Schauspielerin Andrea Lüdke: Von der Freude am Landleben

Schauspielerin Andrea Lüdke liebt die Natur und bestellt ein eigenes Stück Land im Norden Hamburgs. HAMBURG WOMAN traf die 50-jährige Saselerin und sprach mit ihr über ihre erste Zigarette im eigenen Tabakfeld, schlechtes Schulessen und warum sie nie um die Alster joggen würde.

 Andrea ist dankbar: „Gartenarbeit ist für mich keine Arbeit. Es bringt mir Spaß und gibt mir Kraft!“ Foto: Anna-Maria Koy

Andrea ist dankbar: „Gartenarbeit ist für mich keine Arbeit. Es bringt mir Spaß und gibt mir Kraft!“
Foto: Anna-Maria Koy

Der Regen prasselt auf das Blechdach. „Butter- oder Pflaumenkuchen?“, fragt Andrea in die Runde. Kurz vorher standen wir noch zwischen zwei Meter hohen Sonnenblumen und haben mit Andrea gemeinsam Zucchini geerntet, als es zu nieseln begann. Wir haben es uns in dem Geräteschuppen bequem gemacht – sitzen mit Kaffee und Kuchen in einem Klappstuhlkreis. Es ist bereits die zweite Saison, in der Schauspielerin Andrea Lüdke gemeinsam mit ihrer Schwester ein Stück Land zum Gemüseanbau gepachtet hat. „Das ist mein Acker!“, lächelt Andrea stolz. Mit diesem „Acker“ holt sich die dreifache Mutter ein Stück Kindheit zurück: „Ich bin auf dem Land großgeworden, habe meine erste Zigarette im eigenen Tabakfeld geraucht. Ich habe es geliebt, draußen in der Natur zu sein.“ Das Stück Land soll auch Andreas Kindern zu Gute kommen. Mit dem Meerschweinchen auf dem Arm erzählt uns Lotti ganz stolz von einer mutierten Rübe, die sie letztens gefunden hat. „Ich finde es gut, wenn meine Kinder sehen, zu was die Natur fähig ist, was aus einem kleinen Samen wachsen kann. Vor allem sollen sie lernen, dass nicht alles Gemüse perfekt und gleich ausschaut, so wie man es im Supermarkt vorfindet,“ sagt Andrea. Gerade erst wurde eine Studie veröffentlicht, die bestätigt, dass die Deutschen die Dicksten in Europa sind. Gesunde Ernährung ist bei Familie Lüdke eine Selbstverständlichkeit: „Mir schmecken viele Fertigprodukte nicht. Manche Sachen täuschen nur vor, Erdbeeren zu sein. Sie sehen vielleicht so aus, aber sie schmecken nicht wirklich nach Sonne.“ Bei der Ernährung versteht Andrea keinen Spaß – besonders, wenn es um die der Kinder geht. Beispiel Schul-Mensa: „Statt in gesunde Produktionsküche zu investieren, entstehen immer mehr Aufwärmküchen! Ich finde das nicht in Ordnung!“

„Unglaublich, wie aus einem kleinen Samen eine 2,50 Meter hohe Sonnenblume werden kann“, staunt die Hobby-Gärtnerin. Foto: Anna-Maria Koy

„Unglaublich, wie aus einem kleinen Samen eine 2,50 Meter hohe Sonnenblume werden kann“, staunt die Hobby-Gärtnerin.
Foto: Anna-Maria Koy

Zwischen Kindern, Ernte und Schauspielerei findet Andrea Lüdke immer noch Zeit, regelmäßig Sport zu treiben. „Ich habe meine feste Joggingstrecke um den Kupferteich. Ich würde nie auf die Idee kommen, um die Alster zu joggen. Da gibt’s Autos und Gegenverkehr – das ist purer Stress.“ Ihr Geheimtipp: Yoga. „Mein Problem ist es oftmals, nicht richtig loslassen zu können. Da hilft mir Yoga sehr.“ Eine hilfsbereite Familie, ein erfüllender Beruf, gesunde Ernährung, Sport. Es wirkt fast so, als hätte Andrea für alles einen Plan. „Das stimmt nicht. Man macht einfach mit der Zeit seine Erfahrungen. So wie meinte Tochter Milena! Die hat sich nach dem Abitur jetzt erst mal eine Auszeit genommen. Ich finde diese Lehr- und Wanderjahre wichtig. Ich habe sie heute noch. Nichts ist von Dauer. Ich liebe meinen Beruf, aber eine Garantie habe ich nicht! Da arbeitet man einmal auf Lohnsteuerkarte und im nächsten Moment wieder auf Rechnung. Das ist durch die ganzen TV-Formate nicht einfacher geworden die letzten Jahre. Ich frage mich immer: Wer sind diese Menschen, die sehen wollen, wie dicke Messies ihre Frauen tauschen?“

Von der Großstadt aufs Land! Andrea Lüdke führt Redakteur Daniel durchs Grüne. Foto: Anna-Maria Koy

Von der Großstadt aufs Land! Andrea Lüdke führt Redakteur Daniel durchs Grüne.
Foto: Anna-Maria Koy

Bevor Andrea ihr Glück in ihrer Familie fand, war sie lange auf sich gestellt. Lüdke war schon mit 23 Vollwaise, hat mit 17 ihren Vater, und kurz darauf ihre Mutter verloren. Sie sagt selbst: „Das hat mich sehr früh geländegängig gemacht.“ Gibt es auch heute noch Situationen, in denen es alles zu viel wird und man sich übernimmt? „Sehe ich etwa so aus?“, lacht Andrea, „Ich sage nicht, dass es nicht anstrengend ist, mit all diesen Welten zu jonglieren. Aber alles, was schön ist, ist anstrengend. Als Frau und Mutter ist man ja immer das Schaltzentrum für sämtliche Geburtstagsfeiern, Geschenke und alles Organisatorische. Zu kontrollieren, ob genug Wasser da ist oder das Klopapier aus ist. Das hat die Natur so eingerichtet.“ Der Regen hat nachgelassen. „Wollen wir noch einmal in den Garten gehen?“, fragt Andrea. 

Foto: Anna-Maria Koy

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Daniel Johnson

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