auch den „Whale Song“.

Habt ihr schon immer zusammen Musik gemacht?

Wir haben auch viel in anderen Bands gespielt. Mit unseren zwei Brüdern und einer Wohnstube voller Instrumente haben wir schon zu Hause viel experimentiert. Wir hatten viele verschiedene Bands, Cosima hat auch mal in einer Punk-Band gespielt und Josepha viel in Big Bands.

Am Ende haben wir gemerkt, dass die enge Verbindung, die wir haben, weil wir Schwestern sind, wirklich etwas Besonderes ist und man sonst lange dafür proben muss, um so miteinander Musik machen zu können.

Man könnte augenzwinkernd sagen, dass wir bereits auf eine Bandgeschichte von einem Vierteljahrhundert zurückblicken können.

Inwiefern habt ihr seit „Horizon“ euren Stil weiterentwickelt?

Wir haben mit „Horizon“ unzählige Konzerte gespielt und dabei viel erlebt und Erfahrungen gesammelt. Mit „Into the Deep“ wollen wir in die Tiefe gehen – auch musikalisch. Wir haben unser Klangbild verbreitert, etwa mit den Bläsern und Bassisten, haben aber auch selbst mehr Instrumente eingespielt. In „Whale Song“ haben wir uns mit elektronischen Drums und Synthesizern eine musikalische Unterwasserwelt gebaut, denn der Text ist aus der Sicht eines Wals geschrieben. Wir wollten mit einem kritischen Blick in die Ozeane schauen und auf das, was der Mensch da so macht. Wale können 300 Jahre alt werden, alte Tiere haben eine große Veränderung ihres Lebensraumes miterlebt.

Ist der Albumtitel „Into the Deep“ als thematischer Schwerpunkt gemeint?

Ja, wir wollten über die neuen Songs den Dingen auf den Grund gehen. Was ist hinter der Fassade? Kann man die Dinge auch anders sehen?

Zum Beispiel in „Loneliness“. Zu Einsamkeit hat man ja zumeist negative Assoziationen wie Traurigkeit. Wir finden aber, dass das nicht nur stimmt und haben das ergründet, weil wir auch eine gute Einsamkeit kennen. Es gibt Dinge, die man erst an sich entdecken und herauslassen kann, wenn man alleine ist. Leider flieht man aber oft vor dem Alleinsein.

Und wie ist die Produktion abgelaufen? Wo habt ihr aufgenommen?

Wir sind für die Zeit der Produktion nach London gezogen und hatten eine Wohnung im Stadtteil St. John’s Wood. Auf dem Weg ins Abbey Road Studio mussten wir jeden Morgen den berühmten Zebrastreifen überqueren und immer wegen der Touristen warten, die Fotos im Beatles-Style machen.

Im Abbey Road und im RAK Studio war die Atmosphäre wirklich besonders. Es stehen tolle und geschichtsträchtige Instrumente bereit. In unserem Song „Kopfkarussell“ hört man zum Beispiel das Klavier, auf dem die Beatles „Lady Madonna“ eingespielt haben. Es ist inspirierend auf diesen Instrumenten die eigene Musik entstehen zu lassen und ein besonderes Erlebnis, wenn die Songs zum Leben erwachen. Und wenn das Album erscheint, folgt das nächste Erwachen der Songs, wenn viele, viele Leute die Musik in die Ohren bekommen.

Text: Wolfgang Wagner

Fotos: Katja Ruge

 

JOCO_Album_Cover_ITD_2400pxCD Tipp:

JOCO: „Into the Deep“. Columbia.

Josepha (Vocals, Drums) und Cosima (Vocals, Piano, Gitarre).

Mehr Infos: www.jocomusic.com

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