Die Schweizerin NADIA DAMASO ist erst 21 Jahre alt, hat aber schon ihr zweites Kochbuch veröffentlicht: „EAT BETTER NOT LESS – Around the World“. Nach einer Woche war es auf Platz 1 in der Schweiz! Chefredakteur KAI WEHL hat sie im „Koch Kontor“ zum Interview getroffen und durfte ihre Küche probieren – wow!

hamburgwoman.de: Schönes Kochbuch, sehr jung, bildtechnisch sehr Instagram-mäßig gehalten. Du musstest dich wahrscheinlich gar nicht so groß umstellen, oder?
Nadia Damaso: Nein. Es ist ein sehr persönliches Buch geworden, in dem steht, wer ich bin, was mich berührt, was mich inspiriert und was bei mir Emotionen freisetzt. Ich wollte etwas machen, das es in dem Sinne noch nicht gibt. Natürlich gibt es Länderkochbücher, aber so ein Reisebuch, bei dem der Leser auf eine Weltreise mitgenommen wird und anschließend von den Ländern inspirierte „neue“ Rezepte sieht, kenne ich noch nicht.
Wie muss man sich das vorstellen?
Ich habe mich vor Ort umgeschaut und inspirieren lassen – von Farben, Formen, Aromen und Landschaften –, aber nicht ein einiges Rezept aufgeschrieben. Zu Hause habe ich mir dann dir Urlaubsbilder angeschaut, landestypische Musik gehört und mich ins Land zurückversetzt. Dann kamen die Gerüche wieder, und ich habe viel ausprobiert, immer mit Zutaten, die in der Schweiz und somit auch in Deutschland erhältlich sind. Damit es einfach ist, die Rezepte nachzukochen. Natürlich sind gewisse exotische Zutaten ein Muss, sonst würde es nie so schmecken wie in den Ländern selbst, aber ich habe immer Alternativen hingeschrieben.
Im Buch hast du auch eine entsprechende Spotify-Liste. Wie kam es dazu?
Die Idee ist in Indien entstanden, als ich mit dem Taxi an Reisfeldern vorbeigefahren bin. Ich habe den Fahrer gefragt, ob er mal die landestypische Musik laufen lassen kann. Ich war eigentlich total platt und müde, aber diese indische Musik aus dem Radio in Kombination mit dem Blick auf die Landschaft hat mich sofort geflasht. Ich will, dass der Leser genau das auch erleben kann, ohne auf Reisen gehen zu müssen. Klingt jetzt vielleicht etwas komisch, aber wenn man die Musik hört, sich etwas einliest und dann dazu noch mit den beschriebenen Aromen kocht, dann ist es mega!
Das Buch ist je eine Kombination aus Reisebeschreibungen und Rezepten. Was war spannender, neue Gerichte zu entdecken oder  Abenteuer vor Ort zu erleben?
Für mich ist es das coolste, mit den Leuten zusammen zu reden und zu kochen, denn das Kochen ist in vielen Ländern der Mittelpunkt und man erfährt dabei viel über Land, Leute und die Kultur.
Was war für dich die größte kulinarische Entdeckung?
Was mich kulinarisch am meisten überrascht hat, ist Peru. Ich kannte das Land noch gar nicht, es war toll. Kartoffeln wachsen da noch auf 4.000 Metern Höhe und es gibt 4.000 verschiedene Kartoffelsorten – eine Wahnsinnsvielfalt. Und an der Küste von Peru gibt es den besten Fisch – Ceviche ist dort ein echter Traum – und die Köche sind unglaublich experimentierfreudig. Das bin ich auch. Mir ist es wichtig, dass ich bei jedem Rezept eine Geschmacksexplosion hinkriege und verschiedene Komponenten und verschieden Texturen harmonieren. Das war in Peru der Fall.
Nach welchen Kriterien hast du entschieden, in welche Länder du reisen möchtest?
Ich bin schon viel gereist, gut 48 Länder waren es wohl. Um Neues auszuprobieren, habe ich einfach gegoogelt. Habe als Suchbegriff ein Land mit dem Wort Essen zusammen eingegeben und wenn mir die Bilder gefallen haben, bin ich hingeflogen. So war es etwa bei Peru. Es hat funktioniert, denn vor Ort kommt es sowieso immer anders, als gedacht. Für mein neues Buch war ich innerhalb von 9 Wochen in 12 Ländern.
Im Buch ist fast alles vegan …
… ich bin Schweizerin, wir haben beste Schokolade und leckeren Käse, ohne geht es nicht. (lacht)  Momentan hab ich keine Lust auf Fleisch, aber auf Fisch. Ich esse immer das, worauf ich gerade Lust habe. Unverzichtbar sind für mich aber Mandel-, Dinkel- und Sojamich. Kuhmilch habe ich nicht zuhause, aber wenn ich irgendwo eingeladen bin, ist es kein Problem für mich, Produkte zu essen, in denen sie enthalten ist. Wenn man nicht gerade aus gesundheitlichen Gründen darauf verzichten muss, sollte man da auch nicht so strikt sein. Ich finde es schön, immer Alternativen zu haben.
Beide Bücher und auch der Foodblog beinhalten dein Motto „EAT BETTER NOT LESS“. Wir kam es überhaupt zu einer entsprechenden Ernährunsgumstellung?
Nach einem längeren Schulaufenthalt in Kanada bin ich mit 10 Kilo zuviel nach Hause gekommen. Dabei bin ich mega sportlich aufgewachsen, habe als Jugendliche professionell Ski-Langlaufrennen betrieben und entsprechend trainiert. Umso weniger habe ich mich mit den 10 Kilo mehr wohlgefühlt. Das Problem war aber, dass ich schon immer gerne und viel gegessen habe, deswegen kam für mich eine strikte Diät nie in Frage. Ich wollte etwas machen, das langfristig Erfolg hat und bei dem ich trotzdem das Essen genießen kann. Ich habe frei nach dem Motto lieber besser statt weniger viel probiert und so entsprechende Rezepte kreiert. Irgendwann habe ich ohne große Absicht ein Foto von meinem Frühstück auf Instagram gepostet. Damit hat alles angefangen.

Text: Kai Wehl Rezeptfotos: © Nadia Damaso, AT Verlag/www.at-verlag.ch

Zwei coole Rezepte aus dem Buch:

 

Ceviche mit Süßkartoffelnestern und Mais-Mango-Koriander-Püree

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Zutaten für 2 Portionen

KARTOFFELN
2 mittelgroße Süßkartoffeln,  mit weißem oder orangem,  Fruchtfleisch, etwas Himalajasalz, Pfeffer aus der Mühle, 1 EL Olivenöl

FISCH
200 g Wolfsbarschfilet  (so frisch wie möglich!),  sauber pariert und filetiert

MARINADE
1 ½ Frühlingszwiebeln, nur der grüne Stängel,  2 Handvoll frische  Minzeblätter,  4 Limetten, Saft  (ca. 100–120 ml),  1 EL Olivenöl,  Himalajasalz, Pfeffer  aus der Mühle

PÜREE
200 g Süßmais, gekocht,  abgespült,  ½ reife Mango (ca. 100 g),  ½ TL Himalajasalz,  ½ TL schwarzer Pfeffer  aus der Mühle, 2–3 TL Olivenöl, 150 ml Sojamilch, 1 Bund frischer Koriander

frischer Koriander und Schnittlauch, fein geschnitten, zum Garnieren

Zubereitung

1. Den Backofen auf 180 Grad Umluft vorheizen. Die Kartoffeln mit einem Spiralschneider in dünne Streifen schneiden, in eine Schale geben, Gewürze und Olivenöl dazugeben, mit den Händen sorgfältig vermischen und zu 6–8 kleinen Nestern formen. Diese auf ein Backblech setzen und im Ofen etwa 25 Minuten goldbraun und an den Rändern leicht knusprig backen.
2. Das gut gekühlte Wolfsbarschfilet in kleine Würfel von etwa 0,7 cm Seitenlänge schneiden und in eine tiefe Schale geben.
3. Den grünen Teil (Stängel) der Frühlingszwiebeln und die Minze so fein wie möglich schneiden, mit Limettensaft, Olivenöl, Salz und Pfeffer vermischen, über den Fisch träufeln, bis er davon bedeckt ist, sorgfältig mischen und 15–30 Minuten (siehe Tipps) marinieren lassen.
4. Für das Püree sämtliche Zutaten in einem leistungsstarken Mixer fein und glatt mixen, in einen Topf geben und auf tiefer Stufe leicht erwärmen.
5. Das warme Püree auf die Teller verteilen, die Kartoffelnester daraufsetzen und jeweils einen Löffel Ceviche mit etwas Sauce auf die Nester geben. Mit den fein gehackten Kräutern garnieren und sofort genießen.

Für alle, die keinen Fisch essen: Die Beilagen allein schmecken mit etwas Limettensaft beträufelt und mit frischen Kräutern bestreut auch superlecker.

Knackiger Green-Mango-Birnen-Kohlrabi-Salat mit Lachs-Salad-Wraps

 

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Zutaten für 2-3 Portionen:
LACHS
EL Kokosmilch, 2 EL Limettensaft und etwas  abgeriebene Schale, 1 EL Kokos- oder Sesamöl, geröstet, 2–3 TL Honig, Reissirup  oder Ahornsirup, 400 g Lachs, Himalajasalz, Pfeffer aus der Mühle, ½ reife Mango, 1–2 Knoblauchzehe, ½ Bund Koriander

SALAT
200 g grüne Mango, oder Papaya, 200 g Birne (Williams, Kaiser Alexander oder Conférence), 200 g Kohlrabi, 200 g Salatgurke, evtl. Baby-Gurken, 1 kleines Bund Thai-Basilikum, 1 Bund Koriander

SAUCE
¾ EL Fischsauce, 1 EL Limettensaft, 1 EL Kokosblütenzucker, 1 EL Sesamöl, geröstet, 2 EL Erdnüsse, geröstet und klein gehackt, 1–2 Knoblauchzehen, fein gehackt, 1 kleine rote Chilischote, fein geschnitten, etwas Kampotpfeffer aus der Mühle, evtl. 2–3 TL Wasser, 1 großer Kopfsalat oder Romanasalat (Lattich), große Blätter abgelöst, geröstete Erdnüsse, klein gehackt, wenig Reissirup oder Honig zum Beträufeln

1 Limette, in Achtel geschnitten nach Wunsch rote Chilischote, fein gehackt

Zubereitung:

1. Den Ofen auf 160 Grad Umluft vorheizen. Ein Blech mit Backpapier belegen, eine ofenfeste Schale mit Wasser bereitstellen.
2. Kokosmilch, Limettensaft, Öl und Honig vermischen, den Lachs darin mehrmals wenden, mit Salz und Pfeffer würzen und 10 Minuten marinieren.
3 Den Lachs auf ein Stück Backpapier geben, die Marinade darüberträufeln. Die Mango schälen, in kleine Würfel schneiden, den Knoblauch fein hacken, beides um den Lachs verteilen, Korianderzweige auf den Lachs legen, das Backpapier zu einem Päckchen zusammenfalten, auf das vorbereitete Blech geben und im Ofen 15–18 Minuten backen.
4. Für den Salat die grüne Mango oder Papaya, Birne und Kohlrabi in feine Streifen schneiden (Julienne-Schneider), alles in eine große Schüssel geben. Die Gurke in sehr feine Scheiben schneiden und dazugeben (bei normaler Salatgurke das Innere mit den Kernen zuvor etwas herauskratzen). ThaiBasilikum und Koriander fein hacken, hinzufügen und sorgfältig mischen.
5. Für die Sauce alle Zutaten vermischen, abschmecken. Zum Salat geben, gut vermischen und kühl stellen.
6. Die Salatblätter waschen, trocken schleudern und auf einer großen Platte auslegen. Den Lachs aus dem Ofen nehmen, 5 Minuten im Papier ruhen lassen. Den Salat nochmals mischen, auf jedes Salatblatt einen großen Löffel davon geben. Den gegarten Lachs mit den Händen in grobe Stücke reißen, gleichmäßig auf dem Salat verteilen, einige Mangostücke dazugeben, nach Wunsch mit gerösteten Erdnüssen bestreuen, mit wenig Honig und den Lachs mit Limettensaft beträufeln. Das Salatblatt von unten einklappen, die Seiten einschlagen, zu einem Wrap rollen und genießen!

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Foodbloggerin Nadia Damaso bietet ein gelungens Erlebniskochbuch, inspiriert von 12 Ländern, mit fantastischen Fotos und spannenden Geschichten. Da macht nicht nur das Nachkochen Spaß, sondern auch das Lesen! Erschienen im at Verlag, geb, 320 Seiten 29.90 Euro

 

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