Mälzers Liebeserklärungen

Regionale Spezialitäten, die den Gaumen verführen! Das bietet TV-Star Tim Mälzer mit „Heimat“.  Mit dem neuen Kochbuch möchte er uns auf eine kulinarische Reise durch Deutschland nehmen und einen neuen Blick auf die heimische Küche werfen lassen. Warum diese unterschätzt wird und Frauen am Herd besser sind als Männer, verrät uns der Hamburger.

Foto: Philipp Rathmer

Foto: Philipp Rathmer

HAMBURG WOMAN: Schmeckt unsere Heimat heute anders als früher?
Tim Mälzer: Ja und nein. Sie schmeckt auf alle Fälle vertraut. Sie ist keine gewürzlastige Küche, sondern sehr produktbezogen. Deshalb unterscheidet sie sich geschmacklich nicht so sehr von der vor 50 Jahren. Die rund 120 Ideen, die in meinem Kochbuch zusammengefasst sind, gleichen einer kulinarischen Reise durch Deutschland. Sie sind alles Seelengerichte, die man seit Ewigkeiten kennt und zu denen jeder eine Assoziation hat. Ich habe sie lediglich ein wenig auf die Ernährungsgewohnheiten der Neuzeit angepasst.

Die deutsche Küche der Neuzeit angepasst – was heißt das?
Heute haben viele nicht mehr die Zeit, lange am Herd zu stehen. Diese Situation schreckt einige vom Kochen deutscher Gerichte ab. Ich möchte versuchen zu zeigen, dass heimische Gerichte in der Zubereitungszeit gar nicht besonders aufwendig sind, nur die Kochzeit hat einen größeren Umfang. Das bedeutet z.B. bei Rouladen, dass die in nur etwa 20 Minuten zubereitet sind, dann aber bei 140 Grad für zwei Stunden in den Ofen kommen. Diese Garzeit kann man doch nutzen für andere Dinge. Zeit sollte also kein Hinderungsaspekt sein, sich einmal wieder mehr der deutschen Traditionsküche zu widmen. Hierzulande lieben viele die mediterrane Küche oder bewundern die französische Kochkunst. Deutsches Essen gilt dagegen als wenig feinsinnig und fett.

Wird die deutsche Küche unterschätzt?
Ja, komplett. Schauen wir beispielsweise einmal nach Italien: So unterscheidet sich ein Ossobuco nicht groß von einer Roulade, es ist nicht raffinierter oder leichter, aber in unserer Wahrnehmung klingt es besser.

Ihr persönliches Lieblings-Rezept im Buch?
Ich würde keines der Rezepte besonders herausstellen wollen. Allerdings würde ich jedem empfehlen, auf alle Fälle einmal das Gulasch auszuprobieren. Das ist echt lecker. Und ich möchte auch jeden auffordern, bei den Rezepten zu variieren. Kochen ist kein Gesetz.

Stimmt eigentlich das Gerücht, dass Männer die besseren Köche sind?
Nein. Wir Männer machen nur aus allem mehr Tamtam. Bereiten wir zum Beispiel Bratkartoffel zu, dann sind es die besten der Welt. Wir haben dazu eine spezielle Pfanne, ein besonderes Messer, die Butter und der Speck sind handverlesen etc. Und Frauen – die brutzeln einfach Bratkartoffeln. Oftmals sind die sogar besser.
Mir ist auch aufgefallen, dass Frauen in der Regel ein sehr viel besseres Grundverständnis für Produkte haben. Sie gehen mit sehr viel mehr Bauchgefühl und Intuition an das Kochen heran.

Christiane Kaufholt

Über den Autor

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.