Sängerin Nora Sänger: Viel Gefühl

Die Hamburger Musikerin Nora Sänger legt mit „Almost Golden“ ihr Debütalbum vor. Im Gespräch mit HAMBURG WOMAN geht es um faszinierende Soul-Divas, handfeste Jobs und die ganz großen Lebensfragen.

Singt auf ihrem Debütalbum über Liebe und Selbstzweifel: Nora Sänger. © Sarah Kühl

Singt auf ihrem Debütalbum über Liebe und Selbstzweifel: Nora Sänger.
© Sarah Kühl

HAMBURG WOMAN: Wo liegen deine musikalischen Wurzeln?
Nora Sänger: Mein allererster musikalischer Einfluss war Whitney Houston. Ich war vielleicht vier, als ich bewusst anfing, ihre Musik zu hören. Ich war begeistert davon, wie toll die singen kann. Das hat auch maßgeblich meinen Wunsch geformt, selber Sängerin zu werden.

Obwohl du ja heute in einem ganz anderen Genre unterwegs bist.
Ich mochte mit der Zeit immer andere Bands und Künstler. Eine Zeitlang hörte ich auch Alternative und Grunge, bin aber auch schon relativ früh auf klassische Singer-Songwriter gekommen. Als ich mit Anfang 20 ernsthaft angefangen habe eigene Songs zu schreiben, bekam ich oft die Rückmeldung, ach, das erinnert uns etwa an Carole King. Da habe ich wahrgenommen, dass ich wohl keine Soul-Diva bin wie Whitney Houston. (lacht)

Aber auch du singst nur auf Englisch. Warum?
Fühlt sich für mich normaler an. Ich höre auch kaum deutschsprachige Musik. Ich weiß nicht, wieso. Ich finde sie nicht schlecht, darum geht es nicht, ich finde sogar manche Texter, Grönemeyer oder so, richtig toll. Aber irgendwie finde ich es komisch, auf Deutsch zu singen.

Woran liegt das?
Ich kann’s gar nicht sagen. Ich glaube, es hat auch viel mit meiner Hörgewohnheit und meinem Einfluss zu tun, weil ich immer vorrangig amerikanische Künstler und ein paar britische gehört habe.

Bei dir was also immer klar, dass du hauptberuflich Musik machst, oder gab es auch mal den Wunsch nach etwas Solidem?
Einen ordentlichen Beruf? (lacht) Nein, ich habe das immer durchgezogen. Ich bin da auch so ein bisschen reingestolpert. Ich war als Teenager nicht so der mega-strukturierte, durchgeplante Typ und hab erst mal Abi gemacht, hatte natürlich schon Gesangsstunden und habe dann erst überlegt, ob ich klassischen Gesang studieren soll, nach dem Motto: Hauptsache handfest. Aber da mich die Musikrichtung überhaupt nicht interessierte, bin ich dann hier in Hamburg zur Sängerakademie gegangen, das ist eine Gesangsschule, wo man auch Pop- und Jazzgesang studieren kann. Eigentlich erst am Ende meines Studiums war mir klar, dass ich mit eigenen Songs raus will.

Familiär wurde das immer unterstützt?
Ja, ich habe eigentlich immer Support erfahren, aber ich hatte jetzt auch nie so Eislauf-Eltern, die mich von einem Auftritt zum nächsten geschleift hätten. Ich habe schon viel aus eigenem Antrieb gemacht. Meine Eltern fanden das immer toll.

Was erwartet die Hörer beim Album?
Die Texte gründen auf persönlichen Erfahrungen. Die ist manchmal auch ganz klein, hat im Leben vielleicht sieben Minuten gedauert, war aber irgendwie signifikant und deswegen habe ich dann einen Song drüber geschrieben.

Zum Beispiel?
Zum Beispiel der Song „300 Days“. Der handelt davon, dass man einer Liebe aus der Vergangenheit nachhängt. Wir kennen vielleicht alle dieses „Was wäre, wenn ich mich damals vielleicht für diesen Partner entschieden hätte und nicht für den drei Jahre später?“ Ich versuche, das so zu formulieren, dass es allgemeingültig wird. Sodass jemand anders das mitfühlen kann. Es geht auf meinem Album viel um Gefühle, viel um Liebe, viel um Selbstzweifel, die Fragen: „Wo bin ich? Wer bin ich?“

Christian Luscher

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