Wer kennt es nicht? Den täglichen Stress durch Job, Familie und der ganze Alltag dazwischen. Der moderne Lebensstil bringt uns manchmal ganz schön an seine Grenzen. TV-Moderatorin und Yogalehrerin Kerstin Linnartz hat sich mit ihrem neuen Buch „Business Yoga“ diesem Thema einmal angenommen. Wir haben mit ihr über ihre Liebe zum Yoga, ihre Schwangerschaft und ihre Tipps gesprochen.

Kerstin Linnartz, wie kam es zu der Kombination aus Business und Yoga, hatte es etwas mit ihrer persönlichen Erfahrung zu tun?
Es war tatsächlich eine Mischung aus meiner eigenen Erfahrung. Ich habe sieben Jahre in Indien gelebt und habe mich dort sehr intensiv mit dem Thema Yoga befasst und selber natürlich unglaublich viel praktiziert. Als ich vor gut 2 ½ Jahren komplett wieder nach Deutschland kam, merkte ich auf einmal, das man hier einer ganz anderen Energie ausgesetzt ist, man wird hier viel mehr ausgesaugt. Aus meinen Yoga-Retreats, die ich veranstalte, kenne ich Business-Kunden, die sagen, wir laden eine Woche die Batterien auf und nach ein paar Monaten sind wir wieder total ausgelaugt und stehen erneut kurz vorm Burnout. Was macht man also, um nicht immer in diese Falle zu tappen? So bin ich auch auf die Terminologie des „Business Yoga“ gekommen, um Leuten die nichts mit dem spirituellen Aspekt anfangen können, einen Zugang zum Thema zu ermöglichen.

Was genau ist die 21-Tage-Formel, die Sie für das Buch entwickelt haben?
Es ist im Grunde das Lernprinzip. Man hat herausgefunden, das nach 21 Tagen, wenn ich jeden Tag etwas mache, im Idealfall zur gleichen Uhrzeit, dann sind die synaptischen Verschaltungen im Gehirn so stark, dass sie quasi dort „eingebrannt“ werden. Das heißt, es geht etwas vom Überbewusstsein ins Unterbewusstsein. Beispielsweise beim Autofahren müssen wir auch nicht mehr denken, rechts Gas, links bremsen, sondern das wurde automatisiert. Auch bei Yoga funktioniert es: Wenn ich 21 Tage eine bestimmte Körperübung jeden Tag mache, ist es für meinen Körper hinterher normal, ich muss nicht mehr drüber nachdenken, wo stelle ich den Fuß hin, wie spanne ich meine Bauchmuskulatur an. Es funktioniert aber bei jedem Thema, deswegen sage ich im Buch, man kann individuell schauen, woran möchte ich arbeiten.

Wie hilft Yoga in der Schwangerschaft?

Ich hatte wirklich 9 Monate eine absolute Traumschwangerschaft. Ich hatte gar keine Probleme und hab es total genossen, ein wunderbares Erlebnis! Das schiebe ich auf jeden Fall meiner Fitness zu, ich habe bis auf die letzten 2 Wochen der Schwangerschaft immer Yoga praktiziert.

Viele sagen ja, neben dem Business, vielleicht noch die Familie, der Haushalt, da habe ich doch gar keine Zeit, noch einen weiteren Punkt in meinen Zeitplan zu integrieren, was raten Sie denen?
Das ist ein sehr guter Punkt, denn genau das habe ich auch immer von meinen Schülern gehört. Mir ist wichtig, dass man sich realistische Ziele setzt, das führt sonst nur zu Frustration und das ist kontraproduktiv. Wenn man sich vornimmt, man muss jede Woche fünf Stunden oder jeden Dienstag von 18 – 20 Uhr etwas machen, das funktioniert nicht. Ich muss gucken, wo habe ich die freie Zeit und wie passt die Übung in meinen Alltag. So erkläre ich im Buch auch ganz genau, wie man diese Lücken findet und die Übungen in den Alltag integrieren kann. Auch Tricks, zum Beispiel die Atemübungen. Ich mache beispielsweise, wenn ich einen vollen Tag habe, meine Atemübungen während des Autofahrens, wo gar keine Zeit davon geht.

Sie machen sehr viel, Bücher schreiben, Kollektion herausbringen, TV-Auftritte, Yoga-Retreats und Kurse leiten – das klingt schon sehr stressig. Kennen Sie denn überhaupt noch Stress?
Also ich kenne absolut Stress. Das höre ich immer von meinen Freunden und von meinem Umfeld, meine beste Freundin sagt immer, bei dir sind vier Monate so wie bei anderen vier Jahre, bei dem was du machst! Durch meine langjährige Yoga-Praxis habe ich eine Grundgelassenheit entwickelt. Viele Situationen, die andere stressen, die stressen mich gar nicht mehr. Ich werde auch immer gefragt, übst du denn immer? Nein, ich bin auch kein Yoga-Roboter, ich bin auch nur ein Mensch. Es gibt bei mir auch Tage, an denen ich etwas machen sollte, es aber nicht tue. Aber ich habe durch meine langjährige Praxis ein Warnsystem entwickelt, ich lass es nicht mehr so weit kommen, dass ich so oft meine Übungen ausfallen lasse, dass es mir wirklich schlecht geht. Ich hab vielleicht mal einen stressigen Tag, aber dann merke ich, Moment, das geht hier grade in eine falsche Richtung. Eigentlich fühlst du dich besser und das Leben ist schöner, wenn du entspannt und glücklich bist, also mach mal wieder. Man entwickelt dann einen Radar, was gut für einen ist und was nicht. Und das betrifft im Übrigen alle Lebensbereiche. Jeder kann sich so einen eigenen Radar aneignen, damit wir merken, wenn wir unsere eigene Grenze überschreiten.

Haben Sie denn mittlerweile viele Leute in Ihrem Umfeld damit angesteckt?
Ja tatsächlich! Natürlich beiße ich mir an zwei, drei Exemplaren die Zähne aus, aber in meinem direkten Umfeld ist es so, dass fast alle Leute mit denen ich arbeite, hinterher mit Yoga anfangen oder ihre Ernährung umstellen. Ganz viele machen sich jetzt auch jeden Tag ihre grünen Smoothies, so wie ich. Ich bringe immer bei Dreharbeiten und Shooting der ganzen Crew immer morgens meine selbstgemachten Smoothies mit. Je nachdem wie lange wir zusammen arbeiten, bleiben die dann auch dabei! Das ist schön und daran sieht man auch, dass es funktioniert.

Jetzt kommt ja erstmal die Babypause, gibt es darüber hinaus schon weitere Pläne?
Der erste Termin nach der Geburt ist im Oktober, da sind wir für eine Yogalehrer-Ausbildung in der Türkei. Ansonsten plane ich gerade ein sehr schönes After-Baby-Programm mit einer sehr bekannten Person aus Deutschland aus der Fitness- und Gesundheitsbranche. Ich finde diesen Hype grade ganz schlimm, nach dem Motto „ich muss 4 Wochen nach der Geburt wieder spindeldürr sein“. Mit dem Online-Programm, in dem wir in sehr gesundem Maße über einen längeren Zeitraum von Rückbildung bis hin zu richtig fit gehen werden, fangen wir 2-6 Wochen nach der Geburt an, je nachdem wann mein Baby und ich so weit sind. Mit den Yoga-Retreats und Moderationen geht es auch weiter, aber ab jetzt geht es nicht mehr nur um mich. Kleinchen muss da auch mitspielen, das Wohl des Babys steht natürlich über allem, es wird sehr spannend, es ist ein ganz neuer Aspekt in meinem Leben. Ich freue mich wahnsinnig auf die kommende Zeit!

Buch-Tipp: Kerstin Linnartz: „Business Yoga“, Becker Joest Volk Verlag, 272 Seiten mit 187 Fotos (Fotograf: Moritz Schmid), Experteninterviews und vielen praktischen Übungsanleitungen, 29,95 Euro.

Buch-Tipp:
Kerstin Linnartz: „Business Yoga“, Becker Joest Volk Verlag, 272 Seiten mit 187 Fotos (Fotograf: Moritz Schmid), Experteninterviews und vielen praktischen Übungsanleitungen, 29,95 Euro.

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