Michaela Schaffrath: „Männer spielen oft den Moral-Apostel“

„Seriöse“ Schauspielerin und Moderatorin, das ist Michaela Schaffrath nun seit 15 Jahren. Doch ihre Vergangenheit als Erotik-Star haftet nach wie vor an der 43-Jährigen. Wir sprachen mit der Uhlenhorsterin über die Schwierigkeit des Imagewechsels.

Noch heute wird sie oft in die Erotik-Schublade gesteckt. Sie sieht das locker: "Was andere Leute über mich denken, muss deren Kopf aushalten." Foto: Carlos Anthonyo

Noch heute wird sie oft in die Erotik-Schublade gesteckt. Sie sieht das locker: „Was andere Leute über mich denken, muss deren Kopf aushalten.“
Foto: Carlos Anthonyo

Verführerische Frau mit sexy Kurven – optisch verkörpert Michaela Schaffrath das noch immer. Nur lebt sie diese Rolle nicht mehr vor der Kamera wie als Erotik-Darstellerin Ende der 90er-Jahre. Heute schlüpft sie in Figuren wie der einer biederen Haushälterin im Taunus-Krimi, der am 20. Januar im ZDF ausgestrahlt wird, oder wagt sich als Zombie in der internationalen Kino-Horror-Produktion „Sky Sharks“ in ein ihr völlig fremdes Genre. Der Wechsel ins „seriöse“ Schauspielgeschäft gestaltete sich schwierig: „Ich musste einige Felsbrocken aus dem Weg räumen. Obwohl ich nur zwei Jahre im Erotikgeschäft tätig war, war es sehr schwer das Image los zu werden. Die Deutschen sind in der Hinsicht – im Vergleich z. B. zu den Amerikanern – nicht besonders tolerant. Ich musste lernen das zu begreifen und mich konsequent von meiner Vergangenheit zu distanzieren.“  Bis heute stecken sie einige in die Schublade des Erotik-Stars mit all den behafteten Vorurteilen. „Vor allem Männer spielen oft den Moral-Apostel. Warum das so ist, dafür habe ich keine Erklärung.“ Die 43-Jährige sieht das Ganze mittlerweile locker und pragmatisch: „Was andere Leute über mich denken, muss deren Kopf aushalten.“ Ihre Vergangenheit bereut sie nicht: „Natürlich gibt es Dinge, die ich mit 28 Jahren klasse fand und über die ich jetzt anders denke. Aus heutiger Sicht würde ich einen anderen Weg gehen, einiges aber auch genauso machen.“ Die Tatsache, dass nach ihr keine Frau in der deutschen Erotikbranche den Erfolg erreicht hat wie sie, ist Fluch und Segen gleichzeitig: Es erschwert ihren Imagewandel, verleiht ihr aber auch eine große Bekanntheit. Die weiß die gelernte Kinderkrankenschwester zu nutzen. Sie engagiert sich u.a. als Schirmherrin für die „Patientenorganisation für angeborene Immundefekte“. Die soziale Arbeit fernab der Glamourwelt liegt ihr sehr am Herzen. Schickmicki bedeutet ihr nicht fiel. Großes Glück empfindet sie, wenn sie mit ihrem Partner Carlos Anthonyo die Natur genießt: Egal, ob bei einem Trip durch Namibia oder bei Spaziergängen an der Außenalster. Michaela Schaffrath ist rundum zufrieden. „Es gibt sicher noch Wünsche und Ziele, die ich erreichen möchte. Privat hoffe ich, weiterhin einen so tollen Familien- und Freundeskreis zu haben und mit Carlos noch viele schöne Stunden verbringen zu dürfen.“ Hört man da etwa die Hochzeitsglocken läuten? „Nein, noch einmal heiraten steht für mich nicht zur Debatte.“

Christiane Kaufholt

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