Ob „Mensch-ärgere-dich-nicht“ oder „Siedler von Catan“ – Gesellschaftsspiele sind Kulturgut. Aber wer steckt eigentlich dahinter? In Eppendorf treffen sich Spieleerfinder mit Spielern beim „Spielwerk Hamburg“. Wir haben sie besucht!

„Als meine Tochter auf die Welt kam und ich Elternzeit nahm, hatte ich ein wenig Zeit, mich auf mein Hobby zu konstruieren“, erzählt Spieleautor Shaun Graham. „Als PR-Berater bin ich halt Netzwerker, ich bringe gern Menschen zusammen. Ich finde, gerade für Spiele macht das Sinn. Ein Spiel ist nämlich eher ein Gemeinschaftsprojekt als etwa ein Buch. Leute müssen daran arbeiten und ausprobieren, damit es Spaß macht.“ Und genau dafür gründete er vor knapp über einem Jahr das „Spielwerk Hamburg“, das Wettbewerbe und Workshops organisiert und regelmäßig im Kulturhaus Eppendorf zu einem öffentlichen Spieleabend einlädt, bei dem Spielen und Ausprobieren angesagt ist. Spielerfinder-Veteranen sind dabei, aber auch Neulinge führen ihre Projekte vor. Denn das zweite Ziel des Spielwerks ist, es Menschen dazu zu animieren, selbst Gesellschaftsspiele zu entwickeln. „Fast jeder erfindet gern Spiele, insbesondere Eltern für ihre Kinder“, erklärt Shaun Graham. „Das ist ein unheimlich kreativer und bereichernder Prozess. Spieleautoren sind keine einsamen Genies – im Spieleentwickeln steckt auch viel Handwerk. Hier kann man das Handwerk lernen.“ Und dabei wird naturgemäß viel gespielt, oftmals mit Prototypen, die (noch) gar nicht auf dem Markt sind.

Auch freundliche Kontakte in die Spielebranche bestehen, so gibt es in diesem Jahr etwa in Zusammenarbeit mit dem Verlag Pegasus Spiele einen Wettbewerb, wer das beste Mikrospiel entwickelt – also ein Spiel, das mit möglichst wenig Materialien und Regeln auskommt.

Doch auch wer keine Autoren-Ambitionen hat, darf beim Spielwerk vorbeischauen, sagt Shaun Graham: „Ich möchte allen einen Einblick geben: Wo kommen eigentlich die Spiele her, die bei Karstadt im Regal stehen? Die hat sich irgendwer ausgedacht und getestet, und das macht er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht hauptberuflich, sondern als Hobby abends, wenn Kinder und Frau schlafen, dann setzt er sich hin mit Prittstift und Papier und bastelt seinen Prototypen.“ Genau diese Tüftler hinter den Spielen kann man in Eppendorf kennenlernen. Oder wer weiß – vielleicht wird man auch selbst zu einem!

Tipp: Jeden ersten Mittwoch des Monats findet das offene Spielwerk-Treffen im Kulturhaus Eppendorf, Julius-Reincke-Stieg 13, statt. Wer Lust auf Spiele hat oder sogar eigene Ideen weiterentwickeln möchte, ist willkommen. Der Spieleabend ist kostenlos; eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Mehr Infos auf www.spielwerkhamburg.de!

Christian

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