Die Schweizer Jung-Regisseurin Bigna TomschinDie seit einem Jahr in Hamburg lebende Schweizer Regisseurin Bigna Tomschin hat beim Nachwuchs Filmfestival gewonnen! Wir sprachen mit der 24-Jährigen über Hamburg, die Filmszene der Stadt und neue Projekte.

„Nach meinem Studium wollte ich in eine Stadt weit weg von Zürich, wo aber immer noch Deutsch gesprochen wird. Hamburg fand ich schon immer toll! Jetzt bin ich seit fast einem Jahr hier und es gefällt mir sehr gut“, erzählt Bigna Tomschin über ihren Umzug von Zürich in den schönen Norden.

Angefangen zu filmen hat die Regisseurin bereits in ihrer Schulzeit. „Vor etwa acht Jahren habe ich angefangen, zu filmen. Zuerst ganz einfach mit einer kleinen Videokamera. Bei meinen ersten Projekten mussten alle meine Freunde mitspielen. Als ich herausgefunden habe, dass man Film sogar in meiner Heimatstadt studieren kann, war ich sehr froh“, erzählt sie weiter.

Ihr Abschlussfilm „Blue Blue Sky“ konnte einige Preise gewinnen. Beispielsweise kürzlich beim 26. Hamburger Nachwuchs Filmfestivals „abgedreht“ und zwar in der Kategorie Filme von Filmemachern ab 19 Jahren mit Hochschulhintergrund: „Das war ein ganz kleines Projekt. Ich habe das mit 6-7 Leuten gemacht, das war sehr unkompliziert und frei, es wurde auch viel improvisiert. Zu sehen, dass meine Idee rüber kommt und ich das ganz Kleine, das bei mir selber angefangen hat, so einem großen Publikum zeigen konnte – das war sehr schön.“

Es sei besonders spannend gewesen, Filme von jüngeren Filmemachern zu sehen. „Das abgedreht!-Festival richtet sich wirklich an junge Filmemacher, die waren teilweise von 5 bis 27 Jahre alt. Ich fand es sehr erfrischend, Filme von ganz jungen Leuten und Kindern zu sehen. Die haben noch eine ganz andere Ar, mit Themen umzugehen. Kurzfilme sind halt immer so kurz und da sieht man dann oft das gleiche wieder – die gleiche Dramaturgie, gleiche Figuren. Aber diese wirklich noch jungen Kinder kennen die Konventionen noch nicht und machen dann teilweise ganz neue und freakige Sachen. Das war irgendwie schön zu sehen“.

In ihrem eigenen Film geht es um ein kleines Mädchen, das sich in den Sommerferien in das Haus ihrer verstorbenen Großmutter zurückzieht. „Die erste Idee hatte ich, weil das Haus meiner Großmutter nach ihrem Auszug leer stand. Dieses Haus kenne ich schon seit meiner Kindheit und es war immer ein ganz spezieller Ort für mich. Als es dann so leer stand fand ich es interessant, dass es sich zu einem Zwischenraum verändert hatte – es war nicht mehr und noch nicht. Überall standen noch ganz viele Erinnerungen und ich fand die Stimmung interessant. Dort habe ich dann die Geschichte des kleinen Mädchens gefunden, das sich im Sommer auf der Suche nach den Fragen zu Leben und Tod in diesem Haus versteckt.“

Bei Kurzfilmen liege die Besonderheit darin, dass man sich einer bestimmten Stimmung widmen könne: „Es ist eine schöne Art, sich einem Zustand oder einer Stimmung zu widmen, die sich für einen 90-Minuten-Film vielleicht nicht tragen würden, weil man dann eine gewisse Entwicklung und Dramaturgie braucht. Bei einem Kurzfilm kann man sich einen ganz kleinen Themenbereich aussuchen und da einen spezifischen Blick drauf werfen. Dadurch kann man etwas Großes aus dieser kleinen Sache machen.“

Trotz ihrer Begeisterung für Kurzfilme plant die junge Schweizerin gerade ein Langfilmprojekt: „Ich schreibe im Moment an meinem ersten Langfilm, was auch einige Zeit dauern wird. Damit habe ich angefangen, seit ich in Hamburg wohne, hier kann ich gut dafür recherchieren. Der Film spielt im Leistungssportmilieu: Es geht um eine junge Schwimmerin, die beginnt, ihren eingeschlagenen Lebensweg anzuzweifeln. Es ist wieder ein wenig ein Stimmungsfilm, aber in einem ganz bestimmten Milieu, das viel Recherche erfordert. Hier in Hamburg habe ich die nötige Zeit und Inspiration dafür“.

Den nötigen Einstieg in die Filmszene der Stadt hat sie bereits gefunden: „Die Leute sind sehr offen! Es ist nicht so eine Szene, die niemanden mehr aufnimmt, weil sie sich schon komplett fühlt und keine neuen Leute dazu gewinnen möchte. Die Leute sind sehr herzlich und offen für neue Projekte und Ideen. Ich hoffe, das sich durch das abgedreht!-Festival auch noch mehr Kontakte ergeben. Meinen neuen Film würde ich auch gerne hier in Hamburg mit einer kleinen Produktionsfirma gemeinsam produzieren.“

 

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