Mit noch nicht einmal 40 Jahren hat Katharina Fegebank nach dem Scheitern von Schwarzgrün die Grünen wieder auf Linie gebracht und an die Regierung geführt. Einige werfen ihr dennoch vor, dafür grüne Ideale aufgegeben zu haben. Betreibt die neue starke Frau der Hansestadt den Ausverkauf ihrer Partei?

Ich muss mich jetzt noch einmal ganz kurz rückbesprechen.“ Es mag unfair sein, doch für viele Beobachter der Koalitionsverhandlungen war es die Szene, die Katharina Fegebank mit diesen Worten einleitete, die die Regierungsbildung der Grünen mit der SPD am besten symbolisierte. Die Ergebnisse der Verhandlungen sollten vor den Medien dargelegt werden, doch auf die Frage nach der Umweltzone hatte Fegebank einen Blackout und musste sich von SPD-Fraktionschef Andreas Dressel unter vier Augen erst noch einmal erklären lassen, was genau sie gerade für ihre Partei ausgehandelt hatte. Auch das Ergebnis dieser Verhandlung war für Grünen-Kritiker symbolisch für den Misserfolg: Keine Umweltzone in der Stadt, keine Stadtbahn, keine City-Maut, dafür Elbvertiefung. Haben sich die Grünen unter Katharina Fegebank unter Wert verkauft? „Die Grünen backen jetzt lieber kleine Brötchen“, erklärt NDR-Rathausexperte Jürgen Heuer. „Lieber neue Fahrradwege, die gebaut werden, als eine Stadtbahn, die niemals kommt. Ob diese Strategie erfolgreich ist, wissen wir in fünf Jahren.“

Besonders unangenehme Kröten geschluckt
Fünf Jahre zuvor, als die schwarz-grüne Koalition in Hamburg beendet wurde, sah die Situation noch ein wenig anders aus. Die Grünen hatten sich verzettelt, hatten einige besonders unangenehme Kröten schlucken müssen. Die Zustimmung zum Bau des Kohlekraftwerks Moorburg verärgerte die Basis, der Bürgermeisterwechsel zum deutlich schwierigeren Christoph Ahlhaus brachte das Fass zum Überlaufen. Die GAL, deren Vorsitz Katharina Fegebank damals schon zwei Jahre lang innehatte, beendete die Koalition. Interessanterweise gingen die Grünen dann doch relativ unbeschadet aus diesem Experiment hervor: Bei der Bürgerschaftswahl 2010 konnte sogar ein kleines Plus verbucht werden. Nach einem Oppositions-Intermezzo sind die Grünen jetzt wieder an der Regierung, Katharina Fegebank ist Senatorin der Behörde für Wissenschaft und Forschung, der – aus Prestigegründen? – der Bereich Gleichstellung übertragen wurde. Damit gab sie ihr Amt der Landesvorsitzenden ihrer Partei ab, das sie länger als alle ihre Hamburger Vorgänger innehatte.

Das Gesicht der Hamburger Grünen

Dass sie es so lange in Hamburg „aushält“, hätte sie nach eigener Aussage nicht gedacht. Tatsächlich war die aus Bargteheide stammende Fegebank während ihres Studiums (Politikwissenschaft, Öffentliches Recht, Anglistik und Europawissenschaften) immer wieder im Ausland unterwegs, von New York bis Ankara, es deutete sich eine internationale Karriere an. Dass sie dann doch bei den Hamburger Grünen blieb, könnte als Glücksfall für die Partei gewertet werden: „Katharina Fegebank hat eine unverbrauchte, frische und zupackende Art“, sagt Jürgen Heuer. „Das hilft ihr auch schwierige Zeiten erfolgreich zu bewältigen.“ Nachdem sie ihre Partei wieder in die Regierungsverantwortung gehievt hat, könnten genau solche Zeiten anbrechen. Aktuell hat sie Rückhalt in der Partei. Katharina Fegebank das Gesicht der Hamburger Grünen. Doch könnte es sein, dass die Partei ohne sie gar kein Gesicht mehr hat? Wenn nach solchen Zugeständnissen die nächste Koalition platzt, hätte das für die Partei desaströse Folgen. Wer weiß, ob sich dann Katharina Fegebank nicht kurzfristig wieder auf ihre lange vernachlässigte internationale Karriere zurückbesinnt.
Christian Luscher

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