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Für die „PHOTOWAND“ der Weltbühne inszeniert: Schauspielerin Patrycia Ziolkowska als Figur der viktorianischen Zeit.

Seit einigen Jahren werden die SchauspielerInnen des Thalia Theaters von namhaften Fotografen für die „PHOTOWAND“ des Kaffeehauses & Restaurants Weltbühne abgelichtet. In diesem Jahr war es die Fotografin Svenja von Schultzendorff. Wir sprachen mit der Schauspielerin Patrycia Ziolkowska über das Shooting.
Für Schauspieler ist es ja normal, geschminkt zu werden. Svenja von Schultzendorff nutzt es sehr krass. Ist es ein besonderes Shooting gewesen?
Ja, denn sie arbeitet sehr extrem und reizt aus, was man mit der Maske alles machen kann. Dabei nutzt Svenja sehr stark das Stilmittel der Übertreibung, was das Schminken betrifft. So etwas gibt es auf der Bühne fast gar nicht.
Noch nie so stark auf der Bühne geschminkt worden?
Nein tatsächlich nicht, denn hier wurden mehrere Schichten aufgetragen. Das sieht man auf dem Foto nicht so stark, weil ein Speziallicht die Textur und Landschaft der Schminke wieder schluckt. Die Aufnahmen haben sich über fast einen ganzen Tag gezogen, denn wir haben gemeinsam, auch mit der Maskenbildnerin, ständig nach Verbesserungen gesucht. Dafür standen uns mehrere Perücken und Kostüme zur Verfügung. Im Endeffekt haben wir uns für dieses Outfit entschieden, bei dem mir sogar eine Glatze geklebt wurde, damit ich eine hohe Stirn erhalte. Es wirkt wie ein kleiner Knick in der Optik, der verfremdet.
Was stellt die Figur dar? Mich erinnert es an eine abgelegte Marionette.
Das könnte sie sein. Wir haben nicht versucht etwas zu kreieren, sondern in der Arbeit in einem working process zusammen überlegt, was wir mit dem Gegebenen erzählen könnten. Dafür haben wir viel herumprobiert, mit wirklich verrückten Kostüm-Varianten und den ausgefallensten Requisiten. Entschieden haben wir uns dann für dieses eher schlichte Motiv, das mit seiner Perücke und dem eng taillierten Kleid an die viktorianische Zeit erinnert. Während des Shootings kam uns deswegen die Assoziation an die historische Figur Maria Stuart. Ich finde, das passt sehr gut.
Apropos Figur. Welche der von Ihnen bisher gespielten, ist denn ihre Lieblingsrolle?
Das ist eine schwierige Frage. (Überlegt) Welches meine Lieblingsrolle war, kann ich gar nicht sagen.

Welches war denn die krasseste?
Hmm? Johanna von Orleans vielleicht. Wenn ich meine Rollen gerade so durchgehe, fällt mir dabei auf, wie oft meine Figuren auf der Bühne eines natürlichen Todes sterben oder ermordet werden. Interessant. (Pause) Es gab so viele spannende Figuren. Kriemhild aus den Nibelungen fällt mir gerade ein. Toll zu spielen, denn sie erlebt ein Wechselbad der Gefühle und Emotionen in einer wirklich außergewöhnlich facettenreichen Bandbreite – es geht für sie durch die tiefsten und unwegsamsten Gefilde der Psyche. Es ist eine schöne Herausforderung Grenzgänger-Figuren zu spielen. Sie sind zerrissen und deswegen nicht eindimensional erzählt.
Wenn Sie Figuren wie Johanna von Orleans und Kriemhild mögen, dann scheint es kein Zufall zu sein, dass Maria Stuart im Shooting entstand.
Ja vielleicht. (Überlegt) Was ich sehr gerne auf der Bühne spiele ist Faust …
Was Sie ja aktuell bereits seit längerem am Thalia Theater spielen.
Ja und zwar in einer Interpretation von Nicolas Stemann. Bei ihm spielen wir Faust I nur zu dritt. Ich starte als Helena aus Faust II, spiele dann Gretchen, später auch Mephisto und habe ebenfalls Texte von Faust. Es ist inszenatorisch eine sehr kluge und spannende Setzung, es so zu spielen. In Faust II agieren wir natürlich mit mehreren Kollegen. Wenn wir beide Teile zusammen aufführen, dauert das mit Pausen neun Stunden. Das ist auch für uns als Schauspieler ein besonderes Erlebnis. Kai Wehl

Tipp: Svenja von Schultzendorffs Ausstellung „Königskinder“
Das Kaffeehaus und Restaurant Weltbühne im Thalia Theater (Gerhardt-Hauptmann-Platz 70) hat als eine seiner Besonderheiten die sogenannte „PHOTOWAND“. Auf ihr erhalten zu jeder Spielzeit ausgewählte Fotografen die Möglichkeit, die Schauspieler des Theaters im Bild zu inszenieren. Aktuell wurde der Eppendorferin Svenja von Schultzendorff diese Ehre zuteil. Neben der Setfotografie liegt ihr Fokus auf künstlerischen Arbeiten. Mittels Maske, Kostümierung und Requisiten lässt sie ihre Models zu fabelhaften Wesen werden – von schockierend über entrückt bis zauberhaft. Die unter dem Motto „Königskinder“ entstandenen Werke sind noch bis zum Ende dieser Spielzeit zu sehen. Infos: svenjavonschultzendorff.de & weltbühne.net

Foto: Svenja von Schultzendorff, Hair & Make-up Design: Yasmin Iqbal , Kostüme: Anette Schröder / Porträtfoto: Armin Smailovic

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