Voller Lebensfreude und mit ihrem Lebensmotto „einfach machen“ im Gepäck präsentiert CÄTHE ihr neues Album „Vagabund“. Im Gespräch mit Redakteurin Valeska Fuhlenbrok verrät die selbstbewusste, erwachsen gewordene Musikerin, warum sie Hamburg fürs Erwachsenwerden gebraucht hat, was ihr am Herzen liegt und welche Zukunftspläne sie hat.

Reden wir über dein neues Album Vagabund. Du sagtest, dass du zu deinen Wurzeln zurückgekehrt bist und der emotionalen Wirkung nachgegangen bist, die die Woodstock Generation auf dich gemacht hat. Wie können wir das verstehen?
Erst mal ist es so, dass ich privat nur Platten höre. Alle meine Platten sind live eingespielt, sie sind eher traditionell als experimentell. Sehr bodenständig und trotzdem verrückt irgendwie. Ich möchte auch so eine Platte aufnehmen. Mit meinen Jungs ins Studio gehen und meine Songs live einspielen – ich bin sehr traditionell rangegangen.

Du gehst bei deinem dritten Album auf deine Ursprünge zurück. Wieso kommt das erst jetzt?
Naja, es kommt nicht erst jetzt. Es ist egal wann was kommt. Es geht darum, was es mir jetzt gibt, in dem Moment, in dieser Zeit. Und es gibt mir ein Gefühl von Geborgenheit. Ob ich jetzt beim vierten Album in die Berge fahre und nur was mit dem Klavier aufnehme – keine Ahnung! Ich hatte bei diesem Album das Bedürfnis auf den Punkt zu kommen. Meinem Witz, meinem Charme und meiner Direktheit viel Platz zu lassen, also textlich. (lacht)

Die Woodstock Generation hat dich von früh auf begleitet. Wie sehr lebt der Hippie in dir?
Ich bin ganz schöner Hippie, kann aber auch ganz schöner Proll sein, in dem ich mich kleinbürgerlich über Kleinigkeiten aufrege. Letztendlich will mein Herz, dass alle Menschen glücklich und frei sind. Das kommt dem Hippie wohl am nächsten.

Cäthe 2Was ist so dein Lebensmotto?
Einfach machen!

Welches von den Songs auf deinem neuen Album ist dein Lieblingssong?
Ich habe zu jedem Song eine ganz starke Bindung, weil sie alle aus mir rausgekommen sind. (lacht) Es sind sozusagen meine Babys! Vagabund und stille Demut lassen durch Metaphern tief in mich blicken. Müder Drache schildert, was in meinem Kopf vor sich geht, den ich immer wieder zu besänftigen und zu beruhigen versuche. Der Vagabund lebt praktisch in meiner Seele.

Du bist nach acht Jahren Hamburg nach Berlin gezogen und schreibst, dass du dort angekommen bist…
Ankommen tue ich immer wieder. Ich bin unterwegs und komme an überall. Und gerade bin ich in Berlin angekommen. Einfach an einem neuen Punkt in mir selbst. Das ich viel unternehme, meine Freunde um mich rum habe. Viele sind von Hamburg nach Berlin gezogen. Das war auch der Grund für den Umzug.

Was ist an Hamburg faszinierend? Was gibt dir Berlin, was Hamburg dir nicht geben konnte? (überlegt) Die Freundin meiner Mitarbeiterin ist gerade nach Hamburg gezogen, um Kunst zu studieren. Sie freut sich total auf Hamburg, weil sie hier runterfahren kann und sich wirklich auf das Studieren konzentrieren kann. Ich hatte acht Jahre in Hamburg, in denen ich erwachsen werden konnte. Ich habe die Zeit sehr gebraucht, um eine Art Balance in mein Leben zu bekommen. In Berlin ist zu viel Action, zu viel Trubel. Das hätte mich total zerrissen – in verschiedene Richtungen.

Was nimmst du mit aus deiner Hamburg Zeit?
In Hamburg herrscht eine Gelassenheit und Bodenständigkeit. Am Anfang, als ich nach Hamburg kam, dachte ich tatsächlich, dass sie mich nicht leiden können, weil sie einfach so kühl und eher zurückhaltend waren. Das hat sich schnell gelegt, als ich erfahren habe, dass sie mich zu ihrer Party eingeladen haben, wo nur zehn Leute eingeladen wurden. Man geht in Hamburg nicht so offensichtlich mit seinen Gefühlen spazieren.

Auf deiner Website steht, dass es dir immer um die Suche nach Glück geht. Wie definierst du Glück?
Das ist eine Riesenfrage, ey. Wie soll ich denn das beantworten? Oh mein Gott. Dankbar zu sein bedeutet für mich Glück. Wenn ich das Gefühl hab, ich spüre es, dass ich gerade dankbar bin, dann bin ich glücklich. Wenn ich merke, dass mein eigenes Leben und meine eigene Unfähigkeit, zu sehen was ich habe und was ich bin, verloren geht, dann bin ich unglücklich. Deshalb ist Dankbarkeit sehr nah mit dem Glück verbunden.

Das Leben ohne Ziel ist vagabundieren. Dein Album heißt Vagabund. Lebst du ziellos?
Natürlich nicht. Ich mache mir nur nicht mehr viele Gedanken darüber, was in zehn Jahren sein kann oder wie ich was wieder gut machen kann, was in der Vergangenheit liegt. Weil Vergangenheit ist Vergangenheit und alles was ich tun kann, ist im Hier und Jetzt zu sein. Das so zu leben wie ich es gerne möchte und als der Mensch, der ich bin. Das ist alles andere als ziellos, aber für unsere Gesellschaft ist das planlos. Ich habe keinen Masterplan, für alle Fälle. Damit habe ich kein Problem mehr, vielleicht wieder in 2 Jahren, aber jetzt nicht.

Deine Texte sind sehr autobiografisch Gibt es Inspirationsquellen, die für dich immer unerschöpfich bleiben?
Natürlich, das Zwischenmenschliche. Wenn ich in der Bahn sitze und eine Person neben mir sitzt, die mich einfach interessiert, obwohl sie kein Wort spricht, weil ich ihre Gesten, ihre Bewegung studiere. Nicht in dem ich hinschaue, sondern in dem ich da bin und neben ihr sitze, merke ich, dass mich das wahnsinnig interessiert, was zwischen Menschen passiert, auch wenn man die Sprache mal weglässt. Was über die Musik transportiert werden kann, das ist einfach unglaublich. Das grenzt schon fast ans mystische, das ist das Wunderbare an Musik.

Was sind deine Haupt-Inspirationsquellen?
Die Menschen, Die Natur, die Suche nach dem Sinn und die Lust am Machen. Am Schreiben und am Musizieren. 

Gibt es krasse Ereignisse, die dir ganz viel geben?
Ich denke schon, dass ein Künstler seine vier-fünf Bereiche oder Themen hat, die er sein Leben lang bearbeitet und das auf verschiedene Arten. Wenn man beim Schreiben bleibt, durchwandert man verschiedene Prozesse. Es ist wie ein Farbenspektrum. Eine andere Erzählweise. Ich glaube das jeder Künstler der schreibst, malt, musiziert seine bestimmte Themen hat. Meins ist definitiv das Zwischenmenschliche.

Wie würdest du deine Musik beschreiben?
Singer-Songwriter mit Einflüssen von Rock, Soul und ein wenig Elektro.

Bist du auch in anderen künstlerischen Bereichen aktiv?
Ich versuche es zumindest. Die Bildhauerei interessiert mich und ich habe angefangen zu modellieren. Das Schreiben interessiert mich an sich auch, eher Prosa. Ich habe aber auch gemerkt, dass ich Worte erst empfinden und fühlen kann, wenn ich sie singe.  Natürlich interessiert mich alles was mit Fortschritt zu tun hat. Fortschritt ist für mich ein Schritt in sich hinein und Kunst kann da eine Menge Türen öffnen.

Gibt es noch andere Projekte, die dir im Kopf rumschweben? Ich möchte gerne Pilgern. Ich lese ständig Berichte, dass jemand die Welt bewandert hat. Das finde ich so spannend. Da werde ich nicht drum rum kommen, dass ich das machen werde. Jetzt gerade nicht, aber das kommt noch. Ich würde gerne durch die Mongolei.
Warum?
Das kann ich gar nicht so genau sagen. Wenn ich Bilder sehe, habe ich das Gefühl ich möchte dort mal hin. Die Kultur erleben, den Menschen nah sein. Keine Ahnung was ich damit verbinde, vielleicht erfahre ich es, wenn ich da bin.

Welche Ziele hast du noch? Für die nächsten Monate, dass wir eine erfolgreiche Tour spielen. Das viele mein Album hören und kaufen und das ich durch viele Städte reisen kann mit meiner Musik.
Und langfristig gesehen?
Ein entspanntes, zeitreiches Leben mit Gemüsebeet.

Konzerttipp:  Am 08. November wird CÄTHE live im Mojo Club zu sehen sein.

 

Fotos: Thorsten Dirr

Valeska

 

 

 

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