Die meisten Menschen leben in geregelten Bahnen und trauen sich nicht aus ihrem Trott auszubrechen. Selbst wenn der Wunsch bereits vorhanden ist, fehlt es ihnen oft an Mut ihren vermeintlich bequemeren Weg zu verlassen. In lockerer Reihenfolge stellt HAMBURG WOMAN Frauen vor, die diesen Schritt gewagt haben – sich auf neue Pfade zu begeben.
Manch eine Erfolgsgeschichte hat einen ganz kleinen Ursprung. So fing auch „Bühnenkind“ – die erste Kindersportmodel-Agentur deutschlandweit – mit der Idee zu einer Benefizveranstaltung an. Dieses Jahr feiert „Bühnenkind“ seinen 2. Geburtstag. Was anfangs nur mit talentierten Sportkindern angefangen hat, wurde auf Musiker und Sportler mit Handicap jeder Altersstufe ausgeweitet. Mittlerweile umfasst das Portfolio von „Bühnenkind“ bereits über 300 Talente, die von den beiden Gründerinnen Sabine Delle und Katrin Melcher „unsere Kinder“ genannt werden. Auch wenn „Bühnenkind“ in den zwei Jahren auch schon einige Tiefphasen hatte, sind die Gründerinnen Sabine Delle und Katrin Melcher voller Zuversicht und Tatendrang.
Wie kommt man von der Idee einer Benefizveranstaltung dahin, eine Agentur zu gründen?
Sabine: Als Mitarbeiterin im UKE war ich mit den Arbeitsbereichen vom „Kinderkompetenz-Zentrum“ vertraut. In diesem Institut werden Kinder und Jugendliche bei Verdacht auf Misshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch untersucht.
Da es an finanzieller Unterstützung fehlte, wollte ich eine Benefizveranstaltung auf die Beine stellen. Mittelpunkt sollten Kinder sein – nach dem Motto: „Kinder helfen Kindern“. Bei der Suche nach geeigneten Kindern musste ich feststellen, dass es keine Agentur gab, die sich auf talentierte Kinder spezialisiert. Das hat mich auf die Idee gebracht, die bis dato erste Kindersportmodel-Agentur zu gründen.
Wie wurde die Idee umgesetzt?
Katrin: Sabine und ich kennen uns aus der Kindergartenzeit unserer Kinder. Anfang 2013 kam Sabine zu mir, erzählte mir von der Idee und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte als Geschäftspartnerin einzusteigen. Ich sagte sofort zu!
Sabine: Obwohl ich von Anfang an klargestellt habe, dass ich ihr anfangs nichts zahlen kann. Zuallererst sind wir in die Handelskammer und zum Patentamt, um „Bühnenkind“ anzumelden. Danach habe ich fleißig Akquise betrieben und Katrin hat unserer Idee eine Form gegeben.
Also sind die Arbeitsbereiche klar verteilt?
Katrin: Ja! Jeder hat die Bereiche, in denen wir unsere Stärken und Kenntnisse einbringen können. Sabine ist umtriebig, geht raus und networked und ich bringe meine Themen – Fotografie, Webdesign und Finanzen – mit ein, ohne meine eigene freiberufliche Tätigkeit gleich aufgeben zu müssen. Wir ergänzen uns einfach super und das gibt mir ein gutes Gefühl.
Sabine, auch du hast neben Bühnenkind noch ein anderes berufliches Standbein…
Sabine: Ich bin nach wie vor beim UKE in Teilzeit als Administrator der kaufmännischen Leitung tätig. Meine Arbeit für Bühnenkind beginnt unmittelbar danach bis spätabends und am Wochenende ganztags.
Wie kriegt ihr den Spagat zwischen Familie, Haushalt und Beruf hin?
Katrin: Da die Rollen klar verteilt sind, können wir gut unabhängig voneinander arbeiten. Ich versuche meine Arbeit in die Vormittage zu legen, wenn meine Kinder in der Schule sind.
Sabine: Ich muss viel in Kommunikation treten, sowohl mit Produktions- und Werbefirmen, als auch mit Trainern, Sportvereinen und den Eltern. Da meine Jüngste bereits 14 ist und mein Mann mir den Rücken freihält, kriege ich alles gut unter einen Hut.
Woher schöpft ihr die Kraft, alles zu bewältigen?
Sabine: Wir haben diese eine Vision und an der halten wir fest. In Momenten der Selbstzweifel hilft mir Katrin. Sie ist die Schulter, an die ich mich lehnen kann. Außerdem liebe ich das Zusammenarbeiten mit Kindern. Wenn ich sehe, mit wie viel Eifer sie dabei sind, erfüllt mich meine Arbeit für „Bühnenkind“ mit Freude.
Sind die Aufträge für die Kinder lukrativ?
Katrin: Auf jeden Fall deutlich lukrativer als für uns (lacht). Es ist vor allem ein ganz besonderes Erlebnis! Am Set sind sie die Stars: Sie stehen im Mittelpunkt, werden betütelt, kriegen tolles Essen und Trinken und werden zusätzlich gut bezahlt.
Sabine: Besonders, wenn der Auftrag von einer internationalen Firma kommt. Neben dem eigentlichen Honorar gibt es sogenannte buy-outs. Bedeutet, dass es für verschiedene Länder bestimmte Lizenzen gibt. Wird die Filmszene oder der Werbespot in anderen Ländern ausgestrahlt, werden zusätzliche Honorare fällig.
Gab es auch schon Momente, in denen ihr aufgeben wolltet?
Sabine: Ja, gerade kürzlich erst. Zu uns kam eine Produktionsfirma, die fünf Kinderkomparsen brauchte. Wir haben fünf unserer Kinder zum Kinderarzt geschickt, alles vorbereitet, um kurz vor Drehbeginn eine Absage zu erhalten. Solche Momente frustrieren mich sehr, da die Vorbereitungen sehr zeitaufwendig und die Kinder voller Hoffnung sind – die mit einem Mal zerstört wird.
Wie geht ihr mit solchen Tiefschlägen um?
Sabine: Wir reflektieren unser Handeln immer wieder, um Fehler zu finden. Beispielsweise haben wir seit dem Vorfall beschlossen, keine Komparsen-Anfragen mehr anzunehmen.
Katrin: Existenzgründern werden drei Jahre gegeben, um voll durchzustarten. Wir haben noch ein Jahr, um „Bühnenkind“ zu optimieren. (lacht)

Kirsten Bruhn (r.), Paralympics Goldmedaillengewinnerin im Schwimmen, mit ihrer Agentin Sabine Delle (l.). Sie war das 1. Sportmodel mit Handicap bei „Bühnenkind“.

Kirsten Bruhn (r.), Paralympics Goldmedaillengewinnerin im Schwimmen, mit ihrer Agentin Sabine Delle (l.). Sie war das 1. Sportmodel mit Handicap bei „Bühnenkind“.

Habt ihr einen Rat an Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit?
Sabine: Man braucht eine einzigartige Idee, an die man fest glaubt und in die man seine Stärken mit einbringen kann. Wenn ich eine introvertierte oder launische Person wäre, würde die Kommunikation in der Form nicht funktionieren.
Katrin: Die Idee alleine reicht nicht. Es bedarf auch immer ein Paket an Leidenschaft und Know-how, sodass alle nötigen Bereiche abgedeckt sind.
Was sind eure Ziele mit „Bühnenkind“?
Sabine: Langfristig möchten wir international agieren. Aktuell freuen wir uns, dass wir im März 2016 auf der „PASSION Sports Convention“ aus den Kategorien Hiphop/Street- und Breakdance unsere Welt,-Europa- und deutsche Meister präsentieren dürfen. Außerdem planen wir die lang geplante Benifizveranstaltung – nun für den „Neubau der Kinderklinik am UKE“. Kinder aus unterschiedlichen Sparten zeigen ihr Können für kranke Kinder, die von dem Neubau profitieren.

Valeska

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