Fast wäre die Choreografin Gabriela Gottschalk nach Berlin gezogen, sie fand aber keine passende Wohnung. Ihre Traumwohnung entdeckte sie dann vor vier Jahren in Rotherbaum – sie ist so schön, dass sie nicht mehr gehen wollte. HAMBURG WOMAN war bei ihr zu Gast und kann den Entschluss verstehen. 

 Die Tänzerin, Choreografin und Hutsammlerin Gabriela Gottschalk mit Redakteur Kai Wehl.

Die Tänzerin, Choreografin und Hutsammlerin Gabriela Gottschalk mit Redakteur Kai Wehl.

Es muss alles ständig in Bewegung bleiben und als Stilmix organisch seinen Platz finden“, beschreibt Gabriela Gottschalk ihre Einrichtungsphilosophie. Beim Blick in ihre etwas über 190 Quadratmeter große Altbauwohnung – das Haus ist Baujahr 1880 – gibt sie schmunzelnd zu: „Ich arbeite noch daran.“ Vor vier Jahren ist sie mit dem Mann an ihrer Seite eingezogen. Allerdings nur auf gut der Hälfte Wohnfläche. Dann kam ihre Tochter zur Welt und die Wohnung wurde zu klein. Glücklicherweise konnte die hintere Wohnung mit angemietet werden.

Ein Durchbruch schaffte ein ansehnliches Reich. Elternschlafzimmer sowie das Kinderzimmer und die Küche sind zwar noch nicht ganz fertig, aber trotzdem lässt es sich dort gut leben: „Gemütlich, aber chaotisch“, umschreibt es Gabriela lächelnd und nennt auch gleich den Grund, warum die beiden noch ein wenig Zeit benötigen, bis alles fertig ist: „Wir sind ständig unterwegs und leben viel aus dem Koffer.“ Zum einen weil ihr Freund auswärts arbeitet und Gabriela mit Töchterchen so oft es geht mitreist und weil die lebhaft und fröhlich agierende Gabriela als Tänzerin und Choreografin oft auf Tour ist. Schon in der Schule gab die gebürtige Bolivianerin – ihr Vater, ein Hamburger, war dort Entwicklungshelfer – Tanzunterricht. Mit 14 Jahren wurde sie dann Cheerleaderin und gewann mit den „Hamburg Blue Angels“ die deutschen sowie europäischen Meisterschaften im American Cheerleading und unterrichtete als Coach in Cheerleader Camps in Deutschland und den USA. Zur selben Zeit begann sie als Tänzerin und Choreografin für kommerzielle Musikacts wie Outkast oder Mariah Carey. Mit 19 erhielt sie ihren ersten Plattenvertrag, später sang sie im Trio „Hot Banditoz“. Mit dem erhielt sie 2004 für die Single „Veo Veo“ eine Goldene Schallplatte, die im Klo hängt. „Es war eine tolle Zeit, aber da mir die Entwicklung innerhalb der Band fehlte, bin ich ausgestiegen.“ Parallel hatte sie schon das Tanz-Projekt „Chixx Clique“ gegründet. Und vor kurzem die Artisten- und Musik-Netzplattform „Popzirkus“.

Das alles findet sich im frankophilen Stil gehalten Spiegelzimmer wieder, von Gabriela auch Mädchenzimmer genannt. „Es ist mein Showroom, in dem ich mit meinen Mädels die Outfits anprobiere. Außerdem ist es ‚Lagerraum‘ für meine große Hutsammlung und meinen umfangreichen Fundus originaler alter Theaterkostüme sowie Gästezimmer für meine Musik- und Tanzkollegen.“ Während die zierliche Blondine hier das Einrichtungszepter alleine schwingen durfte, hat es im angrenzenden roten Zimmer ihr Freund getan. Fast, denn „sein Wunsch nach englischen Chesterfield-Möbeln konnte ich abwenden, sie sind mir zu schwer. Gemeinsam haben wir eine filigranere französische Ledergarnitur aus der Zeit um 1880 gefunden.“ Antikes, vor allem aus den 1920er-Jahren, lieben beide. „Patina muss sein, es soll alles gelebt haben.“ So gibt es neben alten Familienstücken – wie eine Récamiere im Mädchenzimmer – vieles vom Flohmarkt und aus Antikläden. Etwa ein „Trommeltisch“ im Roten Zimmer. „Ich habe das alte Musikinstrument in einem Antikladen in Harvestehude gekauft und durfte ihn im ‚Herrenzimmer‘ unterbringen, damit mehr Leichtigkeit vertreten ist.“ Eine eigens angefertigte Glasplatte dient als Auflage. Durchgesetzt hat sich Gabriela auch im dritten großen durch große Schiebetüren verbundenen Zimmer, dem Tropenzimmer – voller Reiseerinnerungen, einer Palmentapete, einem Bett im Kolonialstil mit Baldachin aus Bali und einem großen Rattansessel. „Er stand jahrelang in meinem Keller, weil mein Freund ihn nicht mochte. Hier passt er total gut“, freut sich die Sängerin. „Langsam findet alles seinen Platz und wir perfektionieren unser Hamburger Nest. Denn irgendwann reicht es auch, immer nur aus dem Koffer zu leben.“

Beitragsbild: „Der Stuhl stand sehr lange bei mir im Keller, weil mein Freund ihn nicht leiden mochte. In unser Tropenzimmer passt er perfekt, findet er zum Glück auch“, erklärt Gabriela Gottschalk.
Text und Fotos: Kai Wehl

Das Rote Zimmer mit französischen Ledergarnitur (um 1880) und selbstgebautem Trommeltisch. Das Instrument stammt aus einem Antikladen in Harvestehude.

Das Rote Zimmer mit französischen Ledergarnitur (um 1880) und selbstgebautem Trommeltisch. Das Instrument stammt aus einem Antikladen in Harvestehude.

Das Tropenzimmer erinnert Gabriela Gottschalk stets an ihre große Leidenschaft: das Reisen. Es ist noch nicht fertig, denn es sollen Mitbringsel weiterer Urlaube folgen. Stil inspirierte sie zum Umdenken und zur Fülle, einhergehend mit dem Beginn einer großen Sammelleidenschaft. Statt purism, dass die Eppendorferin und Schauspielern, die sie dabei trifft, entstehen später Projekte.

Das Tropenzimmer erinnert Gabriela Gottschalk stets an ihre große Leidenschaft: das Reisen. Es ist noch nicht fertig, denn es sollen Mitbringsel weiterer Urlaube folgen.
Stil inspirierte sie zum Umdenken und zur Fülle, einhergehend mit dem Beginn einer großen Sammelleidenschaft.
Statt purism, dass die Eppendorferin und Schauspielern, die sie dabei trifft, entstehen später Projekte.

 

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