Meret Becker: Vielseitig gefühlvoll

Lange war es ruhig um Meret Becker – Schauspielerin, Sängerin, Komponistin und alleinerziehende Mutter. Jetzt ist die 45-Jährige zurück, mit neuem Album, Tournee, Kinorolle und als „Tatort“-Kommissarin. Privates und Berufliches unter einen Hut zu bekommen, fällt ihr schwer – vor allem wegen des Drucks aus ihrem Umfeld.

Gefühlsmensch Meret Becker: Sie singt über gescheiterte Liebe, lebt ihre Schauspielrollen voller Emotionen und hat Zweifel an sich als Mutter. Foto: Anna-Maria Koy

Gefühlsmensch Meret Becker: Sie singt über gescheiterte Liebe, lebt ihre Schauspielrollen voller Emotionen und hat Zweifel an sich als Mutter.
Foto: Anna-Maria Koy

„Um Liebeskummer zu zelebrieren, eignet es sich wunderbar“, erzählt Meret Becker über ihr neues, sechstes Album „Deins & Done“. Es ist geprägt von akustischer Musik – eher langsam und melancholisch – zeigt vielseitige Stilrichtungen von Bluegrass über Singer Songwriter bis hin zu Country und lässt ein facettenreiches, ungewöhnliches Instrumentarium erklingen. Meret Becker und ihr Gitarrist Buddy Sacher erzeugen mit ihrem Musikprogramm, mit dem sie auch auf Tournee sind, Bilder. Sie erzählen abstrakte Geschichten, absurd und herrlich skurril – von Schneeflocken zum Frühstück über gefrierende Splitter im Herzen bis hin zu Murmeln im Tee. „Deins & Done“, das seit dem 19. September im Handel erhältlich ist, ist ein wahres Kunstwerk mit deutschen und englischen Texten, voller extravaganter Detailarbeit, zwischen Tragödie, Poesie und Parodie: Es dreht sich um gescheiterte Lieben, inspiriert durch eigene Erfahrungen.
Zwölf Jahre lang hat Meret Becker an dem Album mit den 19 Songs – die meisten von ihr selbst geschrieben, ein paar gecovert – gearbeitet. Ohne ihren ebenfalls bekannten Bruder Ben Becker wäre die Musik allerdings nie groß öffentlich geworden: „Erst habe ich die Songs nur für mich privat komponiert. Irgendwann fingen Buddy und ich an, mit den Liedern in Kneipen aufzutreten und sie aufzunehmen. Wir hatten vor eine kleine Platte herausbringen. Mein Bruder fand die Musik aber so schön, dass er meinte, zieht das doch größer auf.“
Das Album ist nicht das Einzige, mit dem sich das Multitalent nach einer Phase der relativen Ruhe nach dem Tod ihres Ziehvaters, dem Schauspieler Otto Sander zurückmeldet: Seit dem 11. September spielt sie die kontrollsüchtige Frau eines Hallodris im Kinofilm „Lügen und andere Wahrheiten“. Eine Rolle, unter der Meret Becker sehr gelitten hat: „Um in die Figur zu schlüpfen, habe ich mir Menschen, die mich privat sehr bewegen – nicht unbedingt immer angenehm –, die mir das Leben schwer machen, die ich aber trotzdem mag, als Vorbild genommen. Ich habe versucht herauszufinden, warum bei diesen Menschen irgendetwas nicht ehrlich ist. Allein das Hineinfühlen hat mich echt angestrengt und fertig gemacht. Ich selber bin ganz schrecklich ehrlich. Lügen – außer aus der Not heraus oder zum Spaß Märchen erzählen – kann ich einfach nicht.“

Berlinerin Meret Becker zu Gast am Hamburger Hafen für das Interview mit der stv. Chefredakteurin Christiane Kaufholt. Foto: Anna-Maria Koy

Berlinerin Meret Becker zu Gast am Hamburger Hafen für das Interview mit der stv. Chefredakteurin Christiane Kaufholt.
Foto: Anna-Maria Koy

Die Ehrlichkeit zu lieben, sollte doch dann beste Voraussetzung für ihre ebenfalls neue Rolle als Hauptkommissarin Nina Rothe im Berliner Tatort sein? „Ich bin nur skeptisch, ob es mir gefällt, ab Herbst einen Gurt mit einer Knarre zu tragen. Gefühlt würde ich lieber den Bullen gegenüber sitzen“, sagt Meret Becker lachend. Bisher hat die Schauspielerin, die u.a. für ihre Rolle in „Comedian Harmonists“ mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet wurde, auch eher skurrile Charaktere mit Ecken und Kanten gespielt. Zudem ist es auch ihre erste Rolle mit Serien-Charakter, was sie als schöne Herausforderung sieht: „Ich finde es spannend, eine Figur zum ersten Mal über ein paar Folgen hinweg entwickeln zu können.“
Als alleinerziehende Berliner Mutter freut es sie zudem, dass das Tatort-Engagement ihr es ermöglicht, nach dem Dreh wieder gemeinsam mit ihrer 15-Jährigen Tochter am Abendbrottisch zu sitzen. „Ich habe zu Lulu schon gesagt, dann kann ich, wenn ich nach Hause komme, sagen ‚Mäuschen, warum steht das Essen noch nicht auf dem Tisch? Wo ist das Bier und warum läuft der Fernseher nicht mit dem Fußball?“, scherzt die 45-Jährige. Tendenziell ist sie eher die lockere Mutter, die aber merkt, dass der Druck von außen oftmals groß ist. „Man bekommt oft zu hören, wie sein Kind zu sein hat. Versucht man es dann in die vermeintlich richtige Richtung zu schieben, wehrt es sich. Es ist echt schwer Kind und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Als Eltern ist man eh mit dem schlechten Gewissen geschlagen, zu wenig für sein Kind zu machen. Dieses Gefühl finde ich eigentlich ziemlich schade. Man sollte es doch genießen, beides zu haben – zudem meine Tochter sich auch noch nie bei mir beschwert hat, dass ich mich zu wenig um sie kümmere. Ich fürchte sogar, sie nutzt es ab und zu schamlos aus, dass ich nicht immer da bin.“

MUSIKTIPP:

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„Deins & Done“ – das neue Album von Meret Becker. Label: Content Records, Copyright: Edel Germany GmbH.

Christiane Kaufholt

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