Stolz auf dunkle Haut

Die Hamburgerin Dayan Kodua wollte wissen, wo die schwarzen Menschen in dem Land sind, das sie so liebt. Fragte sich, warum sie in Öffentlichkeit und Medien so selten vorkommen. Für Ihr Buchprojekt „My Black Skin“ begab sie sich auf die Suche und fand 25 erfolgreiche afrodeutsche Persönlichkeiten. Wir stellen drei vor.

Sylvaina Gerlich ist Mitglied des Hamburger Integrationsbeirats und gründete 2010 den gemeinnützigen Verein "Interkulturelles Migranten Integrationscenter" Foto: Thomas Leidig
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Frau Kodua, warum haben Sie den Titel „My Black Skin“ gewählt und definieren Menschen über ihre Hautfarbe?

Dieses Projekt ist nur wegen der Hautfarbe entstanden. Die schwarze Hautfarbe spielt immer und überall eine Rolle. In Deutschland fällt sie offensichtlich aus dem Rahmen und ist auf den ersten und wohl auch zweiten Blick wenig deutsch. Das was einst und wohl auch heute zum Teil noch als Makel gilt, zeigen die Protagonisten des Bildbands mit Stolz. Und sie zeigen, dass hinter dem Offensichtlichen ganz individuelle Menschen stecken, die persönliche Lebenswege meistern und Andere, ganz gleich welcher Herkunft, inspirieren können.

Sind Sie selber mit Rassismus konfrontiert worden?

Ich bin ein sehr positiver Mensch mit einem starken Selbstbewusstsein und so lasse ich solche Themen nicht an mich heran. Aber natürlich begegnen mir Intoleranz oder mangelnde Sensibilität immer wieder, oft ist sie noch nicht mal verletzend gemeint, sondern einfach gedankenlos. Als Partygast wurde ich erst vor kurzem von einer älteren Dame angewiesen, ihr etwas zu trinken zu bringen – sie konnte sich einfach nicht vorstellen, dass eine schwarze Frau genauso geladen war wie sie. Gerade bei der jüngeren Generation merke ich aber auch eine starke Veränderung und eher Neugier, aber eine totale Sprachlosigkeit, da sie zwischen überkommenen Klischees und neuer Political Correctness gefangen sind.

Sie wollen eine Debatte anstoßen, wie würden Sie sich den Umgang mit dem Thema Hautfarbe wünschen?

Ich finde es albern, dass offensichtlich Andere zu ignorieren, genauso falsch ist es, Menschen mit schwarzer Hautfarbe in eine Vorurteilsschublade zu stecken. Ich wünsche mir einen respektvollen, aufgeschlossenen Umgang mit dem Thema Hautfarbe. Etwa indem Sie Menschen fragen, wo ihre Wurzeln liegen. Das ist ein wirklicher Gesprächsauftakt, der eine Vielfalt von Antworten zulässt. Bei mir wäre die Antwort: In Ghana und in Kiel. Wenn das Gegenüber dann nicht neugierig auf die Geschichte zur Person ist, weiß ich auch nicht. Diese Frage nach den „Wurzeln“ kann man übrigens auch ganz toll vermeintlich typisch Deutschen stellen, da kommen ganz spannende Erkenntnisse zutage. Weitere Infos auf myblackskin.de

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