Die Wahl-Eimsbüttlerin KIDDO KAT wurde 2016 über Nacht berühmt. Zusammen mit Heidi Joubert hatte sie spontan „Kiss“ von Prince in einer S-Bahn gesungen. Das Video dazu wurde im Netz über 100 Mio. Mal angeklickt. Jetzt ist ihr erstes Album draußen.

Was sind 100.000.000 Klick im Internet wert? Das fragte schon der Focus 2016 und auch wir wollten es gut zwei Jahre nach dem Ereignis von der quirligen Wahl-Eimsbüttlerin wissen. „Man fängt nicht ganz bei Null an“, sagt die 27-Jährige lächelnd. „Ich habe meine Bookingagentur darüber kennengelernt und viele kennen meinen Namen.“

Rückblick: DAS ist passiert. KIDDO KAT hat auf einer Musikmesse in Frankfurt gearbeitet. Abends auf der Rückfahrt hat sie mit ihrer Kollegin Heidi Joubert in einer S-Bahn mit Gitarre und einer Cajón (Kistentrommel) ein cooles Kiss-Cover hingelegt. Ein Fahrgast steigt rappend ein – Party in der Bahn. Es entsteht ein Video, das weltweit über 100 Millionen Mal angeklickt wurde. Daraufhin gab sie Interviews für zahlreiche Radiostationen und Zeitungen und saß zusammen mit Heidi bei Markus Lanz in der Sendung.

„Es war ein unfassbarer Hype. Aber mir war – auch dank der Erdung meiner Bandkollegen Philipp Weihe und Robin Engelhardt – vom erstem Moment an klar, dass der in ein paar Wochen wieder abklingen wird.“ Und das tat er. Denn trotz dieses medialen Anschubs knallte die kurz zuvor erschienene EP „Why Am I So Funky“ nicht so richtig. Auch zu großen eigenen Konzerten reichte es trotz professioneller Hilfe nicht für KIDDO KAT, die seit dem Abi von der Musik lebt. Nicht schlimm, findet sie. „Ich nehme es niemandem übel, wenn er sich bei einem viralen Video nicht mit der Künstlerin befasst. Das tue ich auch nicht. Trotzdem war es ein Glücksfall.“ Denn so sei die EP und die eigene Tour immerhin so erfolgreich geworden, dass es ein „Weitermachen“ gab. Ergebnis:
„Piece Of Cake“. Dafür hat sich die Musikerin Zeit gelassen und viel Persönliches verarbeitet. Vor allem die Licht- und Schattenseiten ihres unerwarteten Ruhms. „Plötzlich weiß jeder, was für dich genau richtig ist. Es kommen die absonderlichsten Ratschläge. Und das Internet, das mich über Nacht bekannter gemacht hat, hat auch fürchterliche Nebeneffekte, wie beispielsweise den Perfektionswahn, der zu gefakten Selbstinszenierungen führt.“

Für KIDDO KAT ein Spagat, den sie versucht so gut es geht zu schaffen, ohne sich selbst zu verraten. „Man muss machen, was einem am Herzen liegt“, sagt die gebürtige Berlinerin. Eine Sache davon ist Straßenmusik. „Da bekommt man sofort Feedback.“ Wie auch bei ihrem Video zur ersten Single-Auskopplung „Million Miles“. Gedreht in Kapstadt, ohne festes Drehbuch. „Ich bin singend durch die Straßen gezogen, es haben viele mitgemacht und es hat richtig gegroovt!“ Entstanden ist ein cooler Sommerhit mit fröhlichen Menschen. Das kommt gut an, in kurzer Zeit gab es gut 60.000 Klicks bei YouTube. Kai Wehl

 

Aufmacherfoto: Niculai Constantinescu

Über den Autor

Hinterlasse eine Antwort