Katharina Fegebank, die Zweite Bürgermeisterin Hamburgs, wurde in Volksdorf zur diesjährigen Waldherrin ernannt. Wir sprachen mit der GRÜNEN-Politikerin über Traditionen, Natur und politische Korrektheit!

Viele der Anwesenden beim Waldherrenmahl waren überrascht zu erfahren, dass Sie tatsächlich eine Verbindung zu Volksdorf haben. Auf welche Weise fühlen Sie sich dem Stadtteil noch verbunden?
Katharina Fegebank: Kann man sich Volksdorf nicht verbunden fühlen? Ich mag diesen Stadtteil sehr. Die Volksdorfer Teichwiesen sind einfach ein guter Ort, um bei einem Spaziergang durchzuatmen und die Seele baumeln zu lassen. Und im Museumsdorf bringen sich so viele Menschen mit viel Herzblut ein. Das beeindruckt mich. Aber ich habe tatsächlich auch eine ganz persönliche Verbindung. Mein Vater war viele Jahre Lehrer am Gymnasium Buckhorn. Er ist dort bekannt wie ein bunter Hund, und ich war als Kind häufig hier.

Wie wichtig ist Traditionspflege für Sie?
Traditionen geben vielen Menschen Halt. Sie stiften Gemeinschaft und Identität. Gerade Hamburg ist reich an guten Traditionen, auf die ich mich gerne beziehe. Wir leben in einer stolzen alten Stadtrepublik mit einer selbstbewussten Bürgergesellschaft. Ich denke, dass eine bewusste Auseinandersetzung mit Traditionen die Grundlage für jeden Fortschritt ist. Denn nur wenn man sich damit beschäftigt, was man bewahren und was man verändern will, gestaltet man die Zukunft auch bewusst. Übrigens: Gerade im Moment ist es wieder sehr hilfreich, sich auf Traditionen zu besinnen. Wir alle empfinden es als große Herausforderung, dass so viele Flüchtlinge zu uns kommen. Aber der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Hamburg über die Jahrhunderte immer wieder viele Menschen aufgenommen hat, die zu uns kamen, weil sie sich hier ein besseres, freieres Leben erhofft haben. Daraus können wir das Selbstvertrauen schöpfen, dass wir auch die aktuellen Aufgaben bewältigen.

In Ihrer Rede sprachen Sie auch davon, wie wichtig es ist, Kindern und Jugendlichen die Natur und deren Zusammenhänge nahezubringen. Könnten in dieser Hinsicht das grüne Alstertal und die Walddörfer vielleicht noch eine größere Rolle spielen?
Sie machen ja schon sehr viel! Das Museumsdorf ist ein vorbildliches Projekt, um auch Großstadtkinder mit der Natur vertraut zu machen. Hier kann jeder einmal die Erde im Gemüsegarten umwühlen, ein Pferd streicheln und lernen, woher der Honig im Glas kommt. Wichtig ist, dass wir gemeinsam die Räume für Natur und Naherholung für unsere Kinder erhalten. Die Walddörfer sind seit Jahrhunderten die grünen Stadtteile Hamburgs. Und sie sollen es bleiben. Deshalb ist es gut, dass wir gerade die „Volksdorfer Wiesen“ als neues Naturschutzgebiet ausgewiesen haben.

Der Schlag mit dem Siegelhammer machte Sie zur vierten Waldherrin. Als dieses Amt noch offiziell existierte, wäre es undenkbar gewesen, dass es überhaupt jemals eine Frau übernehmen würde. Würden Sie als Senatorin für Gleichstellung dies als Fortschritt bezeichnen?
Ja klar!

Wäre es vielleicht sogar sinnvoll, die männlich geprägte Bezeichnung „Waldherr“ durch eine geschlechtsneutrale, etwa „Waldvorstand“ zu ersetzen?
Ich kann mit der Bezeichnung Waldherrin ganz gut leben! Und man kann es ja manchmal auch übertreiben mit der politischen Korrektheit. Aber falls Sie mal über eine „Wald-Doppelspitze“ nachdenken, stehe ich gerne für Ratschläge zur Verfügung. Wir haben da als Grüne ja Erfahrung mit.

Was sind Waldherren?

Aufgabe der Waldherren war es früher, jährlich in den Walddörfern per Hammerschlag Bäume zu markieren, die für den Einsatz in der Stadt vorgesehen waren. Das Museumsdorf Volksdorf und der Verein „De Spieker“ haben diese Tradition wiederbelebt und wählen jährlich einen neuen Waldherren.

Foto: Bina Engel

Christian

Über den Autor

Hinterlasse eine Antwort