Sie zählt zu den erfolgreichsten Krimi-Autorinnen Schwedens und hat als Terrorismus-Expertin für die OSZE in Wien gearbeitet: Kristina Ohlsson. Im Rahmen des Krimifestivals war die 38-Jährige in Hamburg zu Gast. Wir nutzten die Gelegenheit und trafen sie, um mit ihr über Männerklischees und ihre Krimi-Reihe um Staatsanwalt Martin Benner zu sprechen.

Die studierte Politik- und Staatswissenschaftlerin Kristina Ohlsson arbeitete zur EU-Außenpolitik und zu Nahost-Fragen für das Schwedische Außenministerium und für die OSZE. Allein in Deutschland hat sie 500.000 Romane verkauft. Die zweibändige Martin Benner-Reihe erzählt den Fall der Sara Tell, die fünf Morde gestanden und sich das Leben genommen hat. Benner soll nun ihre Unschuld beweisen, gerät aber während der Ermittlungen, die ihn bis nach Texas führen, selbst in Lebensgefahr.

 

hamburgwoman.de: Als international erfolgreiche Autorin sind Sie in der ganzen Welt unterwegs. Wie gut kennen Sie Hamburg?

Kristina Ohlsson: Ich bin bereits einige Male hier gewesen, habe auch schon mal auf dem Krimifestival gelesen. Außerdem war ich in meiner Kindheit oft mit meinen Eltern mit dem Auto in Nordeuropa unterwegs und irgendwann sind wir immer hier gelandet. Ich habe also viele gute Erinnerungen an Hamburg.

Sie haben für das Schwedische Außenministerium und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien gearbeitet. Was war für Sie der große Reiz dieser Arbeit?

Ich habe beim Schwedischen Außenministerium angefangen und bin dann zu unserem Nationalen Nachrichtendienst. Dort habe ich Datenanalyse gemacht und es war tatsächlich frustrierend, dass man aus der jeweiligen Abteilung heraus keinen Überblick über die Fälle gewinnen konnte. Das war kein bisschen James-Bond-mäßig aufregend. Anschließend habe ich für die Schwedische Botschaft in Bagdad gearbeitet und von dort aus bin ich nach Wien. Die Erfahrung, die ich bei allen Stellen gemacht habe, ist, dass es unmöglich war effizient zu arbeiten – einfach zu viel Bürokratie. Weil beispielsweise sowohl Russland als auch die USA Mitglied der OSZE sind, konnte man sich nicht einmal darauf einigen, wie ein terroristischer Akt zu definieren ist oder nach welchen Kriterien ein Mensch als Terrorist einzustufen ist. Allerdings war ich in Wien die einzige Frau in leitender Position – das allein war eine spannende Erfahrung.

Seit sechs Jahren sind Sie Vollzeitautorin. Der Abschied aus der politischen Arbeit ist Ihnen nicht schwer gefallen?

Nein, ich mag es mein eigener Boss zu sein. Es war aber nicht ganz einfach als mein Hobby plötzlich zum Beruf wurde, weil nun der Ausgleich zur Arbeit fehlte. Deswegen versuche ich mich nun in der Fotografie.

Kommen wir also zu Ihrer Reihe um Staatsanwalt Martin Benner. Obwohl er quasi eine Freundin hat und die Tochter seiner verstorbenen Schwester aufzieht, versteht er sich als klischeehaften Junggesellen: Er hat Bindungsängste, kann nicht treu sein und liebt seinen Porsche. Wie würden Sie die Erfahrung beschreiben zwei Romane aus seiner Perspektive zu schildern?

Das war großartig! Der Roman ist aus der Ich-Perspektive erzählt. Das bedeutet ich war beim Schreiben Martin Benner. Also ein großgewachsener Anwalt – und zudem schwarz, denn sein Vater ist Afroamerikaner. Er ist es gewohnt, alles zu bekommen, was er will und wann er es will. Und er kennt es nicht zu versagen. Als ich mit dem Schreiben begann, fühlte ich, dass das eine Erfahrung ist, die er noch machen muss.

An einer Stelle meint Benner die schwedische Gesellschaft würde wegen seiner guten Kleidung und seines Autos nicht vermuten, dass er erfolgreich ist, sondern sich fragen, was hier nicht stimmt, weil er schwarz ist. Die Meinung einer Romanfigur oder würden Sie sagen, dass die schwedische Gesellschaft tatsächlich so ist?

Als weiße, blonde Frau habe ich diese Erfahrungen natürlich nicht gemacht. Und Benner hat die Neigung, zu übertreiben. Aber da ist schon etwas dran. Es gibt diesbezüglich leider eine Entwicklung in eine Richtung, die uns nicht gut tut. Benner ist erfolgreich, verdient gut und zahlt Steuern, ist als Staatsanwalt Teil des Systems – trotzdem begegnet er immer wieder Argwohn. Und das ist unfair.

Absolut, ja. Für Leser, die sonst keine Krimis aufschlagen, was ist neben den Ermittlungen der große Reiz der Benner-Bücher?

Sicher Benners Art ein Vater zu sein. Eigentlich schlägt er sich ganz gut, aber Belle wird sehr unschwedisch erzogen. Generell hat er sehr genaue Vorstellungen davon, wie Männer ticken und wie Frauen. Ihm wurde beigebracht, dass er als Mann stark und erfolgreich sein muss. In gewisser Hinsicht erzieht er seine Tochter wie einen Jungen.

Außerdem ist es toll beim Lesen der Langeweile des Alltags zu entfliehen. Das will ich mit einem guten Roman ermöglichen.

Werden wir Benner wieder begegnen? Oder ist nach den zwei Bänden Schluss?

Es wird definitiv noch ein Buch mit Benner geben. Schon weil ich beim Schreiben so viel Spaß hatte. Dabei ist mir etwas Großartiges gelungen und ich habe den Eindruck, dass ich mich mit den bisherigen Büchern auf dieses Schreibprojekt vorbereitet habe.

Woran arbeiten Sie gerade?

An einem Kinderbuch. Ich habe eine Trilogie über meine Lieblingsmonster geschrieben, die ich gerade mit einem Mumien-Buch abschließe.

Text: Wolfgang Wagner

Foto: Anna-Lena Ahlström

 

Lese-  und Weihnachtsgeschenktipp: Die Martin Benner-Romane:2_Cover

„Schwesterherz“, 2017, Limes Verlag, 481 S., 14,99 €, Kindle 9,99 €

„Bruderlüge“, 2017, Limes Verlag, 448 S., 14,99 €, Kindle 9,99 €

 

 

 

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