Die Schauspielerin Marion Kracht (54) ist in der Komödie Winterhuder Fährhaus in dem Stück „Hundewetter“ zu sehen, das in Berlin spielt. Wir sprachen mit ihr vorab über den Perfektionismus, der Frauen unserer Gesellschaft oft abverlangt wird.

In dem Vierpersonenstück „Hundewetter“ von Brigitte Buc treffen drei sehr unterschiedliche Frauen, bei ihrer Flucht vor einem Unwetter, in einem Café aufeinander. Der überforderte Kellner sieht sich einer eskalierenden Konfrontation gegenüber. Vorstellungen vom 17. Mai bis zum 9. Juli. Karten: 14-38,50 € auf komoedie-hamburg.de

HAMBURG WOMAN: Wir Hamburger nennen unser Hundewetter „Schietwetter“ und leben damit quasi täglich. Haben Sie sich bei uns auch schon mal richtig vollregnen lassen?

Marion Kracht: Ja, wer nicht? (lacht) Ich habe viel in Hamburg gedreht, unter anderem „Diese Drombuschs“. Und letztes Jahr wieder im Winter, da war es sehr regnerisch. Wenn ich jetzt in „Hundewetter“ spiele, gibt es hoffentlich nur den produzierten Bühnenregen.

Ich sehe schon, Sie haben Ihre Hamburgtaufe lange hinter sich. Wir Hanseaten lieben unsere Stadt trotz Schietwetter sehr. Was schätzen Sie an Hamburg?

Ich finde die Stadt wunderschön, besonders die alten Häuser, die man sieht, wenn man spazieren geht. Beispielsweise in Winterhude, wo ich auftreten werde. Und natürlich die Nähe zum Wasser. Das macht ein besonderes Flair.

In „Hundewetter“ spielen Sie Helene, eine Geschäftsfrau und Mutter, nahe am Burnout. Sie selbst leben als Vegetarierin sehr reflektiert. Was haben Sie und Helene gemeinsam?

Ich glaube ganz viele Frauen, also auch ich, haben etwas mit Helene gemeinsam. Nämlich, dass sie versuchen, immer perfekt zu sein. Sie wollen die tollste Mutter und Ehefrau sein, aber auch im Job immer gut vorbereitet sein. Man versucht auf allen Gebieten sein Bestes zu geben und vergisst darüber oft sich selbst.

Im Stück prallt Helenes Lebensentwurf bei der Begegnung im Café mit zwei völlig anderen aufeinander. Braucht es eine solche Situation, um uns hinter unseren Handys hervorzulocken?

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Eine große Karriere: Ob Traumschiff, SOKO oder Rosamunde Pilcher, Marion Kracht hat überall mitgespielt. Foto: Dirk Bartling

Weil unsere Gesellschaft immer schnelllebiger geworden ist und man nach außen hin immer so tun muss, als würde alles prima laufen, entsteht um uns so eine Art Schale. Die kann in Extremsituationen aufbrechen. Und manchmal, wie im Stück geschildert, auch im Aufeinandertreffen mit Fremden. Man sollte meinen, so eine Öffnung geschieht gegenüber Freunden. Aber auch da glaubt man meist den schönen Schein wahren zu müssen. Im Stück ist das Implodieren dieses Scheins sehr gut geschildert. Dabei wird es viel zu lachen geben.

Finden Sie denn, dass die Mitglieder unserer Gesellschaft ihre Probleme oft verdrängen, wie es im Stück nahegelegt wird?

Ja, das sehe ich so. Das hat viel mit dem Druck zu tun, den wir alle in unserer Gesellschaft erfahren. Man hat Angst den Job zu verlieren, dass die Partnerschaft nicht funktioniert. Ängste und Unsicherheiten sind groß. Und je mehr Druck da ist, desto stärker wird verdrängt. Meine Figur Helene sagt am Ende: „Man nimmt viel zu viele Verpflichtungen an.“ Man muss lernen, die Angst loszulassen und durchzuatmen. Dann hat man wieder einen anderen Blick auf das Leben.

Steht bei den Konflikten zwischen den Frauen eine der Figuren im Vordergrund?

Nein, es ist eines der wenigen Stücke, in dem gleich drei großartige Frauenrollen drin sind. Deswegen macht es auch großen Spaß das zu spielen. Gerade weil alle Figuren so lebendig sind und so unterschiedliche Lebenskonzepte haben, sind die Identifikationsangebote an das Publikum sehr hoch. Man kann sich das anschauen und fragen: „Wie gehe ich denn mit den Dingen um?“ Oder: „Wie glaube ich, dass die Welt auszusehen hat?“

Mit welchem Argument würden Sie Menschen zu einer Vorstellung einladen, die sonst nicht ins Theater gehen?

Ich würde sagen, man darf nicht unterschätzen, dass es ein ganz anderes Erlebnis ist, die dargestellten Emotionen nicht auf einem Bildschirm zu sehen, sondern live mitzuerleben. Das ist für viele, die das nicht gewohnt sind, etwas Besonderes. Und das ist es, was den Flair von Theater ausmacht.

 

Marion Kracht hat zwei Kochbücher vorgelegt „Kracht kocht: vegetarisch-vegan“ (2015) und „Kracht kocht weiter: köstliche Anekdoten an vegetarischen und veganen Rezepten“ (2016). Signierte Exemplare der Kochbücher werden im Foyer der Komödie Winterhuder Fährhaus verkauft, auf Wunsch auch mit persönlicher Widmung. Beide Bände sind im Cadmos Verlag erschienen und kosten jeweils 19,95 €.

 

Text: Wolfgang Wagner

Foto: Moritz Hau und Michael Petersohn

 

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