Seit dem 17. Juli ist Oliver Sauer der neue männliche Hauptdarsteller für die 12. Staffel der ARD-Telenovela „Rote Rosen“. Wir sprachen mit dem Harvestehuder über seine neuen Herausforderungen in den „Roten Rosen“ und sein Leben in Hamburg.

Was war für Dich der Reiz, bei diesem Format mitzuspielen?

Das sind ein paar verschiedene Punkte. Ein großer Reiz ist, eine Figur über einen längeren Zeitraum zu begleiten und zu spielen. Das ist toll, weil es die Möglichkeit gibt, einen Charakter zu entwickeln und wachsen zu lassen.
Das ist das Schöne an einer Hauptrolle und auch an einer Rolle in einer Serie, die über längere Zeit geht.
Die zweite Herausforderung ist auf jeden Fall ganz sportlicher Natur – mit einer lebendigen Figur zu bestehen, weil dieses Format extrem schnelllebig ist.
Wir produzieren jeden Tag eine 50-minütige Folge, das bedeutet, für die Hauptrollen gibt es jede Woche zwischen 90 und 120 Seiten Text zu lernen.

Wir haben eben schon darüber gesprochen, dass Du so viel Text lernen musst – hast Du irgendwelche Tricks, wie Du Dir das merkst?

Nee. Ich habe überhaupt keine Tricks. Ich lerne den Text über das Lesen. Dann spreche ihn möglichst oft, damit er mir geläufig wird und beim Spielen nicht mehr im Weg ist. Aber mein Gehirn ist über die Jahre darin trainiert, dass ich mir gar keine Gedanken mehr darüber mache – das ist wie Laufen!

Was sind die Besonderheiten an der Serie?

Die Besonderheit ist natürlich der extrem intensive Produktionsrhythmus. Für eine Szene, die 1 ½ Minuten lang ist, haben wir 20-25 Minuten Zeit, dann muss sie im Kasten sein. Bei einer Vorabendserie arbeitet man an einer solchen Szene immerhin 3-4 Stunden.
Das heißt aber auch, dass wir die Szenen immer ohne Unterbrechungen durchspielen, was schön ist – man kann viel spielen.

Zu dem Format der Telenovela muss man natürlich auch ‚Ja‘ sagen  – man darf sich nicht distanzieren, sondern muss voll reingehen und sagen ‚Das mache ich‘. Die Geschichte ist immer wie ein Überraschungs-Paket – jede Woche kommen wieder 120 Seiten mit was Neuem auf einen zu. Die Aufgabe ist, die Rolle wirklich lebendig und spannend zu machen. Wenn mir das in in diesem Format gelingt, dann klopfe ich mir auf die Schulter. Das ist mein Ehrgeiz. Außerdem habe ich gute Kollegen, mit denen das Arbeiten Spaß macht – wir sind bereits jetzt ein tolles Team! Es geht sehr familiär zu bei „Rote Rosen“.

Ist das auch der Reiz einer solchen Serie – dass man über längere Zeit beschäftigt ist und drehen kann?

Es ist schon so, dass, wenn Schauspieler gebucht sind, sie für ihre Drehtage vergleichsweise viel Geld verdienen. Und in den Zeiten ohne Drehs, leben sie dann davon.
Und ja, es ist tatsächlich angenehm zu wissen, „okay, ich bin jetzt für 10 Monate mal fest im Vertrag“ – ganz normal mit Urlaubsanspruch und all diesen Sachen.
Eine Regelmäßigkeit zu haben, ist auch mal gut, so wie ein verbindliches Jahreseinkommen für kontinuierliche Arbeit. Momentan habe ich im Schnitt 4-5 Drehtage die Woche, meistens sind es 5. Darüber freue ich mich, denn unter realen Bedingungen hat man zwischen seinen Drehs häufig Phasen, in denen es kein Engagement gibt – das ist völlig normal.

Gibt es privat / charakterlich Ähnlichkeiten zu Deiner Rolle, mit denen Du Dich identifizieren kannst?

Ja, das mochte ich natürlich sofort an der Rolle des Lasse Petersen. Er ist durch und durch Künstler, wollte immer Fotograf werden und ist es dann auch geworden. Er hat sich in seinem Beruf etabliert, Erfolg gehabt und sogar Auszeichnungen bekommen. Dann erlebt er Traumatisches, was ihn dazu bringt, in einer für ihn ungesunden Art weiterzuarbeiten. Das hat ihn nah an einen Burn-Out gebracht. Als dann sein Vater in Lüneburg stirbt, wo Lasse ursprünglich herkommt, kehrt er zurück, um seinen Vater zu beerdigen, und bleibt. Er übernimmt den Kiosk des Vaters, den dieser 40 Jahre lang betrieben hat. Lasse ist eher ein Typ, der die Sachen mit sich selbst ausmacht. Das kenne ich gut, da gibt es eine Verbindung zwischen uns. Und als Künstler weiß er genau was er will. Auch das kann ich gut nachvollziehen. Außerdem finde gut, dass die Figur des Lasse eine eigene Geschichte bekommen hat, die ab der ersten Folge mit einfließt.

Ist es für dich leichter, Rollen zu spielen, bei denen Du Ähnlichkeiten zu Dir selber entdeckst?

Ja, unbedingt! Das ist das Erste, wonach ich intuitiv schaue: gibt es da eine Verbindung? Was ist der Kern der Figur, der mich anspricht? Ich brauche etwas, das mich dazu bringt, zu sagen ‚Da habe ich Lust zu!‘. Rollen, die ganz weit weg von mir sind, reizen mich aber auch

Du hast ja lange im Theater gespielt – würdest Du das nochmal machen wollen?

Zur Zeit schaffe ich es leider nicht, Theater zu spielen. Aber ich stehe gerne auf der Bühne und mache auch viele Lesungen. Allerdings nicht fest im Engagement, weil das doch sehr bindet. Theater hat manchmal einfach Priorität und man kann man nicht einfach sagen, dass man jetzt 3 Monate weg ist, um einen Film zu drehen.

Hast Du an einer von beiden Sachen mehr Spaß? Theater / TV oder gleicht sich das aus?

Es ist total schön, live vor Menschen zu stehen. Film ist jedoch das intimere Medium, finde ich. Beides hat unterschiedliche Qualitäten, beides macht Spaß. Beim Film gefällt mir sehr, dass man tiefe Nähe spielen kann, was im Theater so schlicht und einfach nicht möglich ist. Das funktioniert dann in anderen Formen.

Du wohnst ja jetzt schon länger hier in Hamburg…

Ja, ich bin irgendwann hierher gezogen. Erst habe ich meine Ausbildung in Hamburg gemacht und bin dann später, nach vielen Umzügen in diverse Städte, wieder nach Hamburg zurückgekehrt mit der festen Absicht, hier auch zu wohnen.

Warum gerade Hamburg? Was ist für Dich der Reiz an der Stadt?

Also ein ganz wichtiger Punkt: Hamburg ist eine Luft-Stadt. Alle betonen immer das Wasser und den Hafen – für mich ist Hamburg ganz stark eine Luft-Stadt. Und ich brauche Luft, um mich wohlzufühlen. Und die gibt es hier immer, egal, wo du bist und egal, wie heiß der Sommer ist. Die Stadt hat immer eine Luft-Bewegung.
Ich bin aufgewachsen in einer Gegend, in der es überhaupt keine Bewegung gibt, in Rüsselsheim. Da steht die Luft im Sommer, da bewegt sich nichts – das ist nicht meins. Dazu kommt natürlich: Hamburg ist eine schöne Stadt, hat viel Raum und ein Klima, das mir einfach zusagt. Das war tatsächlich ein wichtiger Grund für meine Entscheidung in Hamburg zu wohnen.
Und der Wunsch, irgendwo hinzuziehen mit der klaren Willen „hier lebe ich jetzt“ – was ich in all den Jahren zuvor nicht hatte. Ich habe immer gesagt „kein Problem, ich lebe halt da, wo ich arbeite“. Das war eine Veränderung für mich.

Hast Du Lieblingsorte in der Stadt?

Klar gibt‘s Lieblingsorte. Ich gehe gerne an die Elbe – Kinder, das ist doch immer wieder großartig! Die Strandperle habe ich irgendwie wiederentdeckt. Am Wasser ist es einfach toll. Ich mag auch den ganzen Alster-Bereich. Von meiner Wohnung aus einfach an die Alster laufen zu können, joggen zu gehen und das Wasser zu genießen, ist mir wichtig geworden, seitdem ich in Hamburg lebe.
Ich segle auch gerne. Hier kommen Wasser und Luft zusammen, was ich mag.
In Hamburg ist viel Luft und auch gute Luft. Das finde ich immer wieder – richtig viel gute Luft.

Text: Deborah Plachetka
Foto: Milena Kettner

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.