Die Hamburger Schauspielerin und Sängerin Anna Schäfer (44), bekannt aus der Sat.1 Show „Knallerfrauen“, ist in den nächsten Monaten mit ihrem Kabarett-Programm „Der Mann in mir – muss der sein oder kann der weg“ auf Hamburgs Theaterschiff zu sehen. Wir sprachen mit der zweifachen Mutter über Geschlechterklischees, Emanzipation, überzogene Ansprüche an Mütter und Datingkultur.

 

hamburgwoman.de: Sie sind in Hamburg aufgewachsen, haben bei uns Schauspiel studiert und leben hier. Eine bewusste Entscheidung?

Anna Schäfer: Ich habe auch zwölf Jahre in Nordrhein-Westfalen gelebt und bin dann mit meiner Familie zurückgekommen. Wir haben auch darüber nachgedacht nach Berlin zu gehen. Dass es Hamburg wurde, war letztlich eine Herzensentscheidung.

Was mögen Sie an Hamburg?

Die Schönheit der Stadt, das Flair, die Nähe zum Wasser. Besonders mag ich auch, dass es vom Hafen her manchmal nach Kaffee riecht. Außerdem die Hamburger Frische. Keine Ahnung, wie das sein kann, aber hier entschädigt ein schöner Sonnentag tatsächlich für zwei Wochen Regenwetter.

Nun zu ihrem Programm: Was fasziniert Sie an der Idee, dass jede Frau auch eine männliche Seite hat?

Als Schauspielerin bin ich der Meinung, dass alle Menschen alle Möglichkeiten in sich tragen: Von böse bis gut, von männlich bis weiblich. Die verschiedenen Seiten und Charakterzüge sind aber in jedem unterschiedlich ausgeprägt.

Ich glaube es macht keinen Sinn das auszublenden oder zu behaupten, das wäre nicht so. Als Kind habe ich versucht, mit den männlichen Seiten meines Charakters meinem Vater zu gefallen. Ich habe lange gebraucht, um mich weiblich zu fühlen, habe mich aber auch manchmal für meine männlichen Züge geschämt. Es ist nicht leicht, das eigene Gleichgewicht zu finden. Je näher man daran kommt, desto stimmiger und erkennbarer wird man als Person, glaube ich.

Man kann einige Nummern aus dem Programm so verstehen, dass wir beim Daten oft auf eher irrelevante Aspekte fokussieren. Sie sind glücklich verheiratet. Haben Sie Tipps für Singles?

(Sie lacht). Oh mein Gott! Nein, ich glaube ich habe einerseits alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Andererseits ist aber letztlich alles gut gegangen. Man wächst ja mit seinen Aufgaben. Als ich den Vater meiner Kinder kennengelernt habe, war ich gerade frisch verheiratet.

Es muss also jede ihre eigenen Fehler machen, um glücklich zu werden?

Ich fürchte da muss jeder Mensch durch, ja. Das bedeutet aber nicht, dass man nichts riskieren sollte. Man braucht nicht immer vernünftig sein.

In Ihren Songs „Rabenmutter“ und „Ich will nicht schon wieder basteln“ parodieren Sie die überzogenen Ansprüche unserer Gesellschaft an junge Mütter. Ist diese Kritik eine Herzensangelegenheit?

Anna Schäfer - Foto Kom(m)ödchen.JPEG

War im Mai 2017 im Münchner TATORT „Die Liebe, ein seltsames Spiel“ zu sehen: Anna Schäfer. Foto: Kom(m)ödchen

 

In gewisser Weise schon. Das ist nicht anklagend gemeint. Ich stelle nur fest, dass dieses Problem nicht gelöst ist. Daran tragen auch wir Mütter selbst eine gewisse Schuld – vielleicht müssen wir mehr fordern, um patriarchale Strukturen zu überwinden. Denn die Erfahrung, dass die Welt vom männlichen Prinzip dominiert wird, sitzt immer noch sehr tief. Viele Frauen denken, sie müssten für gleichberechtigte Teilhabe wie Männer werden.

Haben Sie an sich selbst Klischees bei der Aufgabenverteilung bemerkt?

Wir machen den Haushalt zusammen. Aber auch für meinen Mann und mich war es bei der Fürsorge nicht leicht die Rollenmuster zu überwinden, die sich automatisch eingestellt haben, als unsere Kinder geboren wurden und ich erst einmal zu Hause geblieben bin.

Gleichberechtigung zu leben ist auf jeden Fall leichter gesagt als getan.

Zum Abschluss: An welchen neuen Projekten arbeiten Sie gerade?

Am 16. Oktober gibt es für das Musikprogramm „ANNA & der SWING KLUB“ ein TryOut im Uebel & Gefährlich. Die eigentliche Premiere soll aber erst 2018 stattfinden. Ich freue mich sehr darauf, denn es hat sich ein tolles Ensemble zusammengefunden. Etwa der Gitarrist und zweifache ECHO-JAZZ-Preisträger Giovanni Weiss. Oder der Trompeter Benny Brown, der regelmäßig bei der NDR Bigband zu Gast ist. Wir spielen Bekanntes und unbekannte Perlen aus den 20ern bis 40ern.

Text: Wolfgang Wagner

Foto: Bernd Brundert

 

Veranstaltungstipp:

Anna Schäfer: „Der Mann in mir“. Karten ab 30,75 € auf hamburg.de. Termine: 27.9., 28.9., 6.10., 7.10., 9.11., 10.11. sowie 13. und 14.1.2018. Jeweils um 19:30 Uhr.

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