Andrea Sawatzki kennt man eigentlich als eine der vielseitigsten Schauspielerinnen der deutschen Filmszene, sei es als toughe Tatort-Kommissarin oder komödiantisch als charmante Hausfrau in der „Bella“-Filmreihe. Vor zwei Jahren hat Andrea Sawatzki noch mal neu angefangen und Ihr Debüt als Autorin gegeben. Nun bringt Sie mittlerweile schon Ihren vierten Roman heraus! Am 07. November stellt Sie ihr Werk „Der Blick fremder Augen“ im Rahmen des Hamburger Krimifestivals auf Kampnagel (www.krimifestival-hamburg.de) vor. Mit uns sprach sie über ihren neuen „Job“!  

 

War es schon immer Ihr Traum zu Schreiben oder hat sich der Wunsch erst in den letzten Jahren entwickelt?

Das hat sich erst vor ungefähr 3-4 Jahren entwickelt. Da hatte ich auf einmal das Bedürfnis, einige neue Sachen auszuprobieren.  Das Singen und das Schreiben. Das lag auch daran, dass unsere Söhne jetzt schon grösser sind. Und so ist dann 2013 der erste Roman „Ein allzu braves Mädchen“ entstanden.

 

Nach dem ersten Roman jetzt wieder ein Krimi, was fasziniert Sie an diesem Genre?

In  „Der Blick fremder Augen“ hat mich interessiert, wie jemand, der auf seine Mitmenschen absolut normal und unauffällig wirkt, von einem Tag auf den anderen die grauenhaftesten Taten begehen kann. Ein Mensch, dem man niemals so etwas zugetraut hätte. Mich fasziniert der Blick hinter die Fassade. Ich versuche keine Verständnis für Taten hervorzurufen, sondern ich möchte ergründen, wie es dazu kommt, wie der Weg dorthin aussieht.

 

Verraten Sie mir wie Sie schreiben? Ziehen Sie sich für Wochen ins stille Kämmerlein zurück oder haben Sie besondere Rituale in Ihrem Schreibprozess?

(lacht) Ne, das wäre schön, habe ich gar nicht! Es ist immer Chaos! Ich schreibe zwischen Tür und Angel, immer wenn ich 1-2 Stunden Zeit habe. An manchen Tagen schreibe ich auch gar nicht. Allerdings schreibe ich schnell. Bei diesem Buch hatte ich im Dezember die Idee und im April die erste Fassung fertig. Habe  eben nebenher noch gedreht und da sind natürlich die Kinder, die Hunde und mein Mann! Druckfertig war das Buch dann Anfang Juni.

 

Wie Sie grade selber sagen, machen Sie sehr viel, Filme drehen, Bücher schreiben, Hörbücher sprechen, die Familie etc. Was machen Sie denn zur Entspannung, wenn mal wieder alles etwas zu viel geworden ist?

Am liebsten bin ich dann zuhause, bei der Familie. Ich gehe dann viel spazieren mit unseren Hunden, bin im Garten. Was mich auch entspannt ist, wenn wir Freunde hier haben und schön kochen, ganz normal eben!

 

Wie gehen Sie denn mit Kritik um? Lesen Sie so etwas?

Weniger. Mir ist die Resonanz des Publikums wichtiger. Lesereisen sind klasse! Oder Liederabende. Es gibt aber Freunde, die mir Links schicken, allerdings nur von den positiven Kritiken (lacht). Und wenn ich zufällig auf eine schlechte Kritik stoße… da gilt: Am besten gleich vergessen. Manchmal steckt hinter einer Kränkung auch nur eine persönliche Abneigung gegen den Künstler. Da kann man eh nichts machen…

 

Die Filmrechte an Ihren Büchern sind ja auch schon vergeben und zum Teil schon abgedreht…

Ja, meine erste Komödie „Tief durchatmen, die Familie kommt“. Die läuft am 21. Dezember im ZDF und ist sehr schön und sehr böse geworden. Das war mir sehr wichtig , dass der schwarze Humor nicht verloren ging. Ich spiele in dem Film die Hauptperson Gundula Bundschuh, die zu Weihnachten Besuch von der ganzen Familie bekommt. Was natürlich im bunten Chaos endet. U.a. spielt Axel Milberg  meinen Ehemann und Uwe Ochsenknecht ist der Therapeut. Wenn alles klappt, können wir im Februar mit der zweiten Komödie „Von Erholung war nie die Rede“ weiterdrehen. In der wird die Geschichte der Familie Bundschuh weitererzählt. Das Drehbuch steht schon!

 

War es denn für Sie etwas anderes Ihre eigene Rolle zu spielen im Gegensatz zu anderen Rollen?

Nicht wirklich, es war total spannend die ganze Familie Bundschuh um mich zu haben, die ja in meinem Kopf geboren wurde. Das ist ganz merkwürdig, ich sehe die Figuren immer ohne Gesichter, wenn ich schreibe. Und dadurch bin ich bei der Besetzung auch ganz offen gewesen und bei allen richtig positiv überrascht, weil die Schauspieler so toll sind. Alle hätten übrigens Lust auf eine Fortsetzung. Das ist super!!! Jetzt brauchen wir nur noch eine gute Quote.

 

Sie und Ihr Mann sind ja schon sehr lange zusammen und wirken in der Öffentlichkeit immer noch so glücklich, haben Sie ein Geheimrezept, das Sie uns verraten können?

Das werde ich ganz oft gefragt, da hab ich leider kein Rezept. Ne, es passt einfach, wir haben einfach verdammt viel Glück gehabt!

 

Jetzt kommt ja die Lesereise, gibt darüber hinaus schon Pläne?

Genau, seit dem 01.10. bin ich auf Lesungen unterwegs, Buchmesse, Krimifestivals etc. Parallel drehe ich grade noch einen Film für das ZDF , auf den ich mich sehr freue. Er heißt „Der Geruch der Schafe“ über eine arbeitslose, total verschuldete Schauspielerin, die versucht, über das Coachen von Pfarrern zu Geld zu kommen – nach einer wahren Begebenheit. Glücklicherweise drehen wir in Berlin, da kann ich denn abends immer nach Hause, zur Familie und kochen. Dann hoffe ich sehr, dass es dazu kommt, dass wir die beiden Thriller auch verfilmen dürfen!

 

Würden Sie denn gerne bei beiden auch selber mitspielen?

Also es gibt bei beiden Thrillern eine wichtige weibliche Figur. Bei dem „allzu braven Mädchen“, also dem ersten Buch, ist es eine Psychiaterin, die in meinem Alter wäre, die Hauptfigur ist ja 24, genau wie bei dem jetzigen Roman.  Beim „Blick fremder Augen“, wäre meine Lieblingsrolle die Kommissarin Fallersleben. Eine Fortsetzung mit Kommissarin Fallersleben ist für den Verlag schon geplant. Und ich arbeite bereits am dritten Teil der Familie Bundschuh. Aber das Schreiben ist schon manchmal mühsam, drehen fällt mir auf jeden Fall leichter!

 

Zu guter Letzt, haben Sie eigentlich eine Verbindung zu Hamburg?

Hamburg ist eine schöne und spannende Stadt. Ich hab früher allerdings viel mehr in Hamburg gedreht, unter anderem „Die Affäre Semmeling“ damals mit Dieter Wedel und meinem Mann zusammen. Das war klasse. Ich mag Hamburg, auch die Art der Menschen, so höflich. Etwas distanziert, aber das gefällt mir. Diese fast schon englische Art…. Beeindruckend finde ich auch die Nähe zum Meer und den Wind. Es ist aber auch schön, wenn man denn wieder in die ruhigeren, windstilleren Gefilde zurückkehren kann! (lacht)

 

Sawatzki, Der Blick fremder Augen

Andrea Sawatzki, „Der Blick fremder Augen“, Droemer Knaur Verlag, 320 Seiten, 19,99 Euro.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Milena

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