Das Projekt „DISPLACED – Songs, that can‘t replace home“ will Amnesty International bei der Flüchtlingshilfe unterstützen. Produzentin Nicola Tyszkiewicz aus Rotherbaum hat dafür prominente Künstler von ihr ausgewählte Songs interpretieren lassen. Alle Erlöse werden gespendet.
Was war der Auslöser für das Projekt?
Nicola Tyszkiewicz: Es hat mich sehr bewegt, Tausende Menschen heimatlos durch die Gegend ziehen zu sehen oder Menschen, die in Zelten leben und Kinder zu erleben, die nicht in die Schule gehen können. Welchen Beitrag kann ich leisten, ihre Situation zu verbessern, habe ich mich gefragt. Aktuell, denn ich unterstütze schon seit Jahren Menschenrechtsprojekte, beispielsweise die Organisation von Peter Gabriel und habe auch schon in Hamburg geholfen Pakete zu packen und Kleidung zu sammeln. Das kann jeder tun. Ich befürchte aber, dass das aus Zeit- und Kostengründen nur wenige langfristig zu leisten imstande sind. Ganz anders als große Organisationen wie etwa Amnesty International, die auch in Hamburg vor Ort ist und hilft, eine gewisse Ordnung herzustellen und hilft, wo sie nur kann. Deren Arbeit wollte ich unterstützen. Mit einem Freund, dem Londoner Banker Florian Lahnstein, habe ich deswegen ein großes Projekt initiiert.
Hauptbestandteil ist das Benefiz-Album. Unter welchen Gesichtspunkten hast du die Künstler ausgewählt?
Da waren für mich zwei Aspekte entscheidend, zum einen sollten sie einen Migrationshintergrund haben und zum anderen sehr gute Sänger sein. Denn die Titel, die ich ausgesucht habe, sind schwer zu singen. Zum Glück kannte ich durch meine Arbeit alle Künstler schon und alle haben sofort zugesagt. (Pause) Ich wollte übrigens auch einen langsamen Song haben, auf dem nicht gesungen wird. Als Ruhepol in der Mitte des Albums. Dafür wollte ich den besten Instrumentalisten und das ist nun mal Till Brönner, deswegen ist er der einzige ohne Migrationshintergrund.
Und unter welchen Kriterien hast du die Songs ausgesucht?
Es sollten Lieder sein, die sich schon bewährt haben und die der Thematik angemessen sind, also nicht gerade mit Tod, Teufel und Verderben zu tun haben. In einem langen persönlichen Findungsprozess ist eine Mischung aus Klassikern ab den 20er-Jahren und Neuem dabei herausgekommen. Dann habe ich überlegt, welche Songs zu welchem Künstler passen können und ihnen drei genannt, aus denen sie sich einen aussuchen konnten. Das hat bei allen geklappt bis auf Jo Hamilton. Nach der gefühlt 500sten Mail schrieb ich ihr „Okay, lass es mit den Covern und schick mir einen eigenen Song“. Es kam „Calendar“ – fantastischer Singer/Songwriter-Folk.
Das war das Album. Was umfasst das Projekt noch?
Der Kontakt mit Flüchtlingen war uns auch wichtig. Deswegen ist ein Videoprojekt mit 20 Jungen und Mädchen entstanden, in dem sie ihre Geschichte erzählen, warum sie hier sind und wie sie hergekommen sind. Wir wollen ihnen damit ein Gesicht geben und sie so aus der riesigen anonymen Masse herausholen. Um zu sagen, dass noch nicht alles verloren ist und Hilfe möglich und sinnvoll. Diese kleinen Beiträge, die immer mit einem prominenten Musiker beginnen, der den Flüchtlingen symbolhaft seine Stimme leiht, haben wir auf unsere Facebookseite gestellt und werden sie auch auf einer gerade entstehenden Internetseite veröffentlichen. Die wird unseren Verein Dicplaced e.V., repräsentieren, den wir gründen mussten, damit die Erlöse zu 100 Prozent den Flüchtlingen zugutekommen. Würden wir direkt an eine Organisation spenden, würde ein gewisser Anteil der Gelder in der Administration verschwinden. Da wir alle ehrenamtlich arbeiten, passiert das bei uns nicht.
Woher kommt deine soziale Ader?
Ich habe schon immer gefunden, dass es uns verdammt gut geht und wir etwas zurückgeben können. Das tue ich diesmal eben im Rahmen meiner Möglichkeiten als Musik-Produzentin mit dem wirklich gelungenen Album und dem Verein. Und auch wenn mich das Projekt schon viel Geld und Zeit gekostet hat, ist es jeden Pfennig wert um Aufmerksamkeit zu schaffen und Geld zu sammeln. Es geht uns alle an und wer wegguckt, ist selber Schuld.
Das Album ist wirklich gut gelungen! Hast du schon ein zweites geplant?
Ja, ich habe auch schon viele Ideen. Etwa, dass ich vielleicht eines auf Deutsch produziere. Es ist aber noch alles offen, zumal ich mir wünsche, dass Leute, die sich das erste Album angehört haben, mir Vorschläge schicken, wen sie gerne dabei hätten. kw

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