Die Poppenbüttler Schauspielerin Marion Elskis liest die Novelle „Tatjana“ von Curt Goetz. Die hat es in sich, denn sie handelt von der Liebesgeschichte zwischen einem älteren Mann und einem jungen Mädchen. Trotz der Thematisierung dieses literarischen Tabus, gilt „Tatjana“ als einer der „schönsten Liebesgeschichten der deutschen Literatur“.

Hamburg Woman: Die Komödien von Curt Goetz werden mit denen von Bernhard Shaw und Oscar Wilde verglichen. In der Bevölkerung ist er aber trotz seines Erfolges „Das Haus in Montevideo“ kaum bekannt sein. Warum sollte er es aber sein?
Marion Elskis: Es gibt im deutschsprachigen Raum kaum einen Komödien-Autor, der solch eine Qualität hat, wie Curt Goetz. Seine Dialoge sind so geschliffen und komisch, jedes Wort sitzt. Er besteht auf jeden Fall den Vergleich mit Shaw und Wilde. In den 70er Jahren verschwand er von den Spielplänen und man versteht nicht warum. Die Curt-Goetz-Gesellschaft lässt seine Werke wieder aufleben und die werden beim Publikum sehr gut aufgenommen, sowohl bei den Älteren, als auch bei jungen Leuten.
Was fasziniert dich an ihm?
Seine großartige Sprache, sein intelligenter Humor, seine überraschenden Pointen und seine herrlichen Wortgefechte. Seine liebevolle Beschreibung der Menschen ist so facettenreich, dass seine Geschichten, obwohl sie in der Vergangenheit spielen, etwas Aktuelles und Unvergängliches haben. Wie viele gute, andere Klassiker auch.
Sowohl in „Tatjana“ als auch in „Die Tote von Beverly Hills“ – einem der größten Erfolge des Autors – geht es um die Beziehung „älterer Mann, jüngere Frau“. Weiß man, warum Curt Goetz das gleich zweimal thematisiert hat?
Es geht bei beiden Geschichten um außergewöhnliche Leidenschaften. Bei „Tatjana“ geht es sogar um eine außergewöhnliche Liebe, die tief berührt – ganz unabhängig vom Altersunterschied. Curt Goetz schrieb beide Geschichten im Exil auf seiner Hühnerfarm in Hollywood, während Hitler regierte. Vermutlich ging es ihm um Toleranz. Toleranz für eine außergewöhnliche Liebe. Und es ging ihm um die Freiheit der Kunst. Kunst muss Grenzen ausloten und manchmal auch überschreiten, sonst hätte Vladimir Nabokov ja auch seinen Welterfolg „Lolita“ nicht schreiben können. Der Roman basiert übrigens auf „Tatjana“, denn Nabokov war ein großer Fan von Curt Goetz.
Missbrauch von Kindern ist kein Kavaliersdelikt, Tatjana ist erst 13 Jahre alt, als sie den älteren Arzt kennenlernt. Trotzdem wird von einer der „schönsten Liebesgeschichte der deutschen Literatur“ gesprochen. Wie kann das sein?
„Tatjana“ hat nichts mit Missbrauch zu tun! Das darf damit gar nicht in Zusammenhang gebracht werden. Es geht um eine reine, echte Liebe von beiden Seiten. Tatjana ist ungewöhnlich frühreif, sie könnte auch 25 sein. Es ist ein bisschen, wie der berühmte Tatort „Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski.
Während der Lesung spielt Harald Burmeister Cello-Stücke. Stehen Sie in einem Kontext zum Buch?
Tatjana ist eine hochbegabte, leidenschaftliche Musikerin und Harald Burmeister spielt Motive aus den Werken, die in der Geschichte vorkommen, unter anderem Bach und Vivaldi.
Was fasziniert dich an der Geschichte von Tatjana?
Mich berührt die Geschichte aufgrund ihrer Reinheit, Klarheit und Romantik. Mich fasziniert der Sog, mit dem ich als Erzählerin mit meinem Publikum in diese Leidenschaft hineingezogen werde. Mich spricht das Thema „Kopf sagt nein, Bauch sagt ja“ an, so wie beim Hit von Mark Forster „Bauch und Kopf“. Mich begeistert die Tragik, die trotzdem mit Humor betrachtet wird und die Gänsehaut, die ich am Ende bekomme.

Termin-Tipps: Lesung „Tatjana“ von Curt Goetz mit Marion Elskis und Harald Burmeister am Cello:  6. April, 19 Uhr, Burg Henneberg, Marienhof 8,

Kartenreservierung über  www.burg-henneberg.de (Infos: 0170 / 999 5432)
22. April, 20 Uhr, Theater im Zimmer, Alster-chaussee 30, Tickets 18 € über Tel. 44 02 98

Beitragsbild: Privat

Text: Kai Wehl

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