Die Abschlussklassen der Ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier führten im Ernst Deutsch Theater bis zum 5.3. eigene Choreographien auf.

Sie sind sehr jung: Keine 20 Jahre alt. Sie sind hochbegabt: In der Ballettschule des Hamburg Ballett John Neumeier tanzen nur die Besten. Sie sind kreativ: Musik- und Kostümauswahl haben sie selbst getroffen und haben Choreografie, Licht und Bühnenbild eigenständig entworfen. Und sie treten sehr selbstbewusst auf: Sie wissen, was sie können, und strahlen die große Zuversicht aus, mit ihren Ideen begeistern zu können.

Der Eröffnungsabend am Ernst Deutsch Theater hat so manche Überraschung bereitgehalten. Etwa die gekonnte Moderation des Abends durch die Schüler selbst. Oder die große Vielfalt in den unterschiedlichen Choreografien, in denen unterschiedlichste Stile und Musikrichtungen aufgriffen wurden. Getanzt wurde zu Apocalyptica, Max Richter, Muse, Ludovico Einaudi und Hans Zimmer.

Unter den Beiträgen war auch eine choreographierte Lesung von Charlotte Kragh, die Satzzeichen durch verschiedene Schnalz- und Ploppgeräusche in die gesprochene Sprache überführte und parallel tänzerisch darstellen lies. Der humorvolle Vorschlag, auf diese Weise Missverständnisse in Alltagsgesprächen zu reduzieren, kam beim Publikum sehr gut an. Wenn sie eine deutsche Übersetzung gelesen hätte, wäre die Begeisterung aber sicher noch größer gewesen, denn leider sprechen eben nicht alle Menschen in Deutschland fließend Englisch.

Aufgeführt wurden am 27.2. die ersten zehn, von insgesamt 19 Choreographien, die in zwei verschiedenen Programmen jeweils dreimal zu sehen waren. Die Premiere mit dem zweiten Programm fand am 3.3. statt. In dieser zweiten Hälfte gab es auch drei umfangreichere Choreographien, bei denen die Schülerinnen und Schüler eindeutig einen ausreichend langen kreativen Atem bewiesen, um zu überzeugen.

In der zweiten Programmhälfte begeisterte besonders die Choreografie von Marcelo Ferreira zu Musik von Philip Glass: Seine gestaltende Hand war auf der Bühne sehr präsent, die Leinwand wurde als stimmungsgebende Farbfläche genutzt und der Tanz sehr reflektiert darauf abgestimmt, wie die Silhouetten der Tänzerinnen und Tänzer bei unterschiedlicher Helligkeit im Publikum wahrgenommen wurden. Nach rein ästhetischen Beurteilungskriterien war Ferreiras Choreografie vermutlich die gelungenste der 19 Arbeiten.

Wolfgang Wagner

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