CRAFT BEER ist auch Frauensache!

Hamburger Diplom Sommeliére und beyond beer-Inhaberin Florentine Siemsglüss.

Hamburger Diplom Sommeliére und beyond beer-Inhaberin Florentine Siemsglüss.

Handwerklich gebrautes Craft Beer wird bei Frauen immer beliebter. Das liegt an seiner Fülle an Geschmacksnuancen – von herb über fruchtig bis süß. Was Craft Beer ist, warum Frauen gerne Pale Ale mögen und welches Bier zu welchem Gericht passt, das verrät uns die Hamburg Bier-Sommelière und beyond beer-Inhaberin Florentine Siemsglüss.

Der Verkauf von Craft Beer hat einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Wie erklären Sie sich das?
Florentine Siemsglüss: In den USA sowie Skandinavien und Großbritannien sprießen Craft Beer Brauereien seit mehreren Jahren aus dem Boden. Handwerklich gebraute Biere und die damit einhergehende Biervielfalt sind dort schon lange nicht mehr wegzudenken. In einem Bierland wie Deutschland war es daher nur eine Frage der Zeit, bis auch hier der nachhaltige Wunsch nach qualitativ hochwertigen Bieren entsteht. Der Verbraucher informiert sich heute sehr genau über die Produkte, die er konsumiert und nach den enormen Entwicklungen bei Kaffee, Fleisch aber auch beim Wein (Junge Wilde Winzer) hat nun auch beim Bier eine Entwicklung weg vom Einheitsbrei begonnen. Wir freuen uns über jeden Neuling in der Craft Beer Szene – je bunter desto besser.

Wie unterscheidet sich Craft Beer geschmacklich von industriellem Bier?
Der größte Unterschied liegt in der unermesslichen Aromen-Vielfalt, die Craft Beer bietet. Bei weit über 100 verschiedenen Bierstilen ist geschmacklich für jeden das richtige Bier dabei. Neben den bekannten Zutaten, Wasser, Malz, Hopfen, Hefe, werden oft weitere natürliche Zutaten wie Haferflocken, Roggen oder Weizen verwendet. Viele Brauereien gehen auch ganz neue Wege und reifen ihre Biere in alten Wein- oder Whiskyfässern, teilweise auch unter Zugabe von Früchten. Im Brauprozess werden zwar ähnliche Verfahren und Anlagen verwendet wie in der Industrie, der Prozess an sich wird jedoch deutlich in die Länge gezogen, um den Bieren –insbesondere der Hefe– mehr Zeit zum Reifen zu geben, was zu einer deutlich verbesserten Geschmacksbalance führt. Da Zeit Geld ist, wird der Herstellungsprozess bei den großen Brauereien gerne durch verschiedene Techniken beschleunigt, was das Bier nicht besser macht. Außerdem wird Craft Beer in der Regel nicht filtriert oder pasteurisiert. Die Biere sind dadurch deutlich gehalt- und geschmackvoller und man trinkt eher weniger als von einem blank filtrierten Industriepilsener.

Es gibt die unterschiedlichsten Biersorten. Können Sie unseren Leserinnen einen kleinen Einblick geben?
Am beliebtesten sind aktuell hopfenbetonte Bierstile wie Pale Ales und India Pale Ales, welche geschmacklich mit intensiven Fruchtaromen hervorstechen und einfach ganz neue und ungewohnte Geschmackserlebnisse versprechen. Daneben sind mit dem Beginn der kühleren Jahreszeit aber auch malzbetonte dunkle Bierstile wie Porters und Stouts, mit ihren röstmalzbetonten Aromen in Richtung Schokolade, Toffee und Kaffee, sehr beliebt. Aus unserem Nachbarland Belgien kommen weiterhin klassische und historische Bierstile, wie das pfeffrig-würzige belgische Saison oder mit Früchten vergorene Sauerbiere, welche sich insbesondere bei den Kennern großer Beliebtheit erfreuen.

In Supermärkten finden wir fast ausschließlich Pils-Sorten. Wieso?
Das Pilsener ist neben dem Hefeweizen der deutsche Klassiker. Von großen Konzernen gebraut, schmeckt es in der Regel recht ähnlich, stört nicht und kann von jedem in rauen Mengen konsumiert werden. Craft Beer polarisiert hingegen durch seine enorme Geschmacksvielfalt und bedarf einer gezielteren Beratung im Handel, sowie einer gewissen Experimentierfreudigkeit des Kunden. Craft Beer Brauereien provozieren bewusst mit extremen Bieren, um sich von der Industrie abzusetzen. Auch nach 30 Jahren Craft Beer in den USA liegt der dortige Markt bei „nur“ 10 % Marktanteil Craft Beer auf dem Gesamtbiermarkt. Craft Beer wird immer eine Nische bleiben, wenn auch keine kleine.

Wieso mögen so viele Frauen kein Pils?
Typisch für den Bierstil Pilsener ist meist eine deutliche Hopfenbitterness, die vor allem Frauen nicht so gern mögen. Viele Craft Biere sind zwar auch sehr hopfenbetont, können durch eine gezieltere Auswahl der Zutaten und insbesondere der Hopfensorten, die daraus resultierende Bitterness aber deutlich besser mit fruchtigen und malzigen Aromen kombinieren. Daher ist Craft Beer insbesondere auch für Frauen interessant, da es eben nicht dem Klischee Bier = Pilsener entspricht.

Welche Biersorten mögen Frauen im Allgemeinen am liebsten?
Fruchtige Pale Ales, die Aromen von tropischen Früchten beinhalten, sind äußerst beliebt. Aber auch belgische Biere, mit Kirschen oder Himbeeren, oder dunkle Biere wie ein mildes Porter, das deutliche Kakao und Zartbitteraromen enthält, kommen sehr gut an. Die Geschmäcker sind sehr verschieden und es ist schwer, Männer und Frauen zu gruppieren. Wir fragen lieber nach den individuellen Vorlieben der einzelnen Person.

Sie sprachen von Bier mit Himbeergeschmack. Wie ist so ein fruchtiges Bier zusammengesetzt?
Bei Bieren mit Himbeergeschmack kommt der Geschmack tatsächlich von frischen Himbeeren, die während der Gärung hinzugegeben werden. Bei der Gärung entsteht vor allem Alkohol und Kohlensäure, was dafür sorgt, dass sich die Himbeeren teilweise auflösen und so der fruchtige und säurebetonte Himbeergeschmack in das Bier übergeht.
Aromen tropischer Früchte wie Mango, Maracuja und Grapefruit lassen sich jedoch auch aus den im Hopfen enthaltenen ätherischen Ölen gewinnen. Hier werden meist keine Früchte zugegeben, sondern schlicht frischer Hopfen in großen Mengen verwendet. Bekannte Hopfensorten für tropische Früchte sind z.B. Cascade, Simcoe und Amarillo.

Wenn ich in den Craft Beer Store gehe, worauf muss ich beim Kauf achten?
Insbesondere als Anfänger ist eine professionelle Beratung wichtig. Craft Beer Brauereien wollen immer auch Grenzen ausloten. So kann es sein, dass man zwar ein Bier mit einem tollen Label (was auch wichtig ist) aussucht, jedoch geschmacklich in einem sehr extremen Bereich landet. Das verschreckt viele! Es ist besser, sich langsam an das Thema Craft Beer heranzutasten. Craft Beer bietet die Möglichkeit, eine lange und immer wieder aufregende Welt zu entdecken.

Mit welchen Bieren fängt man als Anfänger an?
Wir empfehlen mit leichteren, nicht zu geschmacksintensiven Bieren zu beginnen. Wer bisher nie etwas anderes als ein Pils getrunken hat, sollte nicht gleich zum Imperial India Pale Ale greifen. Ein leichtes fruchtiges Pale Ale oder ein mit amerikanischen Aromahopfen gebrautes Lager (Helles / Pilsener) eignet sich da deutlich besser für den Start. Wenn man hier eine Basis gefunden hat und einige verschiedene Brauereien getestet hat, kann man sich beruhigt auf neue ungewohnte Geschmackserlebnisse einlassen.

Wird das Craft Beer in Zukunft das Gläschen Wein ersetzen?
Aufgrund der enormen Geschmacksvielfalt und der Hochwertigkeit ist Craft Beer defintiv eine tolle Alternative zum Wein. In Kürze wird Craft Beer mit Sicherheit neben einer guten Weinkarte fest in ausgewählten Restaurants zu finden sein. Ersetzen wird es Wein sicherlich nicht und das ist auch gut so, denn es geht uns allen ja um Vielfalt und da ist ausreichend Platz für Wein und Craft Beer.

Haben Sie für folgende Gerichte eine passende Bierempfehlung?
Helles Fleisch, Pasta und Fisch: Es eignen sich Biere mit eher hellen Malzsorten. Hierzu zählen z.B. Pilsener, Helles Lager und Kölsch. (z.B. Buddelship Brauerei „Mitschnagger Pils“ / Kreativbrauerei Kehrwieder „Prototyp“ /Brauhaus Bevog „Deetz Kölsch“) Je nach Schärfe der Pasta bzw. Würze des Fleisches (etwa thailändische oder indische Küche) kommen aber auch sehr gut Pale Ales und IPAs in Frage (z.B. Heidenpeters Pale Ale / Hans Müller Sommelierbier „Backbone Splitter IPA“) . Mit ihren fruchtigen Noten und einer ingesamt intensiveren Aromavielfalt bieten Sie eine perfekte Ergänzung zu der Gewürzbetonten Küche Südostasiens und Indiens.
Rotes und sehr dunkles Fleisch: Es eignen sich Biere mit eher dunklen Malzen, welche eine gewisse Schwere mit sich bringen. Hierzu zählen Schwarzbier, Porter und Stout. (z.B. Buddelship Brauerei „Kohlentrimmer“, BRLO Porter, O’Haras Irish Stout)
Dessert: Je nach seiner Art und Beschaffenheit empfehle ich gerne belgische Bierspezialitäten, welche deutlich alkoholbetonter sind und eher einem Digestif ähneln. Insbesondere die sogenannten Dubbel aus den belgischen Trappistenbiere sind eine Besonderheit und lassen sich schön zum Abschluss eines Abends genießen. (z.B. Rochefort 6, Westmalle Dubbel, La Trappe Dubbel).
Generell kann man beim Bier wie beim Wein sagen, dass leichte, helle Speisen eher mit helleren Bieren einhergehen und deftige, intensive Speisen mit dunkleren Biere. Ausnahmen gibt es aber natürlich von dieser Regel.

BraukursGewinne CRAFT BEER
Zusammen mit beyond beer verlosen wir jeweils  2 CRAFT BEER-Adventskalender* und
2 Braukurse im Wert von über 700€. Sie möchten sich erst vorsichtig an CRAFT BEER herantasten? Kein Problem, für die Einsteiger verlosen wir zusätzlich 2×2 Tastings. Wer gewinnen möchte, schickt die Antwort bis zum 20.11. eine E-Mail mit dem Stichwort  „Adventskalender“, „Tasting“ oder „Braukurs“ an gewinnspiel@hamburg-woman.de.

Gewinnspielfrage: Welcher Inhaltstoff im CRAFT BEER ist verantwortlich für die Aromenvielfalt?

*Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt und können sich Ihren Gewinn abholen.

Valeska

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