Getuschel, Gerüchte, Gemeinheiten: Mobbing ist das gezielte Fertigmachen am Arbeitsplatz. Dabei gehen Frauen um einiges fieser vor als Männer. Mit gezielten Stichen und einem Kreativfeuerwerk an bösen Ideen. Wie kann man diesem Teufelskreis entfliehen?
Mobbing gegen Arbeitskollegen oder Untergebene ist keine Frage von Bildung. Das „Dissen“ geht durch alle Schichten hindurch. Intelligentere Mobber haben lediglich einfallsreichere Strategien, um unbeliebte Kolleginnen loszuwerden. „Gemobbt werden oft diejenigen, die neu im Job sind, noch Fremde im Team sind und kein eigenes Netzwerk haben“, sagt Madeleine zu Höner Siederdissen, seit zwölf Jahren als Kommunikations- und Konflikttrainerin selbstständig.
Zu ihr kommen viele weibliche Mobbing-Opfer, die mehr erlebt haben als die typisch weiblichen Mobbing-Methoden wie das Streuen von Gerüchten und Andeutungen hinter dem Rücken der Betroffenen. Weitere beliebte Variante, um die Kollegin fertig zu machen und ihre angebliche Inkompetenz zu beweisen: Sie halten gezielt Informationen vor und schneiden so das Mobbingopfer von der Informationskette ab. Dieses Mauern führt dazu, dass das Opfer seinen Job nur noch begrenzt ausführen kann.
Geradezu perfide war jedoch eine Idee, mit der zwei Frauen ihre neue Kollegin so schwächen wollten, dass sie den Job aufgibt. Sie streuten dem ahnungslosen Opfer über Monate ein Abführmittel in Getränke und Essen. Wochenlang kämpfte die Frau mit Magen-Darm-Problemen für die sie keinen Grund fand. Schließlich verschlechterte sich der Gesundheitszustand so dramatisch, dass sie in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Erst dort kamen die Ärzte den beiden Kolleginnen auf die Spur und das menschenverachtende Mobbing-Spiel mit dem Abführmittel flog auf. Madeleine zu Höner-Siederdissen weiß aus ihrer Erfahrung als systemischer Coach: „Frauen scheuen beim Mobben auch vor körperlicher Gewalt nicht zurück. Da wird geschubst und auch mal ein Fuß gestellt, um die Kollegin zu Fall zu bringen.“ Und Marit Zenk, Officemanagerin mit 20jähriger Berufserfahrung und Erfolgsteamtrainerin ergänzt: „Frauen mobben eher im Rudel und suchen sich erst einmal Verbündete. Dann versprühen sie ihr Gift von hinten durch die kalte Küche.“ Frauen als Opfer reagieren sensibler und nehmen sich die verbalen Angriffe sehr zu Herzen. Sie verzweifeln an sich selbst und suchen die Schuld bei sich. Männer dagegen agieren wesentlich pragmatischer und stellen sich als Schuldige nicht in den Focus.
Mobben Männer anders als Frauen? „Die machen das auf eine eher coole Art“, sagt Marit Zenk, die als Deutschlands 1. Secretary Coach tiefe Einblicke in die Schaltzentrale und zugleich Schnittstelle der Unternehmen hat. „Männer üben wie selbstverständlich täglich Kritik. Direkt, versteht sich. Männer dissen also eher nebenbei. Gerade Vorgesetzte lassen ihr Opfer am langen Arm verhungern.
Doch Mobbing ist keine harmlose Spielerei am Arbeitsplatz, sondern wird seit einigen Jahren strafrechtlich verfolgt. Die beiden Frauen, die ihre Arbeitskollegin mit Abführmitteln aus dem Job drängen wollten, wurden wegen vorsätzlicher Körperverletzung angezeigt. Mobbing ist überall dort, wo in einem Zeitraum zwischen drei und sechs Monaten gezielt diffamiert, schikaniert und ausgegrenzt wird. Das Gespräch mit einem Fachanwalt, einer Beratungsstelle oder dem Betriebsrat ist ebenso wichtig wie der offene Umgang des Mobbing-Opfers mit der Situation. In Aktion gehen statt wegzutauchen und auszuhalten ist die beste Gegenstrategie. Der Mobber sollte zur Rede gestellt werden und es sollte ihm aufgezeigt werden, dass sein Tun strafrechtlich verfolgt werden kann. „Mobbing-Opfer müssen handlungsfähig bleiben und sich wehren“, rät Madeleine zu Höner Siederdissen. Oftmals hilft auch ein vertrauensvolles Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen, um sich in dieser Allianz Unterstützung zu holen. Das Kartell des Schweigens muss durchbrochen werden. Letztlich gedeiht Mobbing aber nur in einer Arbeitsatmosphäre von Chefs, die diesem Verhalten keinen Einhalt gebieten. Deshalb darf nicht weggeschaut und weggehört werden, wenn das Getuschel und Gerüchtestreuen beginnt. Arbeitskollegen sollten sofort Einhalt gebieten und einschreiten, wenn andere im Team gemobbt werden. So lässt sich das fiese Fertigmachen gleich im Keim ersticken. Nicola Sieverling

Foto: Piotr Marcinski – Fotolia.com

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