Janna Schmidt-Holtz (33) ist Unternehmerin und Mutter. Nachdem sie in Oxford und London Wirtschaft studierte und drei Jahre bei Bain & Company gearbeitet hat, gründete sie drei Startups: Das Catering-Unternehmen Kaiserwetter sowie Glossybox, das auf dem Abo-Modell beruhende Beautyboxen versendet, und das Veranstaltungs-Portal Event Inc. Letzteres ist gerade von Berlin in unsere schöne Hansestadt umgezogen. Wir sprachen mit Janna Schmidt-Holtz über Hamburg als Startup-Standort, die Vereinbarkeit von Job und Mutterschaft sowie die Frauenquote.

 

hamburgwoman.de: Welche Bindung haben Sie zu Hamburg? Was gefällt Ihnen besonders an der Hansestadt?

Janna Schmidt-Holtz: An Hamburg bindet mich meine Familie. Alle wohnen in Norddeutschland. Wenn man ein Kind hat, ist es schön, die Familie in der Nähe zu haben. Ich bin am Ratzeburger See aufgewachsen und habe vor meinem Umzug nach Hamburg vor knapp zwei Jahren in Berlin gelebt.

Abgesehen vom Persönlichen kann ich sagen, dass ich Hamburg sehr liebe. Es gibt Städte, die Energie nehmen, und es gibt Städte, die Energie geben. Zu letzteren gehört auf jeden Fall auch Hamburg. Auch deshalb fühle ich mich hier zu Hause. Ich mag das Direkte der Norddeutschen und ich schätze die Loyalität gegenüber der Stadt, die man beispielsweise bei den gemeinsamen Aufräumaktionen nach dem G20-Gipfel in der Schanze sehen konnte. Es hat mich sehr berührt, dass so viele junge Leute mitangepackt haben.

Gibt es ein Unternehmen in Hamburg, das Sie besonders schätzen?

Ja, den HVV. Die Genauigkeit, Sicherheit und Sauberkeit der U- und S-Bahnen stellt einen großen Unterschied zu Städten weltweit, aber auch innerhalb Deutschlands dar. Es ist nicht selbstverständlich, dass man als Mutter sein eigenes Kind guten Gewissens den öffentlichen Verkehr nutzen lassen kann.

Unterscheiden sich die hiesigen Bedingungen für Startups von anderen Standorten in Deutschland?

Bei der Förderung von Startups haben wir hier in Hamburg tatsächlich noch etwas Nachholbedarf. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir Tech- und Onlinestartups besser nach Hamburg holen, beziehungsweise hier halten können. Da ist Berlin uns deutlich voraus. Eine gewisse Zugewandtheit der Stadt ist natürlich gegeben, es dürfte nur etwas konkreter werden.

Sie sind Unternehmerin und Mutter. Sehen Sie von staatlicher Seite Nachholbedarf für die Erleichterung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Mir ist aufgefallen, dass Frauen, die sich selbstständig machen, überhaupt keinen Mutterschutz bekommen. Ausgenommen sind zum Glück Mutter, die nachweisen können, dass sie durch die Mutterzeit einen Umsatzausfall erleiden. Aber bei der Gründung von klassischen Startups, wie in meinem Fall, kann man den Ausfall nicht nachweisen. Das heißt, dass ich keinen Cent Mutterschutz bekommen habe. Weil das so ist, muss man als junge Unternehmerin sehr mutig sein, wenn man Kinder bekommen möchte. Um den Mutterschutz wahrnehmen zu können, bleiben viele Frauen in Unternehmen, anstatt Firmen zu gründen. Insofern führt die Förderung weg von der Selbstständigkeit, die wir heute aber mehr denn je brauchen, um Zukunftsindustrien zu schaffen. Ein Missstand, der nur von Frauen aufgefangen werden kann, die Möglichkeiten haben, sich anders zu finanzieren und zu organisieren.

Welche staatlich durchgeführten Schritte waren denn bisher besonders hilfreich?

Dass KiTa-Plätze auch für sehr kleine Kinder geschaffen worden sind. Aber es ist nicht leicht für Frauen, den Spagat zwischen Arbeit und guter Mutterschaft hinzubekommen. Das liegt allerdings auch in der Natur der Sache. Ich hoffe und wünsche mir, dass Firmen künftig aufgeschlossener sind, diese überbrückende Zeit mitzumachen und dass Frauen die Möglichkeit gegeben wird, flexibler zu arbeiten. Dafür sind wir auch schon auf einem guten Weg. Ich bin der Gesetzgebung zum Beispiel dankbar dafür, dass Frauen für drei Jahre der Arbeitsplatz erhalten wird, wenn sie in den Mutterschutz gehen.

Was müssen die Männer unserer Gesellschaft auf dem Weg zur Gleichberechtigung leisten?

Hier würde ich zunächst festhalten wollen, dass wir da schon weit gekommen sind. Dafür muss man nur kurz überlegen, wo westliche Frauen noch in den 50ern standen und wo wir heute sind. Das sollte auch Männern gegenüber gewürdigt werden, die das mit ermöglicht haben. Auch heute gibt es Männer, die sich sehr für die Gleichberechtigung einsetzen. Beispielsweise hat Justin Trudeau, der kanadische Präsident, in seiner Rede beim G20 Gipfel den Einsatz für Gleichberechtigung von Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt zu seinem zentralen Thema gemacht.

Für das, was in der Gleichberechtigung noch zu leisten ist, sollten Männer und Frauen aber gemeinsam vorgehen. Denn ich glaube, dass wir in einem gemeinsamen Dialog besser vorankommen als in einer gegenseitigen Verurteilung.

Und Was meinen Sie zur Frauenquote? Ja oder nein?

Eine Mindestfrauenquote finde ich gut. Das diesbezügliche Versprechen der Wirtschaft nach Selbstregulierung ist nicht eingehalten worden und die Zeit, darauf länger zu warten, ist einfach vorbei. Mit einer Mindestquote würde ich nun mehr Veränderung herbeiführen. Allerdings muss der Anteil meiner Meinung nach natürlich nicht direkt auf 50:50 angehoben werden, weil das einfach noch nicht unserer gesellschaftlichen Realität entspricht. Derzeit ist es noch so, dass Männer im Vergleich zu Frauen, die Kinder bekommen, mehr Arbeitsstunden leisten.

Text: Wolfgang Wagner

Foto: Amin Akhtar

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