Als Kriegsflüchtling kam sie nach Köln, lebte auf der Straße und hat sich mittlerweile einen Namen in der Hamburger Gesellschaft gemacht – Moderatorin, Designerin, Autorin und Model Khadra Sufi hat ihr Ziel immer genau vor Augen gehabt! HAMBURG WOMAN erzählte sie in einem persönlichen Gespräch, wie schwer ihr Weg war!

Wenn man Khadra Sufi betrachtet, sticht sie sofort aus der Masse heraus. Sie ist nicht gewöhnlich, sondern sehr speziell. Aber nicht schlecht. Im Gegenteil – ihre positive, freundliche und quirlige Art versetzt jeden Miesepeter in freudige Stimmung! Unvorstellbar, nachdem was ihr alles widerfahren ist, ist die afrikanische Schönheit ein durchweg positiv denkender Mensch. Ottonormalverbraucher – immer ein Dach über den Kopf, stets etwas zu essen im Kühlschrank und höchstens von kleinen Luxusproblemen geplagt – kann sich nicht ansatzweise vorstellen, was ein ehemaliges Diplomatenkind, das als Kriegsflüchtling nach Köln kommt und dort zu leben beginnt, schließlich mit 16 Jahren auf der Straße landet, fühlt, denkt und vor allem macht! „Ich habe meine Eltern zurückgelassen, weil ich es allein schaffen und etwas aus mir machen wollte. Anfangs lebte ich versteckt in einer Garage in Hamburg und habe wirklich schwere Zeiten durchlebt“, erzählt uns die Moderatorin.
Die Zeit im Somalischen Bürgerkrieg war mit starken Verlustängsten gekoppelt. Ein Leben in Armut, traumatisiert und gelähmt von verschiedenen Erlebnissen. Und das in ganz frühen Lebensjahren: „Ich habe mich in meinen schlimmsten Zeiten niemandem geöffnet. Ich musste mich wirklich an kleinen Momenten erfreuen. Schon mit einer Freundin an der Bushaltestelle zu sitzen war ein toller Moment für mich, wenn wir uns kaputtgelacht haben über was weiß ich und danach bin ich dann zurück in meine Garage gegangen. Deshalb schätze ich das Glück heute umso mehr und sehe es sehr viel klarer.“
Mittlerweile hat sich Khadra Sufis Gefühls- und Lebenslage komplett verändert: „Glückliche Momente kann ich dir täglich mindestens hundert aufzählen. Ich habe mir angeeignet, egal in welchem Moment, das Schöne zu sehen. Die Bäume um uns herum, das Frühstück, der Kaffee auf der Zunge. Ich bin da total sinnlich. Es gibt sowohl große als auch kleine glückliche Momente. Wenn ich mit anderen Menschen lachen kann, bis der Bauch wehtut. Das ist unbezahlbar.“
Seit zweieinhalb Jahren wohnt die in Altona lebende Moderatorin jetzt in der schönen Hansestadt und hat sich in die harte Geschäftswelt gekämpft. Sie ist selbstständige Moderatorin, vertreibt verschiedene Modelabel über diverse Kanäle, hat in drei Monaten ein Buch geschrieben, ihre eigene Modekollektion entworfen, einen Onlineshop eingerichtet, der demnächst starten wird und ist seit kurzem bei Deutschlands bekannteste ‚Curve‘-Model-Agentur unter Vertrag! Vor allem die Modelinie „Queen of Saba“ ist das Herzensstück von Khadra Sufi. Es sind edle, lange Kleider, die sie an ihre Wurzeln und Kindheit erinnern. Frauen aus ihrer Familie, die einerseits taffe Hausfrauen und Mütter und anderseits elegant zurechtgemachte ‚Königin‘ waren, wenn Veranstaltungen anstanden, trugen diese Art von Kleidern. „Das werde ich nie vergessen, ich war so beeindruckt von diesen Frauen. So wollte ich auch mal sein“, verrät uns die Autorin strahlend.
Beeindruckend, wie eine Frau, die so viel Schlimmes erlebt hat, das Leben in seinen schönsten Facetten sieht und vor Energie, Motivation und Ehrgeiz nur so strotzt. Was ist ihr Geheimnis, fragen wir uns schließlich! „Ein Geheimnis habe ich nicht, aber ich bin immer gut damit gefahren, dass ich mir erlaube das zu tun, was mir wirklich Freude macht. Das spürt man. Das ist ein Gefühl. Entweder das Herz öffnet sich, oder das Herz verschließt sich. Alles, was ich bisher mit Herz und Enthusiasmus und Freude gemacht habe, ist ein Erfolg geworden“, sagt die 34-Jährige abschließend.

 

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Redakteurin Julia Ulbrich traf sich mit Khadra Sufi (l.) in einem kleinen Café in Altona.

Julia

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