Kirsten Dahler: Talent zur Balance

Unternehmerin Kirsten Dahler: „Als arbeitende Mutter trifft man noch immer nicht den allgemeinen Konsens. Wichtig ist es, hinter seiner Entscheidung zu stehen.“

Unternehmerin Kirsten Dahler: „Als arbeitende Mutter trifft man noch immer nicht den allgemeinen Konsens. Wichtig ist es, hinter seiner Entscheidung zu stehen.“

Kirsten Dahler macht vor, wie Frauen Karriere und Familie ins Gleichgewicht bringen können und setzt in der Entwicklung ihres Unternehmens auf individuelle Förderung, den Faktor Mensch und soziale Verantwortung.

Als Geschäftsführerin der Dahler & Company GmbH leitet Kirsten Dahler seit 22 Jahren eines der erfolgreichsten deutschen Maklerunternehmen für hochwertige Wohnimmobilien. Auf ihrem Weg zum beruflichen Erfolg steht ihre Familie trotzdem immer im Fokus. „Als arbeitende Mutter trifft man noch immer nicht den allgemeinen Konsens. Wichtig ist es, hinter seiner Entscheidung zu stehen“, so Kirsten Dahler. Die Geschäftsfrau, die neben dem Lizenzsystem die Personalentwicklung verantwortet, spricht über die Gradwanderung zwischen Job und Kindererziehung, die Frauenquote und Talentförderung als Wachstumsmotor.

Gemeinsam mit ihrem Mann gründete Kirsten Dahler 1993 das Maklerunternehmen Dahler & Company, das heute 42 Büros mit 250 Mitarbeitern zählt und mittlerweile nicht mehr ausschließlich Immobilien vermittelt. Kirsten Dahler ist vor allem für die Entwicklung des Lizenzsystems sowie die Aus- und Weiterbildung ihres Teams verantwortlich. „In unserem Unternehmen kommen Menschen zusammen, die sich in ihrem Alltag sehr unterschiedlichen Anforderungen stellen müssen. Ich sehe es als meine Aufgabe, Unterstützung auf allen Ebenen zu bieten und jeden Einzelnen in seinen ganz persönlichen Entwicklungszielen zu bestärken“, erklärt die Geschäftsführerin, die nicht nur die Auswahl der Mitarbeiter und Auszubildenden trifft, sondern diese auch bei ihrem weiteren Werdegang bis hin zur leitenden Ebene begleitet.

Bei der Besetzung der Führungspositionen sei die Qualifikation der ausschlaggebende Faktor, nicht das Geschlecht. Kirsten Dahler betrachtet die von der Politik forcierte Einführung der gesetzlichen Frauenquote aus verschiedenen Blickwickeln und weist darauf hin, dass zwischen mittelständischen Unternehmen und Konzernen in Zukunft weiter differenziert werden muss: „Bei einer Unternehmensgröße ab 2000 Arbeitnehmern ist eine verpflichtende Besetzung legitim und umsetzbar. Es bleibt aber ein bitterer Beigeschmack, der die Akzeptanz von Frauen in leitenden Positionen erschwert, wenn der Eindruck entsteht, dass es nicht mehr nur um Leistung geht.“ Dabei steht für Kirsten Dahler einzig und allein die Chancengleichheit im Mittelpunkt: „Mittelständische Unternehmen zu verpflichten, Führungspositionen geschlechterspezifisch zu besetzen, kann zu qualitativen Einbußen führen, wenn aufgrund der Unternehmensstruktur oder Branche Positionen nicht entsprechend besetzt werden können und ein ‚leerer Stuhl‘ die Folge wäre.“

In der Zeit kurz nach der Unternehmensgründung sah sich Kirsten Dahler als Frau und als Unternehmerin großen Herausforderungen gegenüber. Trotzdem war für sie das Ziel, ein Unternehmen zu leiten und eine Familie zu gründen kein Widerspruch. Um für ihre drei Söhne da sein zu können, half ihr Organisationsgeschick und der Mut, auch mal zu delegieren. Familie Dahler entschloss sich für die Unterstützung durch ein Au-Pair-Mädchen. Dabei ist sie häufig auf Kritik gestoßen: „Vor fast 20 Jahren war das in Deutschland nicht Usus. Niemand in meinem persönlichen Umfeld hatte sich bis dahin für diesen Weg entschieden. Selbst heute ist es in Deutschland keine Selbstverständlichkeit, jemanden für die Organisation der alltäglichen Routine einzustellen und ihn damit Teil seines Familienlebens werden zu lassen. “

Die aktuelle Debatte um die sogenannten „Working Moms“, die Elternzeit und geförderte Kinderbetreuung, spiegelt die teilweise noch vorhandene Problematik bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wider: „Es ist nicht immer einfach, die richtige Balance zwischen Beruf und Kindererziehung zu finden. Bei wichtigen Terminen meiner Kinder war ich immer vor Ort. Aber ich habe auch schon früh auf die Selbstständigkeit meiner Kinder Wert gelegt.“
Kirsten Dahler weiß aber auch, dass ihr Modell auf Freiräumen fußt, die sie sich als Führungskraft nehmen konnte: „Daraus habe ich auch gelernt, wie wichtig es ist, Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen.“ In ihrem Unternehmen werde dieses Credo deshalb umgesetzt und Teilzeitarbeit stelle kein Problem dar. Viele der Mitarbeiterinnen sind seit vielen Jahren in dem Immobilienunternehmen beschäftigt und konnten sich auf das notwendige Maß an Verständnis in verschiedensten Lebenssituationen verlassen.

„Die Balance zwischen der Unterstützung der Arbeitnehmer in ihrem Alltag und der Förderung ihrer beruflichen Talente spielt in unserer Personalpolitik eine wesentliche Rolle. Ein qualifiziertes Unternehmen kann sich nur langfristig positiv entwickeln, wenn die Beziehungen zwischen den Ebenen gepflegt werden. Dazu gehört eben auch, ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte zu haben, um hierfür eine gemeinsame Lösung zu finden“, erklärt Dahler.

Nicht nur als Unternehmerin in ihrer Firma setzt sich Kirsten Dahler für Teamwork und Werte wie Familie ein. 2011 gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann Björn Dahler die Kinderhilfsinitiative „Hand in Händchen“, die benachteiligte Kinder vor Ausgrenzung durch Armut schützen soll: „Viele Kinder erhalten wenig Förderung und erfahren durch die beschränkten Mittel ihrer Eltern Ausgrenzung. Wir wollten dabei helfen, dass jedes Kind Förderung erhält und als starke Persönlichkeit seine eigene Wege gehen kann“, erklärt Kirsten Dahler.

Foto:  © Claus Brechenmacher & Reiner Baumann

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