Frauen haben es in deutschen Unternehmen schwer, in Führungspositionen zu gelangen. HAMBURG WOMAN sprach mit Wirtschafts-Expertin Kristina Tröger über weibliche Karrierechancen.

Foto: Ulrich Tröger

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HAMBURG WOMAN: Sie sind nicht nur Chefin des Unternehmerinnenverbandes, sondern auch seit vielen Jahren selbst unternehmerisch tätig. Haben sich heute – im Gegensatz zu Ihrer Anfangszeit – die Karrieremöglichkeiten für Frauen geändert?
Kristina Tröger: Ja – ich bin Vorsitzende des Landesverbands Hamburg/Schleswig-Holstein des bundesweiten Verbands deutscher Unternehmerinnen. Mein Engagement im VdU ist mir sehr wichtig. Denn aus meiner eigenen Karriere ist mir bewusst, wie bedeutend ein Netzwerk für den beruflichen Erfolg sein kann. Mein Wunsch ist es, dass irgendwann das Thema „Frauen in Führungspositionen“ Selbstverständlichkeit ist. Zum Glück hat sich viel zum Positiven verändert, aber es gibt noch viel zu tun. Frauen begegnen heute in der Regel weniger Ressentiments, wenn es um die Führung eines bestehenden oder Gründung eines neuen Unternehmens geht. Doch ist es noch immer keine Selbstverständlichkeit, dass Frauen diese Positionen innehaben. Rollenvorbilder sind sehr stark in unserer Kultur verhaftet. Sie zu überwinden braucht Zeit.

Junge Frauen schreiben heutzutage die besseren Abiture, studieren etwa gleich häufig – nur ganz oben kommen sie noch viel zu selten an. So sagt man. Die Rede ist von einer gläsernen Decke (glass ceiling). Wie stark bzw. durchlässig ist diese 2014?
Wie wären ihre Auswirkungen zu verringern?
Das habe ich selbst zu Beginn meiner Karriere in einem Konzern erfahren und es hat dazu beigetragen, dass ich mich für die Selbstständigkeit entschieden habe, weil ich die letzte Stufe der Hierarchie nicht erklimmen konnte. Hier setzt seit einiger Zeit ein Umdenken in der Wirtschaft ein, und viele Unternehmen sind schon sehr bestrebt, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. Es muss selbstverständlich werden, dass Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Thema ist, das beide Elternteile betrifft und nicht einseitig zu Lasten der Frauen und ihrer Karriere gehen darf. Die Wirtschaft kann auf das Potenzial gut ausgebildeter Frauen nicht verzichten! Und das nicht nur wegen des Fachkräftemangels.

Über welche Eigenschaften müssen Frauen verfügen, um erfolgreich zu werden? Was raten Sie jungen Unternehmerinnen?
Von der eigenen Idee überzeugt zu sein und dieses Feuer auf andere zu übertragen, das macht eine erfolgreiche Unternehmerin aus! In der Regel sind Frauen hervorragend vorbereitet und haben einen detaillierten Businessplan. Aber: Sie brauchen generell auch Mut, z.B. bei der Beantragung eines größeren Kreditvolumens, damit das Unternehmen wachsen kann. Der Austausch mit erfolgreichen Unternehmerinnen in einem Netzwerk wie dem VdU kann dabei helfen.

Ein oft besprochenes Problem ist es, Karriere, Haushalt und vielleicht sogar noch Kinder unter einen Hut zu bringen. Welche Lösung würden Sie hier vorschlagen?
Das ist eine Herausforderung, vor der alle Eltern stehen. In Punkto Kinderbetreuung sind wir auf einem guten Weg. Doch brauchen wir auch weiterhin den flächendeckenden Ausbau von qualitativ hochwertigen Betreuungsangeboten, die auch zeitlich flexibel verfügbar sind. Dazu würde es helfen, wenn die Arbeitskultur in deutschen Unternehmen sich ein wenig mehr am skandinavischen Vorbild orientieren und z.B. Besprechungen nicht mehr nach 17 Uhr angesetzt würden.

Klischee oder Tatsache: Die Unternehmenskultur ist bei weiblichen Führungskräften anders.Stimmt das? Wenn ja, inwiefern? 

Der VdU hat 2013 seine Mitglieder befragt und die Ergebnisse mit einer männlich dominierten Vergleichsgruppe gespiegelt. Dabei kam heraus: Frauen führen anders – in Nuancen. Sie setzen andere Prioritäten: In frauengeführten Unternehmen rangiert Mitarbeiterbindung weit vor Boni und Dienstwagen. Hier werden flexible Arbeitszeitmodelle schon deutlich häufiger gelebt. „Soft skills“ führen den Weg, „hard profits“ sind dann das Ergebnis. Weitere Studien haben ergeben, dass Frauen von Natur aus langfristiger denken.
Unternehmensziele werden somit längerfristig angelegt. Das ist vor allem bei den Finanz- und Liquiditätsplanungen sichtbar.

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