Fahrradstadt Hamburg? Leider nicht!

Radler nutzen noch den Alsterweg: Auf der Fahrradstraße nebenan gab es schon Unfälle. Foto:

Radler nutzen noch den Alsterweg: Auf der Fahrradstraße nebenan gab es schon Unfälle.
Foto: www.mediaserver.hamburg.de / Roberto Hegele

Bis 2025 soll der Fahrradanteil in der Hansestadt auf 25 % ansteigen. Nach einem Besuch in Karlsruhe ist sich Redakteurin Milena Kettner nicht mehr so sicher, ob das klappen wird.

Hamburg wird Fahrradstadt? Das wurde ja vor kurzem vom Senat so wohlklingend beschlossen. Eine schöne Vorstellung, weniger Verkehr, weniger Abgase, dafür friedvolle Radler, die auf breit angelegten Radwegen sicher von A nach B durch die Stadt gelangen.

Doch bis es soweit ist, muss sich noch eine ganze Menge verändern, und ich spreche in erster Linie nicht von den schlechten oder nicht vorhandenen Radwegen. Die Wahrnehmung der Radfahrer als Verkehrsteilnehmer muss endlich in den Köpfen der Autofahrer verankert werden.

Fast jede Woche liest man eine Meldung über einen vom Auto angefahrenen Radfahrer. Man stumpft schon ab, ach schon wieder ein Radler schwer verletzt, tja und schon weitergeblättert. In Hamburg kann man damit nicht mehr schocken. Denn laut aktueller forsa-Umfrage passieren in der Hansestadt tatsächlich die meisten Fahrradunfälle! Und sowas will sich Fahrradstadt nennen.

Radfahren in Karlsruhe: gar kein Problem! Ein Traum für viele Hamburger.

Radfahren in Karlsruhe: gar kein Problem! Ein Traum für viele Hamburger.
Foto: KTG Karlsruhe Tourismus

Am Wochenende war ich in Karlsruhe, 4 Tage lang kreuz und quer auf dem Rad durch die Stadt – gar kein Vergleich! Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Man steht mit 10-20 anderen Radlern an der Ampel, es sind breite Radwege und extra Radhaltebereiche an den Ampeln vorhanden.

Und wo keine Radwege vorhanden sind, fährt man einfach auf der Straße mit – das funktioniert! Beispiel: Teilweise ist nur eine Fahrspur vorhanden, weil die Straße durch die Straßenbahntrasse geteilt ist. Und wenn ich auf der einen Spur fahre, fahren die Autos einfach in meinem Tempo hinter mir her, kein Gedrängel, kein Gehupe.

In Hamburg hätte ich schon längst einen wütenden Autofahrer hinter mir, der entweder dicht auffährt oder versucht sich trotz des geringen Platzes an mir vorbei zu quetschen. Man kommt trotz unzähliger Baustellen (U-Bahn-Bau) ohne Probleme von der Ost- in die Weststadt.

Mein erster Gedanke, als ich auf den Straßen Karlsruhes unterwegs war: Wenn es in Hamburg so viele Unfälle mit Radfahrern gibt, muss es doch dort bei der Menge an Radlern noch viel häufiger krachen, oder?

Ich frage meine Karlsruher Begleitung und er schüttelte nur den Kopf: „Das kommt so gut wie gar nicht vor“. Das überrascht mich nun doch ein bisschen. Er fügt hinzu: „Ich achte immer auf die Kennzeichen, Karlsruher wissen einfach Bescheid, bei auswärtigen Autos passe ich sicherheitshalber mehr auf“. Paradiesische Zustände!

Bis die Hamburger Autofahrer Radfahrer akzeptieren, wird es wohl leider noch eine ganze Weile dauern!

Milena Kettner

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