Nadja Atwal hat den Sprung über den Atlantik und in die Liste der Top-Verdienerinnen geschafft. In New York ist die „Sexiest Power Women“ extrem erfolgreich. Wir sprachen mit der langjährigen Eppendorferin über Mut, Karriere und die innere Sicherheit in Deutschland.

Hamburg Woman: Sie sind in den Medien sehr präsent: als Modedesignerin, Moderatorin, Model, Marketing- und PR-Expertin – Wow! Wie geht das?
Nadja Atwal: Im Endeffekt arbeite ich in allen Sparten des Show-Business als Selbstständige. Hauptsächlich betreue ich Firmen als Managerin oder PR-Beraterin, bin das Gesicht für verschiedene Brands – momentan für Alp Beauty und in unterschiedlichen TV-Formaten zu sehen.
Sie haben darüber hinaus ihre eigene Modekollektion entworfen …
Das ist richtig. Ich habe so viele Ideen und Talente, die ich miteinander verknüpfe, um unterschiedliche Projekte zu verwirklichen. Besonders der Export von ‚made in Germany‘ liegt mir sehr am Herzen.  Schließlich bin ich so gesehen auch ein Export aus Hamburg. Darum arbeite ich gezielt mit entsprechend großen deutschen Unternehmen wie Steigenberger oder Alp Beauty zusammen. Es ist großartig, dass dieses vielseitige Arbeiten in Amerika möglich ist.
Ist das in Deutschland anders?
Auf jeden Fall! Hier soll man sich auf eine Sache fokussieren. Wenn man damit Erfolg hat, wie etwa Barbara Schöneberger mit ihrer Moderation, darf man auch mal was Neues wagen und in ihrem Fall singen.
Wann und warum wollten Sie in die USA auswandern?
Ich hatte das schon seit langem vor, denn ich wusste, dass ich mich in Hamburg nicht in dem Umfang verwirklichen kann, wie ich es wollte. Vorerst nur als ‚Urlaubsbesuch‘ angedacht, habe ich auf eigene Faust als Fotoproduzentin angefangen – und hatte schnell Erfolge. Das verdiente Geld habe ich immer wieder reinvestiert.
Wie haben Sie es geschafft von einer in andere Branchen zu wechseln?
Das passierte ganz automatisch. Durch die Fotoproduktionen u.a. mit Halle Barry konnte ich viele Kontakte knüpfen. So ergab sich,  dass ich als Managerin für verschiedene Firmen angeheuert wurde. Aus dieser Position heraus in den PR-Bereich zu switchen, liegt auf der Hand. Nachdem ich die Auszeichnung ‚Sexiest Power Woman‘ von dem US-Magazin Viva Glam erhielt und auf deren Cover abgebildet wurde, genoss ich zusätzliche Aufmerksamkeit.
Klingt nach einer exponentiell steigenden Karriere.
Auch wenn der Erfolg immer gestimmt hat, gab es unglaublich viele Projekte, die mich schlaflose Nächte und unglaublich viel Arbeit gekostet haben, und trotzdem gecancelt werden mussten.
Wie viel Prozent der Projekte sind gefloppt?
Ich würd sagen 90 % wurden eingestellt, 10 % stimmten.
Woher nehmen Sie die Kraft immer weiterzumachen?
Mein Ehrgeiz, mein Durst nach Erfolg und meine Naivität, bedingt durch mein junges Alter mit Anfang Zwanzig, haben mir geholfen immer weiterzumachen, ohne Hemmungen zu arbeiten und immer volles Risiko zu gehen. In wirklich schlechten Zeiten, in denen ich kaum meine Miete zahlen konnte – und ich wohnte anfangs nur in einer umgebauten Garage – tat sich immer wieder ein neues Projekt auf, das mich rettete.
Nun sind Sie verheiratet, haben zwei Kinder und tanzen auf jeder Party.
Oh nein, das würde ich nie schaffen. Ich kriege zwar viele Einladungen, nehme aus Zeitgründen aber selten eine an. Als Mutter ist es das schönste für mich Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.
Wie viele Stunden arbeiten Sie zurzeit am Tag?
Das kann ich nicht sagen, da ich meine Arbeit immer auch zwischen die Pflichten als Ehefrau und Mutter schiebe.
Das ist ein toller Übergang zu ihrem anstehenden Projekt für RTL, in dem Sie Privates mit Beruflichem vermischen?
Das ist richtig. Ähnlich wie bei ‚Ausgewandert, ausgesorgt‘ wird mein Leben zum Thema ‚Wie schafft es eine Frau ihren Kindern und ihrer Karriere gerecht zu werden?‘ beleuchtet und dokumentiert.
Gibt es bereits feststehende Sendetermine?
Wir fangen in New York gerade erst an zu drehen. Es soll aber noch dieses Jahr ausgestrahlt werden.
Apropos New York, die Weltstadt schlechthin. Was fehlt Hamburg, um da mitzuhalten?
Das Großdenken. In Hamburg herrscht ein unglaublicher Konkurrenzkampf in den kleineren Unternehmen, in dem besonders Neid eine große Rolle spielt. Niemand gönnt dem anderen etwas. Um zur Weltstadt zu werden, müssten sie sich für bestimmte Projekte zusammentun. Nur gemeinsam kann man etwas ganz Großes stemmen.
Und das schafft Hamburg nicht?
Hamburg ist eine erfolgreiche Stadt und ich glaube die Hamburger sind stolz auf das, was sie alleine geschafft haben. Die Olympiawahl war in der Hinsicht sehr lehrreich. Während andere Städte für eine Bewerbung alles tun würden, lehnen die Hamburger Olympia ab, weil sie mit dem zufrieden sind, was sie haben.
Dass es so viele Olympia Gegner gab, hatte nichts mit den vorangegangenen Terroranschlägen in Paris zu tun?
Oh ich mache mir sehr große Sorgen um Hamburg. Letztes Jahr im Frühling habe ich mit einem polizeilichen Insider ein interessantes Gespräch geführt. Er äußerte mir gegenüber mit großer Besorgnis, dass sich Leute, die sich monatelang in Syrien aufgehalten haben, in Deutschland zurückerwartet werden. Das ist eine absolute Absurdität.
Warum?
Was haben die denn da gemacht? Spa-Urlaub? Sicher nicht! Außer wenn es für die Reise einen extrem guten nachgewiesenen Grund gibt, sollte und hätte man diese Art von Pendeln schon längst unterbinden müssen. Dass wir bereits trojanische Pferde in unserem Land haben, ist schlimm genug.
Was müsste sich in Hamburg in Bezug auf die innere Sicherheit noch ändern?
Hamburg bräuchte viel mehr Kameras, so wie in London. Wie kann es sein, dass hier Polizei Stellen abgebaut werden, wo doch ganz offensichtlich Mehrbedarf besteht? Muss erst etwas Schlimmes passieren wie in Brüssel, damit Angela Merkel, die ich eigentlich sehr respektiere und schätze, wachgerüttelt wird?
Wir müssen aus dem Vorangegangen lernen und es auf unser eigenes Land projezieren. Seit nine-eleven ist jeder New Yorker aufgefordert, die kleinsten Auffälligkeiten zu melden und das tun sie auch. Da Bomben gerne in Mülleimern deponiert werden, gibt es in NY und London an Stellen, wo Massenveranstaltungen stattfinden z.B Stadien, oder Bahnhöfe, bereits 47.000 Dollar teure Mülleimer aus Sprengstoffsicherem Material. In Dubai am Flughafen werden die Besucher vor dem Eingang abgetastet und das Gepäck durchleuchtet, damit die Täter gar nicht erst ins Innere gelangen. Wieso passiert hier in Deutschland nichts? Wir befinden uns in einem Kriegszustand, in dem die Gegner nicht mal mehr Angst um ihr Leben haben, sondern im Gegenteil bereit sind ihrs zu geben.
Klingt als würden Sie gerne Einfluss auf den deutschen politischen Apparat nehmen wollen…
Früher wollte ich tatsächlich immer in die Politik. Das hat sich geändert. In Deutschland – und hier komme ich wieder auf das fehlende Großdenken zurück – muss man in der Kommunalpolitik anfangen. Etliche stundenlange Diskussionen führen über die Farbe der Abfalleimer, um es etwas überspitzt zu sagen. Bis ich in einer Position wäre, in der ich etwas bewirken kann, wäre ich längst abgestumpft und hätte meine Leidenschaft verloren. Als Quereinsteigerin hingegen wäre ich auf jeden Fall dabei!

Valeska

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