Katja Suding: Alleinherrscherin

Entwickelte sich vom "Maskottchen" zur umstrittenen Machtpolitikerin: Katja Suding. Foto: Patrick Lux / FDP

Entwickelte sich vom „Maskottchen“ zur umstrittenen Machtpolitikerin: Katja Suding.
Foto: Patrick Lux / FDP

Früher wurde Katja Suding als hübsche, aber harmlose Politikerin belächelt, heute hat sie in der Hamburger FDP eine bisher selten erreichte Machtfülle angesammelt. Doch der Partei laufen Mitglieder und Wähler davon. Ist die 38-Jährige immer noch die Hoffnungsträgerin der FDP – oder setzt sie deren Zukunft aus Machtgründen aufs Spiel?

Symptomatisch für Katja Sudings anfängliches Image ist ein Text der BILD-Zeitung vom 20. Februar 2011. In der nur 600 Wörter langen Meldung wird ganze siebenmal die berückende Schönheit der Politikerin gepriesen und sie am Ende mit gewohnter Subtilität gar als „die schärfste Waffe der FDP“ tituliert. Man hätte denken können, die Frau, die im Friesennerz auf Wahlplakaten posierte und lächelnd zum positiven Denken aufforderte, sei eine Art freundliches Maskottchen ihrer Partei. In der Tat war die in Vechta geborene PR-Beraterin nahezu unbekannt, bis sie 2011 für viele überraschend Spitzenkandidatin ihrer Partei bei der Bürgerschaftswahl wurde. Noch überraschender: Mit ihr erreichte die FDP erstmals seit zwei Legislaturperioden wieder den Einzug in die Bürgerschaft. Katja Suding eroberte sogar ein Direktmandat. In den Folgejahren zeigte sie, dass die „schöne Spitzenkandidatin“ auch politisch etwas kann. Ihr gelang es, der notorisch zerstrittenen Hamburger FDP sogar so etwas wie Oppositionsarbeit abzuringen. Auch prominente FDP-Mitglieder wie der Schauspieler Sky du Mont sprachen ihr öffentlich ihre Bewunderung aus.

Die „schärfste Waffe der FDP“?
Was schließlich aber die Schlagzeilen dominierte, waren die Kämpfe, die Katja Suding mit einigen Mitgliedern der alten FDP-Garde ausfocht – allen voran die damalige Landesvorsitzende Sylvia Canel. Dabei ging es nur vordergründig um politische Standpunkte – Suding wird eher eine wirtschafts- und Canel eine sozialliberale Richtung nachgesagt – sondern vor allem um Machtspiele. Selbstverständlich wurde in vielen Medien der Streit zum „Zickenkrieg“ verniedlicht. Man übersah, dass Suding in diesem Konflikt zeigte, was für eine Machtpolitikerin sie (geworden) war. Sie drohte Canel, selbst nicht mehr anzutreten, wenn diese sich für die Bürgerschaft bewerbe. Ein cleveres Manöver oder knallharte Erpressung?
Canel gab ihr Amt ab und verließ die Partei – im Gespräch mit uns beklagte sie sich nach ihrem Austritt über Kungelei: „In Parteien bilden sich so feste Seilschaften, dass sie neue Leute und neue Ideen kaum noch durchlassen.“
Sylvia Canel war nicht das einzige prominente Hamburger FDP-Mitglied, das der Partei den Rücken kehrte. Ihr kommissarischer Nachfolger Dieter Lohberger warf wenige Wochen nach Amtsantritt hin und beschuldigte Suding ebenfalls, die Demokratie der Partei beschädigt zu haben. Mit einer „Liste des Vertrauens“, ausgearbeitet von einem Kreis um Suding, sollten ihr genehme Kollegen für die Bürgerschaft zusammengestellt worden sein, um diese auf der Landesvertreterversammlung wählen zu lassen. Wer nicht auf der Liste stand, solle demnach kaum eine Chance gehabt haben. Auf dem Parteitag Anfang November ließ sich Katja Suding auch noch zur Landesvorsitzenden wählen. Damit vereint sie so viel Macht in ihrer Person wie schon lange niemand mehr in der Hamburger FDP. Kann die Partei noch froh sein, dass sie eine Katja Suding hat?
NDR-Rathausjournalist Jürgen Heuer sagt ja: „Katja Suding ist der absolute Star der FDP. Sie sieht nicht nur gut aus, sie hat sich auch zu einer guten Politikerin entwickelt. Deshalb setzen die Liberalen jetzt zu Recht alles auf eine Karte. Nur mit Suding kann der Partei der Wiedereinzug in die Bürgerschaft gelingen.“

Alles auf eine Karte
Anders sieht das Ernst Mohnike, Vize-Bezirksvorsitzender aus Bergedorf: „Diese Zuspitzung auf eine Person ist das Problem. Eine liberale Partei lebt vom Wettbewerb der Meinungen. Bei Frau Suding weiß ich nur, dass sie wieder in die Bürgerschaft will. Zu liberalen Punkten aber habe ich von ihr gar nichts gehört.“
Nach einem Verbleib in der Bürgerschaft sieht es momentan selbst mit Katja Suding nicht aus. Umfragen sehen die Partei deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Welche Konsequenzen eine Niederlage für die Karriere der Politikerin hätte, die einige schon an der Seite von Christian Lindner in der Bundespolitik sahen, ist fraglich. Jürgen Heuer: „Sollte die FDP an der 5%-Hürde scheitern, wird Frau Suding die Verantwortung dafür übernehmen müssen. Ob sie das prädestinieren würde, anschließend in die Bundespolitik zu gehen, ist eher unwahrscheinlich. Aber möglich ist bei der FDP (nahezu) alles.“

Christian Luscher

Über den Autor

Hinterlasse eine Antwort