Ausstellung: When we share more than ever

Heman Chong God Bless Diana, 2000-2004 Installation mit Postkarten | installation with postcards

Heman Chong
God Bless Diana, 2000-2004
Installation mit Postkarten | installation with postcards

Redakteurin Valeska

Redakteurin Valeska

Wie viele Fotos knipsen Sie am Tag mit Ihrem Handy und Ihrer Digital Kamera? Wenn ich in mein Fotoarchiv auf meinem Computer schaue, wird mir ganz schwindelig – unzählig viele Fotos von allen Möglichen Events, Personen oder schönen Dingen finden sich dort an. Unsortiert, unselektiert und leider auch oft unbeachtet. Gerade weil ich beim Fotografieren so verschwenderisch mit dem „Abknipsen“ umgehe, entstehen zu viele Fotos. Bei der Masse an Bildern vergeht mir schnell die Lust die Fotos ganz bewusst anzusehen. Eigentlich müsste ich, und das nehme ich mir jedes Mal fest vor, auf jede Foto-Session die Nachbereitung folgen, doch habe ich immer Lust und Zeit dafür? Wie geht es euch damit? Ich freue mich auf die kommende Ausstellung, die sich mit genau der Thematik, der modernen digitalen Archivierungsform beschäftigt und sie aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.
Im Rahmen der „Triennale der Photographie“ wird ab dem 19. Juni im „Museum für Kunst & Gewerbe“ die Ausstellung „when we share more than ever“ zu sehen sein:

Mehr denn je wird geknipst und digitalisiert – unzählige Aufnahmen sammeln sich auf Festplatten und in Clouds, werden im Internet geteilt und kommentiert. Portale wie Facebook und Flickr, aber auch professionelle Bilddatenbanken lösen jedoch nur andere, ältere Formen der Archivierung, des Transfers und der Interaktion ab. Seit ihrer Frühzeit Mitte des 19. Jahrhunderts dient die Fotografie dazu, visuelle Eindrücke festzuhalten, aufzubewahren und zu kommunizieren. Im Rahmen der Triennale der Photographie Hamburg 2015 widmet sich das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) den neuen Sammlungen und Gebrauchsweisen der Fotografie und denkt über das Teilen von Bildern nach. Die Ausstellung zeigt, wie der kontinuierliche und zunehmende Austausch digitaler Fotografien heute an die Geschichte des analogen Mediums anknüpft. In zehn Kapiteln beleuchtet die Schau ausgewählte Bereiche fotografischer Praxis, in denen das Sammeln und Teilen von Bildern eine Rolle spielte – und immer noch spielt. Sie zeigt über 200 historische Werke aus der Sammlung des MKG und stellt ihnen zwölf zeitgenössische künstlerische Positionen gegenüber. In ihren Arbeiten reflektieren die Künstler die Gebrauchsweisen der digitalen Fotografie und die Mechanismen und Auswirkungen der neuen Medien. Sie beschäftigen sich mit dem Internet als neuem Bildarchiv, mit neuen Bildersammlungen wie Apple Maps, mit Fotografien auf eBay oder mit dem Austausch von Bildern über Mobiltelefone. Ein wichtiger Aspekt ist auch die digitale Bildersammlung als Recherchequelle und Inspiration für die Gegenwartskunst sowie die Bedeutung der klassischen analogen Sammlung für die heute vielbeschworene Bilderflut. Die Ausstellung selbst ist als Archiv angelegt und reflektiert damit die möglichen Formen und Nutzungen eines solchen. Die Sammlungsexponate sind stellvertretend aus einem Bestand von rund 75.000 Fotografien ausgewählt und zeigen, wie sich fotografische Praktiken in der Sammlung des MKG niedergeschlagen haben. Im Unterschied zu einer auf Kunstfotografie ausgerichteten Sammlung spiegelt sie mehr den täglichen Einsatz des Mediums. Sie vereint unterschiedliche Verwendungsweisen, seien es im wissenschaftlichen Kontext entstandene Aufnahmen eines Instituts für Impulsphysik, die für Sisley entstandenen Modestrecke von Terry Richardson oder Max Schelers für den Stern fotografierte Reportage über die Clubszene in Liverpool.

Die Kapitel „Sharing a Portrait“, „Sharing a Group“, „Sharing Memories“, „Sharing a Product“, „Sharing Lust“, „Sharing Evidence“, „Sharing Knowledge“, „Sharing The World“, „Sharing a Collection“ und „Sharing Photographs“ beleuchten mit ihren Gegenüberstellungen von historischen und aktuellen Arbeiten, wie sich Gebrauch und Funktion fotografischer Bilder gewandelt haben, und welche Aspekte trotz der digitalen Revolution unverändert geblieben sind. Die Ausstellung beginnt mit den auf den Menschen bezogenen Verwendungsweisen der Fotografie: ein Leben aufzeichnen, Gemeinschaftsgefühl erzeugen und Erinnerungen teilen. Weitere Kapitel
behandeln angewandte Kontexte, zeigen Fotografien, die für die Werbung entstanden sind, erotische Fotografie, Bildjournalismus, wissenschaftliche Fotografie und Reisefotografie.

When We Share More Than Ever
19. Juni – 20. September 2015
im Museum für Kunst & Gewerbe

Hanns-Jörg Anders Unruhen in Nordirland | Riots in Northern Ireland, 1969 Silbergelatineabzug | gelatin silver print, 25,8 x 38,8 cm

Hanns-Jörg Anders
Unruhen in Nordirland | Riots in Northern Ireland, 1969
Silbergelatineabzug | gelatin silver print, 25,8 x 38,8 cm

Doug Rickard 95zLs, 2012, aus der Serie | from the series N.A., 2011-2014 Archival Pigment Print Courtesy Yossi Milo Gallery, New York

Doug Rickard
95zLs, 2012, aus der Serie | from the series N.A., 2011-2014
Archival Pigment Print
Courtesy Yossi Milo Gallery, New York

rechts: Ai Weiwei 16. Juni | 16 June, 2014 auf Instagram gepostetes Foto | photo posted on Instagram Courtesy Ai Weiwei Studio links: Ai Weiwei 30. Januar | January 30, 2015 auf Instagram gepostetes Foto | photo posted on Instagram Courtesy Ai Weiwei Studio

rechts: Ai Weiwei
16. Juni | 16 June, 2014
auf Instagram gepostetes Foto | photo posted on Instagram
Courtesy Ai Weiwei Studio links: Ai Weiwei
30. Januar | January 30, 2015
auf Instagram gepostetes Foto | photo posted on Instagram
Courtesy Ai Weiwei Studio

rechts: Laia Abril Tediousphilia, 2014 Video, 4 minutes 8 seconds links: unbekannt | unknown Wissower Klinken, Photochrom Zürich, 1890 Photochromie | photochromic print, 16,5 x 22,2 cm

rechts: Laia Abril
Tediousphilia, 2014
Video, 4 minutes 8 seconds links: unbekannt | unknown
Wissower Klinken, Photochrom Zürich, 1890
Photochromie | photochromic print, 16,5 x 22,2 cm

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