Der Hamburger Jens Wawrczeck liest mit Maria Hartmann im Torhaus Wellingsbüttel einen fingierten Briefwechsel zwischen Papst Johannes XXIII und Marilyn Monroe.

HAMBURG WOMAN: In Ihrer Vita ist zu lesen, dass Sie häufig Briefwechsel lesen. Was ist daran so toll?
Jens Wawrczeck: Das Wunderbare ist, dass man zu zweit liest und sich dadurch auf der Bühne ein dialogischer Schlagabtausch ergibt. Außerdem begeben wir uns mit unseren Briefen auf eine Zeitreise. Mit Maria Hartmann trete ich schon seit vielen Jahren zusammen auf, unser Briefwechsel- Programme umfassen die gesamte Bandbreite der Jahrhunderte.
Jetzt „unterhalten“ sich also ein Sexsternchen und ein Papst. Interessante Kombination …
Ja, die Kombi macht den Reiz aus. Natürlich ist der Briefwechsel fiktiv, aber alles was darin vorkommt, sind tatsächliche Zitate, die die beiden entweder gesagt oder geschrieben haben. Die Autorin Dorothea Kühl-Martini hat sich für ihr Buch „Briefe zwischen Himmel und Hölle“ aller möglichen Original-Quellen bedient, und daraus diese Briefe gebastelt.
Und das passt zusammen?
Ja total und es ist interessant, weil beide sich in einer isolierten Situation befanden. Die Monroe war Mitte der 50er-Jahre sehr unglücklich über die Art und Weise wie ihre Karriere verlief. Sie wollte eine Veränderung, weil sie sich als Sexsymbol reduziert fühlte. Deswegen wendet sie sich in ihren Briefen an den Papst und erhofft von ihm Antworten, die ihr Hollywood nicht liefern kann. Den Zuschauer erwartet ein geistreicher, ungewöhnlicher aber auch sehr trauriger Briefwechsel, die Geschichte zweier Menschen, die aus sehr einfachen Verhältnissen kommen und ihre Karrieren so nicht geplant hatten.
Sind die Themen und Probleme der „historischen“ Briefwechsel heute noch aktuell?
Ja, das macht ihre Qualität aus. Im Fall Monroe/Papst geht es um die Frage: „Wer bin ich und bin ich glücklich mit der Rolle die mir  von der Gesellschaft zugeteilt wird?“. Darüber hinaus agieren hier zwei echte Popikonen des 20. Jahrhunderts. Der Papst war äußerst beliebt und hat die Kirche  modernisiert. Und über die Monroe müssen wir nicht reden. Ein spannendes Aufeinandertreffen.

Briefe zwischen Zeitgeschichtlern
Am 28. April lesen die beiden Schauspielkollegen Maria und Hartmann Jens Wawrczeck um 19:30 Uhr im Torhaus Wellingsbüttel „Briefe zwischen Himmel und Hölle“ – eine fiktive Korrespondenz zwischen Marilyn Monroe und Papst Johannes XXIII. Tickets 10-21 €, Infos: kulturkreis-torhaus.de

Beitragsbild: Der preisgekrönte Schauspieler, Synchronsprecher und Autor Jens Wawrczeck (spricht Peter Shaw der „???“) verfügt über ein großes Briefwechsel-Repertoire – fiktive und originale Zeitgeschichte. © Christian Hartmann
Text: Kai Wehl

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