Intendant Michael Lang wird 2017 von der Komödie Winterhuder Fährhaus zum Ohnsorg Theater wechseln. Die dritte berufliche Herausforderung für den 53-jährigen Volksdorfer, mit dem wir über Veränderungen, das Leben und den Theater-Wechsel sprachen.

Mit seiner positiven Ausstrahlung und seinen lächelnden Augen treffen wir Michael Lang im Winterhuder Fährhaus, das er seit 18 Jahren leitet. Im März wird er die für ihn letzte Spielzeit im Fährhaus ankündigen – mit Freude. Dass er zum Ohnsorg Theater wechselt, liegt ganz und gar nicht an einer Unzufriedenheit, sondern „weil vieles sehr gut zusammenpasst“, erklärt Michael Lang. „Das Theater lebt von Veränderungen und es ist gut, wenn nach einer gewissen Zeit Perspektiven verändert werden. Diese Veränderung darf auch vor der Theaterleitung nicht Halt machen.“ Warum der Wechsel so früh bekanntgegeben wird, liegt für ihn auf der Hand: „Eine sorgfältige Planung ist für alle Beteiligten dringend nötig, daher ist der Zeitpunkt für einen behutsamen und sensiblen Übergang genau der Richtige!“

Obwohl das Ohnsorg Theater finanziell gut ausbalanciert ist, gibt es genügend Herausforderungen für ihn: „Das Ohnsorg Theater bietet einen spannenden Bogen, vom Ohnsorg-Klassiker bis zu modernen oder dramatischen Stoffen. Diese Tradition wird man weiter pflegen und auch in diese Richtung weiter forschen, was in der Ohnsorg eigenen Dramaturgie an Adaptionen von berühmten Werken möglich ist.“ Auch spielt er die Studiobühne an, die „weiterhin eine wichtige Ergänzung bilden soll.“ Das gehe er aber sehr behutsam und sensibel an. Vergleichen tut er sie – wenn auch anders gewichtet – mit dem Theater Kontraste aus dem Fährhaus, das abzugeben ihm sehr schwerfällt. „Kontraste haben wir mit einer großen Leidenschaft und speziell mit einer Hamburger Betonung hier in der Stadt etabliert.“ Mit schmerzlichen Prozessen kennt Michael Lang sich aus. Während seines Künstler-Daseins bei den Hamburger Philharmonikern musste er sich eingestehen, dass noch andere Interessen in ihm schlummern, als das Leben als professioneller Klarinettisten.

Mit seinem Drang nach Neuem, nach stetiger Bewegung und Lebendigkeit im Leben studierte er Kulturmanagement, in der Hoffnung einen vielfältigen Beruf zu finden, der ihn „unterschiedlich fordert auf ganz unterschiedliche Art und Weise – künstlerisch, administrativ, juristisch und in der Kommunikation.“ Den hat er gefunden und dennoch beschreibt er seine Zeit als Künstler als die „wichtigste Erfahrung“ seines Lebens, denn nur wer auf der Bühne stand, weiß wie sich das anfühlt auf der Bühne zu stehen und dem Publikum was darzubieten. „Wenn du das nicht auf professioneller Ebene gemacht hast, kannst du nicht fühlen und finden. Das brauchst du aber, um mit den Künstlern auf einer gewissen Ebene zu kommunizieren, sonst wirst du nicht wirklich ernst genommen.“ Ernst genommen und hoch geschätzt wird er sowohl von seinen Zuschauern, Mitarbeitern als auch in Hamburgs kulturellem Kreis, dem er sich sehr verbunden fühlt. „Wenn man wie ich so fest in dieser Stadt verankert ist, muss man auch innerhalb der Stadtgrenze leben“, begründet er seinen Wunsch nach einem Hamburger Kennzeichen und spielt auf sein Zuhause im dörflichen Volksdorf an. Von hier aus kann er mit seiner Familie seine Naturverbundenheit ausleben, findet im Mountainbiken durch die Berner Au oder beim Fußball spielen mit seiner Mannschaft beim SC Poppenbüttel seinen Ausgleich. Michael Lang ist ein Mann, der keinem großen Traum hinterher hängt, sondern sich im Hier und Jetzt stetig „viele kleine Ziele setzt“, die er „versucht zu entdecken und zu leben“.

Langeweile kennt er nicht und das spüren wir auch in seiner Arbeit am Theater.
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Künstlerische Stationen:

• 1984 – 1988 Studium Orchestermusik & Musikpädagogik an der Hochschule für Musik

• 1988 – 1994 Klarinettist im Orchester der Hamburger Philharmoniker (Staatsoper)

• 1994 – 1997 Kulturmanagement Studium an der Hochschule für Musik

• seit 1998 Intendant am Winterhuder Fährhaus

• ab Sommer 2017 Intendant am Ohnsorg Theater

Beitragsbild: Kai Wehl

Valeska

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