Stets gut gelaunt und energiegeladen ist Carlo von Tiedemann auf NDR  zu hören und zu sehen. Jetzt feiert der Hamburger 45-jähriges Moderatoren-Jubiläum und erzählt im Alstertal Magazin von seinen bizarrsten und unvergesslichsten Momenten.

Hamburg Woman: Sie sind seit 45 Jahren Moderator
beim NDR – welche Erlebnisse aus dieser Zeit sind unvergessen?
Carlo von Tiedemann: Kann ich Ihnen wirklich nicht sagen. Es sind so viele Erlebnisse gewesen.
Gab es denn ein Ereignis, das Sie besonders geprägt hat?
Ja, da gibt es wirklich ein bedeutendes Erlebnis. Vicco von Bülow, Loriot, hat mir vor gut 40 Jahren bei einem Fernseh-Interview einen Tipp gegeben: Wir Journalisten bereiten uns intensiv auf Interviews vor und sind dann während des Interviews, im Geiste, schon bei der nächsten Frage. Dazu hat Herr von Bülow gesagt: ‚Stellen Sie mir eine Frage, Herr von Tiedemann, und achten Sie auf meine Antwort, hören Sie einfach zu. Hören Sie auf meine Antwort. Und mit meiner Antwort haben Sie schon die nächsten Fragen.‘ Und das ist wirklich etwas, was ich fortan mein Leben lang umgesetzt habe – ‚immer schön zuhören, angucken dabei und Ohren auf‘.
Was gab es für schräge Ereignisse als Moderator, z.B. mit Interviewpartnern?
Ich habe in den 70er-Jahren, im Harz, einmal einen Professor einer Technischen Universität interviewt. Der arme Kerl, der sonst hochqualifizierte Vorlesungen vor seinen Studenten hielt, hatte einen totalen Blackout im Interview. Er konnte nicht einen einzigen Satz formulieren. Es war eine Außenübertragung des Fernsehens mit tausenden Leuten, ein Volksfest. Danach war er richtig fertig mit den Nerven. Der musste anschließend in psychologische Beratung. Der tat mir sehr leid. Dieses Erlebnis wird mir unvergessen bleiben, das habe ich in den tausenden Interviews nicht mehr erlebt.
Wie würden Sie sich als Moderator in drei Eigenschaften beschreiben?
Haben wir 10 Minuten dafür, nein, oder? (lacht) Ich bin mit Sicherheit ein sehr positiver Mensch. Ich bin von einer nervenden guten Laune erfüllt und nehme eigentlich wenig ernst in meinem Leben. Das war schon immer so. Das Wort „Streitkultur“ ist ein Fremdwort für mich. Wieso soll ich mich streiten? Ich bin jemand der Streit aus dem Weg geht.  Es ist einfach unnütz. Wenn man auf ein Thema keinen Bock hat, sag ich beispielsweise ‚Du hast Recht‘. Mit mir kannst du dich nicht streiten. Den lateinischen Satz ‚Carpe diem‘, ‚Nutze den Tag‘, nehme ich mir sehr zu Herzen. Was morgen ist, ist mir egal und was gestern war, ist abgehakt. Als schöner oder nicht so schöner Tag. Heute ist jetzt und das ist wichtig für mich. Was soll man grübeln? Jetzt gerade ist wichtig.
Sie werden als NDR-Urgestein betitelt.
Was hält sie so lange beim NDR, bzw. im Job als Moderator?
Ich habe das große Glück, dass ich nach wie vor, von den Hörern und Zuschauern akzeptiert werde. Ich würde zudem nie einen anderen Menschen beleidigen können, weil ich das billig finde. Gerade als Hörfunk- und Fernsehmoderator bin ich immer der Gastgeber und als solcher kann ich Leute nicht in die Pfanne hauen. Letztendlich habe ich mich fair zu verhalten und das tue ich auch. Ich denke, dass das authentisch rüberkommt.
Sie haben in den vergangenen Jahren viel im Showbusiness erlebt. Wieso haben Sie sich letztlich, im Großen und Ganzen, aus dem Rampenlicht zurückgezogen?
Nein, da muss ich Ihnen widersprechen. Ich mache seit 45 Jahren Radio und bin gerade jetzt wieder unterwegs zu einem Viertagedreh. Ich habe mich null aus dem Rampenlicht zurückgezogen. Wir machen gerade eine Riesen-Ostersendung mit sechs Drehtagen. Ich bin nach wie vor volle Kanne dabei.
Wie sieht ein normaler Tag bei Ihnen aus?
Das kann man schwer sagen. Wenn ich meine Radiowoche habe, mache ich 14 Tage Radio beim NDR-Radio 90,3. Da schlage ich morgens um 7 Uhr auf, bereite mich auf die Sendung vor, lese Zeitung und Agenturmeldungen, telefoniere und von 10 bis 14 Uhr habe ich meine Livesendung. Danach geht’s ab nach Hause.
Fernsehen ist da unberechenbarer, denn es gibt lange Wartezeiten und Vorbereitungen. Das geht los mit Licht einleuchten, in die Maske gehen,  ich muss recherchieren, Vorgespräche führen. Deshalb kann man das so nicht genau sagen.
Sie sind einer der ersten prominenten Unterstützer des Projekts „Stimmen des Nordens“, wie ist da der aktuelle Stand?
Wir freuen uns, dass „Stimmen des Nordens“ nach wie vor hoch frequentiert ist und einen ständigen Zuwachs hat. Da sind wir immer noch voll dabei. Das läuft ganz hervorragend.

Beitragsbild:Carlo von Tiedemann (r.) während einer Moderation mit Entertainer Yared Dibaba.  © NDR

Julia

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