Zwischen Kindheitserinnerungen, Rollenwechseln und dem optimalen Zeitmanagement: Ein Jahr nach Amtsantritt haben wir mit Britta Duah über ihren Job als Intendantin der Komödie Winterhuder Fährhaus gesprochen.

hamburgwoman.de: Seit einem Jahr sind Sie nun schon als Intendantin der Komödie Winterhuder Fährhaus tätig. Wie fällt ihr erstes Fazit aus?

Das erste Jahr war ein Jahr des Ankommens. Es sind zahlreiche Veränderungen auf mich zugekommen, die viel Kraft gekostet haben. Es war definitiv eine emotionale Zeit, aber jetzt kann ich sagen, dass ich angekommen bin. Wenn ich ein Fazit für dieses erste Jahr formulieren müsste, wäre es ‚Theater macht weiterhin Spaß.

Zuvor haben Sie 10 Jahre als Vertriebschefin am Winterhuder Fährhaus gearbeitet. Auf welchen Gebieten mussten Sie sich im Rahmen ihres Jobwechsels neu erfinden?

Neu hinzugekommen ist in erster Linie die repräsentative Dimension dieses Jobs. Man vertritt das Haus nach außen, kümmert sich um den Spielplan und macht sich darüber Gedanken, welche Stücke den Leuten gefallen könnten. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Stars wir an das Haus binden können. Dabei ist es wichtig, dass man sich gut kennenlernt und die Schauspieler davon überzeugt, kein TV-Angebot anzunehmen, sondern stattdessen hier auf der Bühne Theater zu spielen. Darin liegt die Herausforderung.

Ist es Ihnen denn schwergefallen, von heute auf morgen plötzlich das Gesicht der Komödie Winterhuder Fährhaus zu sein?

Bei den ersten Reden ging mir natürlich schon ganz schön die Düse, aber rückblickend habe ich mich unheimlich schnell daran gewöhnt. Vor einem wichtigen Auftritt ist man zwar jedes Mal aufs Neue positiv angespannt, aber als riesengroße Herausforderung sehe ich es nicht mehr.

Sie sind nicht nur Intendantin, sondern auch Mutter zweier Kinder. Zudem reiten Sie leidenschaftlich gerne. Wie gelingt es Ihnen, das alles unter einen Hut zu bringen?

Man braucht – und das gilt im Grunde für jede Frau – ein gutes Zeitmanagement. Der Tag hat 24 Stunden, von denen ich mindestens acht Stunden schlafe, um einigermaßen fit durch den Tag zu kommen. Den Rest des Tages teile ich auf nach Prioritäten. Ich habe keine festen Arbeitszeiten, bin aber grundsätzlich lieber früh hier im Haus. Wie lange ich dann bleibe, hängt letzten Endes von meinem Terminkalender ab. Alles andere wird um diese Pflichten herum gebaut.

Hatten Sie denn trotzdem schon einmal das Gefühl, dass Ihnen die Fülle an Aufgaben über den Kopf wachsen könnte?

Nein, überhaupt nicht. Wenn man etwas gerne und leidenschaftlich macht, dann kommt einem das nicht wie Arbeit vor. Natürlich bin ich nach einem 12-Stunden-Tag auch nicht mehr die Spaßkanone zuhause, aber man muss immer schauen, dass man die Balance findet. Und die finde ich dadurch, dass ich am Wochenende häufig auf dem Land bei den Pferden bin. Dort hole ich mir die Kraft, die ich für den Rest der Woche brauche. Grundsätzlich ist es ja auch so, dass man mit seinen Aufgaben wächst.

Sie sind die erste weibliche Leiterin  in der Geschichte der Komödie Winterhuder Fährhaus. Hat diese Tatsache einen besonderen Stellenwert für Sie?

Nein, absolut gar nicht. Im August bin ich seit 20 Jahren in diesem Unternehmen. In dieser Zeit hat es nie eine Rolle gespielt, ob ich nun eine Frau oder ein Mann, jung oder alt war. Für mich war es eher eine emotionale Entscheidung für das Team und auch für das Haus. Man kann ja auch feststellen, dass es längst kein Novum mehr ist, dass bedeutende Kultureinrichtungen hier in Hamburg von Frauen geleitet werden. Ich finde, Hamburg ist da schon ein sehr guter Vorreiter.

Redakteur Jonas Bormann traf Britta Duah zum Interview in Winterhude

Redakteur Jonas Bormann traf Britta Duah zum Interview in Winterhude.

Sie haben an der Komödie Winterhuder Fährhaus einst als Kassiererin begonnen und sind nun die Leiterin des Hauses. Haben Sie das Gefühl, dass sich durch Ihre Positionswechsel im Umgang mit Ihren Kollegen etwas verändert hat?

Im Team hat sich für mich nicht viel verändert. Wir sind immer noch alle per Du, kommen prima miteinander aus und können auch sonst gut miteinander arbeiten. Allerdings merke ich schon, dass mich plötzlich Leute auf Veranstaltungen grüßen, die ich zwar schon seit mehreren Jahren kenne – sie mich aber nie wahrgenommen haben, obwohl ich auch damals schon auf diesen Veranstaltungen zu Gast war.

Sie loben immer wieder die familiäre Atmosphäre an der Komödie Winterhuder Fährhaus. Inwiefern äußert sich diese für Sie?

Familie ist für mich nicht nur Mutter, Vater, Kind. Auch Freunde können Familie sein. genauso wie Kollegen, mit denen man emotional verbunden ist. Hier darf eben jeder frei seine Meinung sagen, wie es in einer  Familie der Fall ist. Ich versuche hier ein Klima zu schaffen, in dem jeder seine Meinung sagen darf, ohne dass er den jeweils anderen damit verletzt. Dazu kommt, dass wir generell sehr locker und herzlich mit unseren Schwächen umgehen und das ist es, was die Atmosphäre hier ausmacht.

Stichwort Familie: Welche Rolle spielt Kultur in Ihrem Privatleben? Nehmen Sie ihre Kinder hin und wieder auch mal mit in die Vorstellungen?

(überlegt). Kultur hat in unserem Familienleben einen normalen Stellenwert, würde ich sagen. Ich bin mit meinen Kindern immer schon viel in Museen und Ausstellungen gegangen, allerdings ebbt es bei meinem Sohn, der jetzt 15 ist, schon ein wenig ab. Da möchte ich auch nichts erzwingen. Meine achtjährige Tochter würde am liebsten jeden Tag hier sein, sodass ich sie eher bremsen muss. Wenn sie später mit 14 oder 15 ebenfalls andere Interessen hat, ist das aber auch völlig okay.

Ihre Mutter, Corinna Smolka, arbeitete von 1988 bis 1997 als erste Pressesprecherin der Komödie Winterhuder Fährhaus, weshalb Sie das Haus seit Kindesbeinen kennen. Haben diese Erinnerungen ihren Teil zu der emotionalen Bindung beigetragen, die sie bereits beschrieben haben?

Definitiv! Wenn ich hier durch das Haus gehe, fühlt es sich für mich so an, als wäre ich zuhause. Selbst wenn ich durch das Foyer laufe, erinnern mich die Gerüche an meine Kindheit. Natürlich bin ich dadurch emotional viel stärker mit diesem Haus verwoben. Es gibt sogar noch eine Mitarbeiterin, die hier in Teilzeit arbeitet, die ich noch aus meinen Kindheitstagen kenne. Es ist und bleibt eine emotionale Geschichte.

Interview: Jonas Bormann

Foto: Public Address/Stephan Hoyer

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