Am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) arbeitet Dr. Ann Christin Parplys an einer neuen Methode zur individualisierten Krebsbehandlung. Wir sprachen mit ihr über ihre Forschungsarbeit, die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit sowie über ungleiche Karrierechancen für Frauen in der Medizin.

 

hamburgwoman.de: Sie haben Ihre akademische Ausbildung in Hamburg durchlaufen, waren aber als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Berkeley und als Gastwissenschaftlerin in Oxford. Wie schlägt sich die Uni Hamburg im internationalen Vergleich?

Dr. Ann Christin Parplys: Berkeley und Oxford sind Eliteuniversitäten, die Forschung von internationalem Rang leisten. Auch an der Uni Hamburg und am UKE gibt es exzellente Forschergruppen, nur nicht in so hoher Dichte. Ich bin nach Oxford gegangen, weil es dort eine Gruppe gab, die in meinem Forschungsgebiet weltweit führend ist. Dort habe ich viel gelernt, was ich für meine Forschungszwecke in Hamburg etabliert habe. Dass ich mich auf diese Weise zur Spezialisten weitergebildet habe, hat mir die Türen in Berkeley geöffnet.

Es ist schwer für medizinische und naturwissenschaftliche Forschung den potenziellen akademischen Nachwuchs zu begeistern. Können Sie beschreiben, worin Ihre Leidenschaft für Ihre Arbeit besteht?

Der Beruf als Forscherin ist wunderschön, weil er sehr facettenreich ist. Ein großer Teil meiner Arbeit besteht in Planung und Durchführung von Experimenten, die vorher noch nie jemand so gemacht hat. Es ist eine kreative Arbeit, die ich wirklich liebe. Dann müssen die Experimente aufgearbeitet und analysiert werden. Und die Forschungsergebnisse präsentiere ich schließlich auf nationalen und internationalen Tagungen. Und es ist natürlich ein großer Anreiz, dass ich weiß, wie viel ich mit meiner Arbeit bewirken kann: Eine verbesserte Krebstherapie entwickeln. Das treibt mich an.

Als zweifache Mutter wissen Sie, wie Karriere und Kinder miteinander vereint werden können. Haben Sie drei Tipps für unsere Leserinnen?

Meiner Meinung nach sind dafür Familie und Freunde, das richtige Arbeitsumfeld und gutes Zeitmanagement entscheidend.

Ohne die Unterstützung meines Mannes wäre an Karriere mit Kindern nicht zu denken. Wir leben ein modernes Familienmodell, teilen uns Betreuung, Erziehung und Haushalt und unterstützen uns gegenseitig bei der Karriereplanung. Er hat Elternzeit genommen und arbeitet jetzt zu 75%, damit auch Zeit für meine Arbeit ist und die Kinder nicht zu kurz kommen. Meine Mutter unterstützt uns ebenfalls, wo sie kann.

Auf der Arbeit haben viele Kolleginnen und Kollegen und die Vorgesetzten eigene Kinder. Deswegen habe ich viel Verständnis von dieser Seite. Aber da wir beide berufstätig sind, ist Zeitmanagement sehr wichtig, weil wir viel koordinieren müssen. Da hat mir ein Seminar weiter geholfen, das ich als Stipendiatin des Karriere-Kompetenzzentrums für Frauen „Pro Exzellenzia“ besucht habe. Dort wurde uns vermittelt, wie wichtig es ist Prioritäten zu setzen, den Tag zu strukturieren und sich realistische Ziele zu setzen.

Sie sind promovierte Biologin und Spezialistin für Replikationsprozesse (Verdopplungsprozess des Erbguts einer Zelle). Können Sie in einigen Sätzen erklären, wie Sie dieses Fachwissen für die Krebsforschung fruchtbar machen?

Zentral ist Folgendes: Krebszellen möchte man daran hindern sich und ihr Erbgut zu verdoppeln. Mit meiner Forschung soll man zukünftig vor der Krebsbehandlung im Labor untersuchen, welche Therapie diesen Verdopplungsprozess verhindert oder unterdrückt. Damit soll das Ansprechen auf die Behandlung für den Patienten verbessert werden.

Das ist ja ziemlich spannend! Darüber würden wir gerne mehr erfahren. Wie groß ist das Forschungsteam? Und welche Aufgaben übernehmen Sie?

In unserem Labor arbeiten etwa 25 Forscherinnen und Forscher in drei Arbeitsgruppen. Neben der Planung und Durchführung meiner eigenen Experimente organisiere ich auch die Arbeit von Studentinnen und Studenten. Technische Angestellte wiederholen Experimente, damit wir sehen können, ob der gleiche Ablauf zum gleichen Ergebnis führt. Außerdem arbeite ich mit Statistikprogrammen, erstelle Abbildungen und Grafiken, bin aber auch in der Lehre tätig. Insgesamt also sehr abwechslungsreich.

Uns ist aufgefallen, dass in Ihrem Forschungsprojekt viele Frauen mitwirken. Wie steht es sonst in der medizinischen Forschung um die Geschlechterverhältnisse?

Strahlenbiologie, Mitarbeiter

Dr. Ann Christin Parplys (links) und Prof. Dr. Kerstin Borgmann forschen am UKE an einer neuen Methode zur individualisierten Krebstherapie (Foto: UKE).

Dazu kann ich ganz konkret sagen: Das sieht schlecht aus. Im Verlauf meiner Ausbildung ist der Frauenanteil in der medizinischen Forschung immer weiter gesunken, je weiter ich gekommen bin. Von den 39 Instituten am UKE werden nur vier von Frauen geführt. Das ist schon sehr, sehr wenig!

Allerdings! Was können Institute tun, um Rahmenbedingungen zu schaffen, über die mehr Frauen für die Forschung zu gewinnen wären?

Es sind ja eigentlich recht viele Frauen in der medizinischen Forschung. Man(n) muss ihnen aber auch den Weg in Führungspositionen frei machen. Für zu viele Frauen geht es irgendwann nicht mehr weiter. Gerade beim UKE sehe ich natürlich auch Bemühungen. Es gibt zum Beispiel die sogenannten Ausgleichsstellen: Wenn sich eine Frau erfolgreich habilitiert hat, kann das Institut, indem sie gearbeitet hat, für zwölf Monate eine halbe Stelle für eine Wissenschaftlerin beim Dekanat anfragen. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Nachwuchs erhalten bleibt. Ich selbst habe über eine solche Stelle am UKE angefangen und in dieser Zeit meine Doktorarbeit geschrieben.

Frauenförderungsprojekte,  wie „Pro Exzellenzia“, die Frauen bei der Karriereplanung unterstützen, sind dabei besonders wertvoll.

Text: Wolfgang Wagner

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