Michel Abdollahi ist die Koryphäe in der Hamburger Poetry-Slam Szene. Er moderiert Poetry Slams, die u. a. im Ernst Deutsch Theater und im Deutschen Schauspielhaus stattfinden und von seiner eigenen Veranstaltungsreihe „Kampf der Künste“ organisiert werden.

Redakteurin Valeska

Redakteurin Valeska

Ehrlich gesagt bin ich etwas aufgeregt vor dem Interview, da ich Herrn Abdollahi bis dato nur auf der Bühne erlebt habe. Mehrere Male habe ich miterlebt, wie er mit seinem Mix aus trockenem Humor und einer charmanten Selbstironie eine super Verbindung zwischen Publikum und Bühne geschaffen hat – zu Kosten einiger Besucher. Das klingt im ersten Moment unschön, ist doch aber das Besondere und für mich Hauptgrund, immer wieder die „best-of poetry-slams“ im Ernst Deutsch Theater zu besuchen. Während des Interviews merke ich aber schnell, dass er sich nicht über mich lustig machen wird und ich mich mit ihm gut unterhalten kann – über Theater, Beruf und sein soziales Engagement gegen Gewalt.

Was für Leute gehen zum „Poetry Slam“?
Früher war es ein separiertes Publikum, mittlerweile ziehen wir die breite Masse an. Kernzielgruppe sind Studenten, zwischen 20 – 30 Jahren. Es kommen aber auch von allen anderen Seiten verschiedenste Leute rein.

Michel Abdollahi legt Wert auf einen intensiven Kontakt zwischen Bühne und Publikum. Das schafft er mit einem Mix aus trockenem Humor und Selbstironie.

Michel Abdollahi legt Wert auf einen intensiven Kontakt zwischen Bühne und Publikum. Das schafft er mit einem Mix aus trockenem Humor und Selbstironie.

Inwieweit ist Poetry Slam Theater?
Früher stand man auf der Bühne und erzählte, was einen beschäftigt. Da es jetzt in großen Häusern wie dem Ernst Deutsch Theater oder dem Deutschen Schauspielhaus stattfindet und die Slammer wissen, wie viel sie erreichen können, müssen sie sich besser verkaufen. Die Performance, die sie mit ihren Stücken und Texten abliefern, sind perfekt ausgefeilte Choreografien. Das kommt einem Theaterstück schon näher.

Für viele junge Leute ist Theater altbacken, wird es durch Poetry Slam revolutioniert?
Das ist eine völlige Irrannahme. Es liegt an dem Überangebot an Aktivitäten und den Preisen. Eine „Slam“-Eintrittskarte ist viel günstiger als beispielsweise eine Faust-Aufführung und damit für junge Menschen bezahlbarer.

Mit seiner Veranstaltungsreihe "Kampf der Künste" ist Michel Abdollahi sehr erfolgreich.

Mit seiner Veranstaltungsreihe „Kampf der Künste“ ist Michel Abdollahi sehr erfolgreich.

Du bist nicht nur Moderator…
Zu 90% meiner Zeit bin ich Berufsmoderator, auch im TV. Den Rest der Zeit schreibe ich und übersetze (persische Lyrik) und nehme meine Pflichten als Vorstandsmitglied bei Zweikampfverhalten e.V. wahr.

„Zweikampfverhalten“ setzt sich gegen Gewalt unter Kindern ein.
Wir thematisieren verschiedene Facetten der Gewalt: Mobbing, verbale Gewalt, Gewalt gegen sich selbst und versuchen dort fein zu justieren. Zu uns kommen Kinder, die nirgends über ihre Probleme sprechen können, sozial benachteiligt sind, Aggressionen oder Sprachdefizite haben. Ich habe bereits viele Möglichkeiten, wie man von Gewalt wegkommt.

Die wären?
Wir arbeiten mit festen Kursen und durchlaufen verschiedene Module. Ein Modul besteht immer aus irgendwas und anderthalb Stunden Sport. Irgendwas kann Rhetorik-, Benimm- oder Flirttraining sein oder wir machen Ausflüge, z.B. in die Justizvollzugsanstalt, damit die Kinder sehen, wie es ist, dort zu landen.

Wie setzen sich die Kurse zusammen?
Aus staatlicher Jugendamt, privater Mannschaften oder schulischer Ebene werden Kinder bei uns gemeldet. Mit ihnen arbeiten wir vor Ort oder in unseren Veranstaltungsräumen.

Hast du in deiner Kindheit Erfahrungen mit Gewalt machen müssen?
Nein, gar nicht. Weder als Kind noch als Jugendlicher, denn ich war immer sehr nett. Ich bin Kampfsportler und hatte „die Gewalt“ beim Sport. Ich sehe es als Pflicht an, dass sich Menschen meines Schlags (Menschen der Öffentlichkeit) sozial engagieren. Das tun die meisten glücklicherweise auch!

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