14 Jahre lang ermittelten in der bayerischen Kult-Krimiserie „Die Rosenheim Cops“ nur Männer. Damit ist seit kurzem Schluss: Hauptkommissarin Verena Danner geht mit auf Verbrecherjagd. Gespielt von der Winterhuderin Katharina Abt.

Ist es etwas Besonderes eine Kommissarin zu spielen? Jungs träumen davon, mal Polizist zu sein. Mädchen auch?
Katharina Abt: Nein, tun sie nicht. Besonders und spannend finde ich aber, dass Kommissare viel mit unserem Beruf zu tun haben, wie Journalisten im Übrigen auch, sie versetzen sich in andere Leute und versuchen die Wahrheit herauszufinden. Kommissare forschen und recherchieren, das macht man als Schauspieler auch, deshalb ist es unserem Beruf sehr verwandt.
Nach 345 Folgen mit nur männlichen Kommissaren sind Sie die erste weibliche Ermittlerin. Stolz?
Nein, denn ich habe ja nichts dafür getan.
Wie kamen Sie zu der Rolle?
Ich wurde eines Tages angerufen und gefragt, es gab kein Casting. Das fand ich sehr angenehm. Der Produzent meinte, sie hätten beim Schreiben der Rolle schon an mich gedacht. Das merkt man auch, denn die Figur ist mir sehr ähnlich.
Auch im Privaten?
Teilweise, die fährt sogar ein Auto, das ich früher mal gefahren bin, einen New Beetle Cabrio. Und Verena Danner ist genau wie ich, sie muss immer reden, Recht haben und lässt nichts auf sich beruhen. Sie ist, wie der Bayer so schön sagt, ein Gschaftlhuber (auf Hochdeutsch, ein Wichtigtuer).
Waren Sie erschrocken, wie nahe Ihnen die Person in der Serie kommt?
Nein. Ich habe mich darüber gefreut, denn dadurch muss ich mich gar nicht stark verändern, um diese Rolle zu spielen. Und, das ist ebenfalls besonders schön, sie liegt etwas abseits der Rollen, für die ich fast immer besetzt werde: die besorgte Mutter, die ich gar nicht bin. Bei den Rosenheim Cops, da durfte ich ich selbst sein und da ist man gleich viel entspannter. Hinzu kommen die Kollegen, mit denen die Arbeit extrem viel Spaß gemacht hat. Ich freue mich auf den nächsten Dreh in diesem Jahr.
Vor allem doch sicherlich auch, weil Sie als gebürtige Münchnerin mal wieder in der Heimat drehen dürfen. Wie war es beim ersten Mal?
Zuerst muss ich sagen, dass ich Hamburg über alles liebe. Trotzdem hatte ich natürlich Heimatgefühle, zumal mein Zweitrad in München steht. Es war aber eher ernüchternd, denn die Münchener schimpfen den ganzen Tag, nein sie krakeelen eher – das darf ich als Münchnerin sagen, denn ich bin so aufgewachsen. Ständig wird man gemaßregelt, beispielsweise wenn man nicht beide Hände am Fahrradlenker hat, nicht die richtige Seite des Radwegs benutzt oder was auch immer. Und dabei sind es beileibe keine Rentner mit Blockwartambitionen, in deren Augen man gerade etwas falsch macht, sondern auch „normale“ Menschen um die 40. Während der Dreharbeiten war ich häufiger in Hamburg und bin einmal am Bus falsch ausgestiegen, sofort dachte ich „oh, jetzt wird mich gleich jemand zurechtweisen“. Nein, in Hamburg nicht. Das ist sehr angenehm.
Die erste Folge mit Ihnen wurde ausgerechnet am Internationalen Frauentag, dem 8. März, ausgestrahlt. War das klug oder eher emanzipatorisch komisch?
Das war bestimmt Absicht. (überlegt) Vielleicht war es ein bisschen komisch, aber ich fürchte, dass in Richtung Gleichberechtigung noch ganz viel getan werden muss. Vor allem in puncto Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Meine Figur Verena Danner hat auch keine Kinder. Warum? Weil sie sonst diesen Job wahrscheinlich nicht machen könnte. Bis das und viele weitere Probleme behoben sind, muss es solche Frauentage leider noch geben. Insofern hat der Sendetermin ganz gut gepasst! kw

Die Rosenheim Cops
Ist eine Vorabend-Krimiserie der Bavaria Film GmbH im Auftrag des ZDF, die in Südbayern spielt. Aktuell läuft die 15. Staffel der 2002 gestarteten Serie, in der seit dem 8.3. erstmals auch eine Kommissarin ermittelt, weil sie aus Versehen dorthin versetzt wurde. Das passt ins Serien-Konzept, das laut Wikipedia, „seit Beginn auf den Gegensatz zwischen einem alteingesessenen oberbayerischen Ermittler und einem Kollegen aus der Großstadt setzt, der aus oftmals nicht nachvollziehbaren Gründen auf das Land versetzt wurde.“ Sendetermin: dienstags, 19.25 Uhr.

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