Schauspielerin Kerstin Hilbig verkörpert unsere Kanzlerin Angela Merkel seit diesem Frühjahr in dem satirischen Stück „Mutti“ im Winterhuder Fährhaus – Theater Kontraste. Wieso sich die Rolle von den bisherigen abhebt und was sie von der Mutti hält, verrät uns die Hamburgerin.
Hamburg Woman: In „Mutti“ spielen Sie Angela Merkel, die mächtigste Frau der Welt. Wie unterscheidet sich die Rolle von anderen?
Kerstin Hilbig: Bisher habe ich fiktive, abstrakte Figuren gespielt, die von Autoren zum Leben erweckt werden und denen ich Leben einhauche. Mit Angela Merkel spiele ich eine lebende Person, was letztendlich eine ganz andere Herangehensweise erfordert.
Die da wäre?
Ich habe sie studiert: sie mir viel angeguckt, ihr zugehört, über sie und ihr Leben gelesen. Mir war es wichtig, dass ich sie nicht denunziere, sprich kein Abziehbild, keine Charge oder Karikatur von Angela Merkel erschaffe. Ich habe versucht die Rolle, aus mir heraus, mit ihr zu entwickeln.
Was halten Sie von Angela Merkel?
Ich bewundere sie. Es ist Wahnsinn, was sie als Frau –als Bundeskanzlerin– mit all den Baustellen in Deutschland alles leistet. Sie schläft vier Stunden – was man ihr zwar auch ansieht – und ist trotzdem immer da, immer präsent und wird nie ausfallend. Es ist mir völlig unvorstellbar, wie sie das schaffen kann.
Wie sehr spielt die Bewunderung, die Sie ihr entgegen bringen, in die Rolle?
Ich glaube, man muss die zu spielende Figur auf irgendeine Weise sympathisch finden, um sich mit ihr identifizieren zu können. Mit Bewunderung hat es meines Erachtens nicht viel zu tun, wie gut ich jemanden spiele.
Wie war es, als Ihnen Angela Merkel das erste Mal als Spiegelbild gegenüberstand?
Ich war fassungslos! Ich hätte nie gedacht, dass ich sie tatsächlich, durch Make-up und Haltung, kopieren kann – unglaublich!
Was kann Schauspielerei erreichen in der Gesellschaft?
Sie stellen ja Fragen (lacht). Sie kann vielleicht zum Nachdenken anregen, wenn ein gutes Stück aufgeführt wird. Sie kann für den Moment erreichen, dass die Menschen lockerer werden, lachen und sich öffnen, ihr Bewusstsein erweitern, Spaß haben und auch traurig sein können. Wenn es für einen Moment dunkel ist, dürfen vielleicht sogar auch Tränen fließen.
Würden Sie Hamburg als eine Schauspiel-Hochburg bezeichnen?
Es gibt sicherlich viele Theaterstädte in Deutschland. Wenn ich bedenke, dass sich bei der diesjährigen Theaternacht über 40 Theater beteiligt haben, kann ich die Frage nur bejahen. Hamburg ist nicht nur Theaterstadt, sondern nach New York die größte Musicalstadt weltweit – Wahnsinn!
Klingt nach Hamburg-Liebe…
Oh ja! Ich bin sehr Hamburg verliebt, was meine Heimatstadt angeht. Wenn ich in anderen Städten gelebt habe, war ich im Grunde jede freie Minute in Hamburg. Meine Liebe ging so weit, dass ich mir eingebildet habe, die Luft im Elbtunnel sei besser, als in den Städten, wo ich gewohnt habe.
Könnten Sie noch einmal in einer anderen Stadt leben?
Wenn ich ein Engagement habe, kann ich es mir gut vorstellen, aber immer mit der Option wieder zurückzukehren.
Sie spielen nicht nur Theater, sondern auch in TV-Produktionen mit. Was gefällt Ihnen besser?
Ich habe nie so viel gedreht, wie ich Theater gespielt habe und hatte im Fernsehen noch nicht die riesigen Hauptrollen. Daher kann ich das nur bedingt beurteilen: Ich liebe die Atmosphäre im Theater und die Tatsache, dass die ganze Geschichte ohne Schnitte am Stück erzählt wird. Ich liebe auch die Probenzeit, die meistens sechs Wochen vor einem Stück beginnt, und in der das Ensemble, wenn man sich noch nicht kennt, zusammenwächst.
So vom Gefühl her, würde ich mich immer für das Theater entscheiden. Beim Fernsehen gibt es zwar mehr Geld, aber das ist ja nicht alles, sonst hätte ich meinen Beruf auch anders wählen müssen.(lacht)

Kerstin Hilbig sieht Angela Merkel zum Verwechseln ähnlich.

Kerstin Hilbig sieht Angela Merkel zum Verwechseln ähnlich.

Fotos: Oliver Fantitsch

Valeska

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