Neues Frauenbild fordert Mut!

Die Frauenquote ist beschlossen! 2016 soll die Führung in DAX-Unternehmen zu 30 Prozent weiblich sein. Man könnte meinen, jetzt versuchen die großen Firmen ihre Mitarbeiterstrukturen in den oberen Etagen neu aufzustellen. Fehlanzeige! Bis dato sind die Vorstände in den Unternehmen überwiegend männliche Monokulturen und eine Veränderung ist nicht wirklich zu spüren. Warum? Ist die Frauenquote nicht praktikabel? Weil Frauen für die Chefetage nicht geschaffen sind oder gar nicht führen wollen? HAMBURG WOMAN-Redakteurin Nicola Sieverling hat das Thema genauer recherchiert und bei zwei erfolgreichen Business-Frauen der Stadt nachgefragt: Petra Bödeker-Schoemann, Geschäftsführerin der städtischen Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement, sowie Christina Block, Gesellschafterin, im Beirat der Block-Holding und Mutter von vier Kindern, vertreten beide die Meinung, dass Frauen aktiv und mutig sein müssen. Sie müssen Gas geben, damit sie die berüchtigte gläserne Decke durchstoßen.

30 Prozent ab 2016. Diese Zahlen stehen für die Frauenquote in den DAX-Konzernen. Zumindest, wenn es nach den Plänen der Bundesregierung geht. Denn bei den DAX 30 ist der Wille zur Umsetzung wenig ausgeprägt. Die meisten Konzerne haben es bislang versäumt, Frauen für diese oberste Position aufzubauen. Es gibt zu wenig geeignete Kandidatinnen mit Gremienerfahrung, lautet das Ergebnis einer aktuellen Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Ja, gibt es die denn wirklich nicht? Die Top-Frauen mit Führungsqualitäten, die mit Machthunger nach oben streben? Doch, sie sind da. Aber es fehlt ihnen an den wichtigen persönlichen Beziehungen in Netzwerken. Sie werden bei den Berufungsprozessen in den Männerzirkeln schlicht nicht wahrgenommen. Die Tür bleibt zu und die Altherrengemeinde entscheidet wieder unter sich. Wie das auch schon vorher der Fall war. Dabei sollte die Diskussion um die Frauenquote ein Signal für das Umdenken in den Führungsetagen der Unternehmen sein. Es sollte ein Ruck durch die Wirtschaft gehen, ein Perspektivenwechsel, eine Richtungsänderung. Mehr Frauen, mehr gemischte Teams in den Führungsetagen für bessere Arbeitsergebnisse, mehr Motivation und mehr Geld in der Kasse. Fakt ist: Die Vorstände in den Unternehmen sind trotz der heiß geführten Quotendebatte nach wie vor männliche Monokulturen. Der Frauenanteil in der Chefetage ist sogar von fünf auf vier Prozent gesunken. Das hat das Managerinnen-Barometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gerade festgestellt.
Was ist da los? Schaffen Frauen es nicht nach oben oder wollen sie gar nicht an die berühmte gläserne Decke stoßen? „Frauen müssen selbst aktiv werden und mehr Mut haben“, sagt Petra Bödeker-Schoemann. „Frauen müssen Gas geben“, formuliert es Christina Block. Die eine ist Geschäftsführerin der städtischen Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement, die andere Gesellschafterin und im Beirat der Block-Holding, dem Hamburger Steak-Imperium. Beide Frauen sprachen kürzlich auf einer Veranstaltung des Verbands Deutscher Unternehmerinnen (VdU). Beiden Frauen wurde für ihren Karriereweg nicht der rote Teppich ausgelegt.

Christina Block will trotz vier Kindern gestalten und verändern: "Ich identifiziere mich nicht nur über meine Kinder. Es war immer schon mein großer Wunsch, in das Familienunternehmen einzusteigen."

Christina Block will trotz vier Kindern gestalten und verändern: „Ich identifiziere mich nicht nur über meine Kinder. Es war immer schon mein großer Wunsch, in das Familienunternehmen einzusteigen.“

Finanzexpertin Bödeker-Schoemann erfuhr durch Zufall aus der Zeitung von dem Stellengesuch. Informell angefragt hatte bei ihr niemand, obwohl ihr Profil durch jahrelange Tätigkeit in der Beteiligungsverwaltung der Finanzbehörde für diesen Job in der Konzernholding der Hansestadt Hamburg ideal passte. Sie warf dennoch ihren Hut in den Ring. „Auch wenn man nicht gefragt wird, so müssen gerade Frauen konsequent versuchen, einen Erfolg daraus zu machen“, lautet ihre Devise und die persönliche Erkenntnis, für eine gute Vernetzung in den wichtigen beruflichen Zirkeln mehr Zeit zu investieren. Das hat sich gelohnt, denn die ehemalige GAL-Abgeordnete für den Bezirk Altona ist seit 2012 auch Mitglied im Aufsichtsrat der Hamburger Hafen und Logistik AG.
Wenn es nach dem Willen ihres Vaters gegangen wäre, würde sich das Leben von Christina Block nur um die Erziehung ihrer Kinder drehen. Vier hat sie im Alter von 9, 6, 4 und 1 – das reicht für einen turbulenten Alltag. Wollte sie aber nicht und gründete erst das Bistro Prima Pane und weitete dann ihr Engagement in der familieneigenen Hotellerie und Gastronomie aus. „Ich identifiziere mich nicht nur über meine Kinder. Es war immer schon mein großer Wunsch in das Familienunternehmen einzusteigen. Ich will gestalten und verändern“, sagt Christina Block. Sie ist damit ein Vorbild, das die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Mütter mit Karrierewunsch klappen kann. Wenn das Netzwerk aus Freunden und Familie perfekt zusammenhält, der Kindergarten auch in der Ferienzeit geöffnet hat und ein engagiertes Au-Pair-Mädchen den Nachwuchs nachmittags in den Hockeyclub und zu den Musikstunden chauffiert. Der Tag von Christina Block ist eng getaktet, bis sie zum gemeinsamen Abendbrot am Tisch Platz nimmt und den Geschichten ihres Nachwuchses lauscht. „Zeit mit Qualität“ nennt sie diese Familienstunden. Lässt sich das Erfolgsrezept von Christina Block auch auf andere Frauen anwenden? Natürlich nicht. Dennoch gilt: Frauen in Führung und mit Kindern müssen sich Hilfe von außen holen, damit der Kopf frei ist für den verantwortungsvollen Job. „Es gibt Tage, da ist mir alles zu viel. Da klappt es nicht 100-prozentig mit Kind und Beruf“, bekennt Christina Block offen.
Aber es ist nicht nur dieser Spagat, oft begleitet von einem schlechten Gewissen, der berufstätigen Frauen keine Lust auf mehr Arbeitsbelastung und mehr Verantwortung macht. Die Lücke zwischen den Gehältern von Frauen und Männern klafft immer noch weit auseinander. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienten monatlich je nach Branche bis zu 1148 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen, hat das Wirtschafts-und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) ausgerechnet. Doppelbelastung bei schlechter Bezahlung. Warum sollen sich Frauen das antun? Dazu kommt eine von Männern geprägte Unternehmenskultur mit Meetings in den Abendstunden und sturen Anwesenheitspflichten, obwohl die Arbeit genauso gut, wenn nicht noch besser, im Home-Office erledigt werden könnte. Das schafft Flexibilität und motiviert für gute Ergebnisse. „Objektiv ist die Präsenzpflicht in vielen Führungsetagen nicht notwendig. Ergebnisse müssen gebracht werden. Darauf kommt es an“, sagt Geschäftsführerin Petra Bödeker-Schoemann und setzt sich für eine Reform der Unternehmenskultur ein. Diese muss von mutigen Frauen eingeleitet werden, die starre Regelungen und Rituale am Arbeitsplatz durchbrechen. Sie gehen einfach, wenn Meetings nach 20 Uhr angesetzt werden und pfeifen auf eine 60-Stunden-Woche, die nur im Büro geleistet werden muss. Solidarität kann ihnen sicher sein, wenn mehr Frauen in die Führungsriegen aufsteigen und frischen Wind in muffige Chefabteilungen bringen. Weibliche Sozialkompetenz in den Vorständen großer Unternehmen wirkt auch weiter nach oben. Bis in die Aufsichtsräte. Wie lautet die neue Glücksformel? 30 Prozent ab 2016.

Christiane Kaufholt / Nicola Sieverling

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