Die Hamburgerin Ingeborg Trampe ist gelernte Journalistin und arbeitet als freie PR-Beraterin, Journalistin und Autorin in Hamburg. Nun begibt sie sich in andere Gewässer und bringt mit „Pussy Diary“ ihren ersten Erotikroman heraus. Mit Redakteurin Valeska Fuhlenbrok sprach sie offen über Erotik, Sex und weibliche Fantasien.
Sie vertreten sehr polarisierende Thesen zum Thema Sex – warum?
Meine zentralen Thesen sind, dass Monogamie ein Märchen und nicht wirklich lebbar ist und Frauen immer noch als Schlampe gebrandmarkt werden, wenn sie ihre Sexualität genauso so umtriebig ausleben wie ein Mann. Das beruht auf eigenen Erfahrungen und auch auf dem Austausch mit vielen Menschen, die ich im Laufe meines Lebens kennengelernt habe. Darüber hinaus bekomme ich seit „Pussy Diary“ viele Mails von Frauen, die mir schreiben, dass sie sich wünschten, sie wären so mutig wie die Protagonistin im Buch, die sich einfach nimmt, was sie will. Es gibt eine Reihe neuer Studien, die klar belegen, dass Frauen genauso viel Interesse an Sexualität haben wie Männer, aber eben durch den gesellschaftlichen Wertekontext reglementiert werden.
Wie fühlt es sich an, provokant und offen über Sex zu sprechen?
Zugegebenermaßen war das am Anfang für mich auch ungewohnt. Ich habe gerade erste Lesungen gemacht und da habe ich zunächst ein bisschen rote Ohren bekommen (lacht). Aber je mehr man darüber spricht, desto einfacher wird es und ich empfinde es auch nicht mehr als provokant. Erotik sollte etwas sein, was leicht ist und das Leben bereichert.
Ingeborg TrampeWaren Sie schon immer offen gegenüber Sex?
Nein, das war eine Entwicklung. Ich habe sehr lange klassische Beziehungen geführt, bis ich dann plötzlich mit Mitte 30 länger Single war und mich neu in meinem Leben eingerichtet habe. Die Erfahrung zeigt, dass Frauen oft erst ab Ende 30/Anfang 40 ihre wahre sexuelle Identität entdecken und dann auch mehr ausprobieren wollen. Was viele, auch junge Männer übrigens sehr reizvoll finden.
Sie sprechen von Dreier- und Swinger Club. Haben Sie dasselbe auch schon ausprobiert?
Wenn man so ein Genre schreibt, hat man schon ein bisschen was ausprobiert – klar. Das dürfte auch nicht wirklich überraschend sein. Aber ich habe auch viele Menschen kennengelernt, die in der Swinger-Szene unterwegs sind.
Warum leben wir in einer Gesellschaft, die oversexed, aber underfucked ist?
Wenn man am Zeitungskiosk steht, springen einen die Sexthemen förmlich an. Sogar das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ hatte vor ein paar Monaten eine Titelgeschichte über die neue Lust der Frau. Soziale Medien sind voll von ziemlich freizügigen Fotos. Es gibt eine sexuelle Selbstinszenierung, ein Spiel mit der Verführung. In der Realität findet das aber so kaum statt. Obwohl Erotik ein wichtiger Teil auch unserer Zufriedenheit ist, herrscht gerade bei Paaren, die länger zusammen sind, oft tote Hose im Bett. Es wird auch nicht über Wünsche oder erotische Fantasie geredet. Und es wird leider zu wenig ausprobiert, was dazu führt, dass gerade Männer in der Pornowelt eine Art sexuelles Zweitleben führen.
Was für Wünsche haben Frauen, die sie nicht akzeptieren können?
Frauen haben ähnlich wie Männer Fantasie zu Partnertausch, Sex mit dem eigenen Geschlecht oder anonymen Parties à la „Eyes Wide Shut“. Ich bin ziemlich sicher, dass Frauen diese Fantasien mehr ausleben würden, wenn sie das an einem geschützten Ort tun könnten.
Was kann einer Frau helfen, sich in Stimmung zu bringen?
Der Boom an erotischer Literatur zeigt ja, dass Frauen schon Spaß an erotischen Tag- und Nachträumen haben. Sexy Lektüre kann wunderbar das Kopfkino anwerfen. Ich kenne Paare, die sich etwa „Pussy Diary“ vorgelesen haben. Auch Pornos gucken ist ein Weg. Frauen tun sich ja manchmal schwer damit, aber es gibt mittlerweile ein wirklich gutes Angebot, etwa Filme von Erica Lust, die sexuelle Wünsche inszeniert, die ihr reale Frauen schicken.

coverUnter dem Künstlernamen „Suzette Oh“ hat Ingeborg Trampe ihren ersten Erotik-Roman veröffentlicht.
Pussy Diary
Feelings Verlag
144 Seiten
12,99€

Beitragsfoto:

Valeska

Über den Autor

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.