Die Schauspielerin Elisabeth Lanz streitet sich im Theaterstück „Die Wunderübung“ mit ihrem Mann vor einem Paartherapeuten. Sehr stereotypisch für eine Frau „erstickt“ sie ihn regelrecht im weiblichen Redeschwall. Er straft sie dafür mit Gefühlskälte. Ein Stück wie aus dem wahren Leben…

Wenn man sich die ganze Zeit auf der Bühne beschimpft, wird man da auch mal in echt sauer auf seinen Spielpartner?
Ich würde sagen, eher das Gegenteil …
… was, Mitleid oder Liebe?
Nein, es ist eher lustig. Denn durch den Streit entsteht auf der Bühne eine tolle Wachheit im Kopf und der schnelle Wortwitz macht so viel Spaß, dass man auch außerhalb des Stückes gut auf dieser Welle weiterreiten kann. Weiter seine Späße auf diese Art miteinander treibt. Schließlich werden viele Klischees bedient.
Welche denn zum Beispiel?
Stereotypen wie, die Frau spricht gerne über Gefühle, fragt den Mann und er schweigt. Das hat damit zu tun, dass Männer bekanntermaßen fokussiert und Frauen offen und empfangend sind. Und dabei geben wir Frauen es nicht auf, den Männern klarzumachen, wie wertvoll es ist, über Gefühle sprechen zu können und über das eigene Innenleben Bescheid zu wissen. Ein ewiges Thema.
Überdenkt man nach so einem Stück seine eigene Streitkultur?
Ja, jede Rolle, mit der ich mich auseinandersetze, überprüfe ich mit mir selber. In dem Fall war das so nicht nötig, weil ich mich viel mit Psychologie auseinandergesetzt habe. Außerdem finde ich, dass man Dinge zu Recht durchstreiten muss, das ist erforderlich, um eine eigne Haltung zu finden. Dabei muss es nicht immer laut werden, aber bitte lebendig.
Ist dies ein besonderes Stück für Sie, nur drei Personen auf der Bühne in einem intensiven Streit … ?
Ja, denn ich mag solche Stücke. Etwa auch „Virginia Woolf“ oder „Kunst“ von Yasmina Reza. Darin zerbricht eine Männerfreundschaft aufgrund des Erwerbes eines sehr teuren lediglich weißen Bildes an einem Prinzipienstreit. Es ist spannend, wenn anhand einer Kleinigkeit der ganze Charakter einer Person nach außen sichtbar wird. Plötzlich treffen Welten aufeinander und obwohl wirklich nur eine kleine Sache Auslöser war, geht es psychologisch sehr tief.
Ist „Die Wunderübung“ ein psychologisches Stück?
Ja, sicher.
Und wer gewinnt?
Die Liebe. (lacht) Denn eine Wunderübung – ein Trick des Paartherapeuten – sorgt für ein glückliches und lustiges Ende.

Das Stück ist bis zum 13. März in der Komödie Winterhuder Fährhaus zu sehen, mit Daniel Glattauer, Elisabeth Lanz, Peter Prager und Christoph Tomanek. Tickets ab 14€.

Kai Wehl

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